Seit Anfang Jahr sind an der Chicago Board of Trade CBOT, einer der wichtigsten Rohstoffbörsen der Welt, teils beachtliche Kursanstiege im Bereich der Agrarrohstoffe verzeichnet worden. Vor allem Zucker (30%), Baumwolle (20%), Soja (17%) und Kaffee (13%) gehören zu den Gewinnern. Hinter der aktuellen Hausse stehen jedoch andere Gründe als im 1. Quartal 2008, wo der Hype rund um die Soft Commodities vor allem aufgrund spekulativer Kräfte zustande gekommen war. Laut UBS-Rohstoffanalyst Dominic Schnider hat jetzt die Abhängigkeit der Agrarrohstoffe von gesamtwirtschaftlichen Zyklen zugenommen. Die verschiedentlich geäusserte Einschätzung, wonach besagter Bereich konjunkturunabhängig sei, muss deshalb korrigiert werden.

Ein vielseitiger Markt

Grundsätzlich handle es sich um einen vielseitigen Markt, der relativ stark durch individuelle Preistreiber geprägt werde, so Schnider. Verglichen mit anderen Rohstoffsektoren kann durch die fehlende Liquidität im Terminmarkt der Markteinfluss von Finanzinvestoren bei Agrarrohstoffen jedoch deutlich höher ausfallen. Langfristig sind Terminpositionen von Finanzinvestoren aber kein Preistreiber, da der Markt durch ein Nullsummenspiel zwischen Produzenten und Investoren geprägt ist.

Das Engagement von Finanzinvestoren trägt sogar dazu bei, dass Produzenten sich auf einem liquideren Markt abzusichern vermögen, was Vorteile bringt. Nach Einschätzung von Schnider erfolgen Marktverzerrungen durch Spekulationen höchstens kurzfristig.

Wetterschwankungen, eine steigende Nachfrage von Schwellenländern, Produktivitätsfortschritte sowie die Investitionskosten am Terminmarkt (Roll Yields) bezeichnet Schnider als die wichtigsten Faktoren, die den Agrarmarkt bestimmen. In den letzten Jahren aber hätten die zu bezahlenden Prämien auf dem Terminmarkt die positive Performance auf dem Kassamarkt (Spotmarkt) grösstenteils aufgefressen. Davon speziell betroffen sind Strategien, die kurzfristige Terminkontrakte halten. Ebenfalls negativ auf die Indizes der Soft Commodities wirkt sich eine gesteigerte Produktivität ? verbesserte Produktionsmethoden (z.B. Veränderung des Saatguts) - aus. Hingegen führt der Anstieg des Rohölpreises zu einer Verteuerung des Düngers, was wiederum die Produktionskosten ansteigen lässt. Getragen wird der Anstieg der Rohölpreise von den Schwellenländern, insbesondere in Asien. In der direkten Endnachfrage von Agrarrohstoffen spielen Schwellenländer ebenfalls eine wichtige Rolle: Solange hier der Wohlstand steigt, drohen keine Abwärtsspiralen auf den Agrarrohstoffmärkten. Beim Import von Baumwolle (40%) und Sojabohnen (20%) nimmt China eine zentrale Stellung auf dem Weltmarkt ein, während Indien weltweit der grösste Zuckerkonsument ist.

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Privatanleger sind gefordert

Aufgrund der hohen Volatilität der Agrarrohstoffkurse sind Investitionen für Privatanleger ziemlich anspruchsvoll, wie Schnider betont. Ein Engagement bedinge, dass man die Marktentwicklungen sehr aktiv mitverfolgen und wichtige Faktoren, wie die Wettervorhersage und die Rollerträge, eingehend studieren könne.

Ansonsten empfehle es sich, auf die Mandatsebene zu setzen, etwa in Form der Delegierung an einen Fondsmanager. Die Investition in einen Index, der eine gewisse Breite an Rohstoffen abdeckt, eigne sich etwa als kleine Kategorie für ein Portefeuille. Als die momentan sichersten Anlagewerte im Bereich der Agrarrohstoffe bezeichnet Schnider Zucker und Soja, aber auch Kaffee und Baumwolle. Zucker konnte vor allem dank einer gesteigerten Nachfrage Indiens stark zulegen.

In ein breites Spektrum von Agrarrohstoffe investieren Indexfonds (Exchange Traded Funds ETF); die Fonds bilden jeweils einen der verschiedenen Indizes nach. An der SIX Swiss Exchange gehandelt werden können der Market Access RICI (5% Performance 2009), der die 20 wichtigsten Agrarrohstoffe in einem Index vereint, oder der Market Access Jim Rogers International Commodity Index Fund (15%), der nebst Agrarrohstoffen auch weitere physische Rohstoffe abbildet.

Diversifizieren über Agrar-Titel

Für Anleger, die nicht in Rohstoffderivate selber, sondern in Firmen in diesem Segement investieren wollen, dürfte ein neuer Fonds von Pictet - der PF (LUX) Agriculture -, der ab dem 29. Mai aufgelegt wird, von Interesse sein. Das Anlageuniversum des Pictet-Fonds besteht zu 55% aus Nordamerika und zu 45% aus Europa. Die Investmentphilosophie von Pictet beinhaltet ein aktives Management und das Prinzip, dass nicht in Firmen investiert wird, die ausschliesslich Biotreibstoffe herstellen und damit die Lebensmittelpreise ungünstig beeinflussen könnten. Der PF (LUX) Agriculture von Pictet eignet sich für Anleger, die langfristig planen, eine hohe Risikotoleranz besitzen und Beimischungsmöglichkeiten für ein Portefeuille mit traditionellen Anlagen und Investitionen suchen.