Der boomende Persische Golf beginnt, eine eigene Form von Kreditkrise nach sich zu ziehen. So fehlen den Banken die ausreichenden Mittel, um die Kreditnachfrage der Unternehmen zu befriedigen. Falls die Geldinstitute nicht in der Lage sind, ihre Einlagen zu erhöhen oder neue Finanzinstrumente zu entwickeln, könnte es passieren, dass die Region wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten wirtschaftlich langsamer wächst. «Die Banken balgen sich um Geld», sagt Malcolm DSouza, Präsident der Finanzmarktvereinigung der Vereinigten Arabischen Emirate. «Sie verleihen so schnell Geld, dass sie nicht in der Lage sind, neue Einzahler zu finden.»

Ein Problem der Verteilung

Anders als in den USA und Europa, wo die Angst vor Zahlungsausfällen die Kreditgeber dazu bringt, ihr Geld zu horten, kämpfen die Länder am Persischen Golf mit einem «Verteilungsproblem»: Die Öleinnahmen fliessen vornehmlich in die Infrastruktur. In anderen Teilen der Wirtschaft kommt immer weniger Geld an. «Die Finanzierung von Infrastrukturprojekten verbraucht einen grossen Teil der Ölgewinne und Regierungsgelder, und es braucht Zeit, bis diese Investments substanzielle Gewinne abwerfen», sagt Jason Goff, Kassenchef bei der Emirates Bank.

Besonders akut ist das Problem in Dubais boomendem Immobilienmarkt, der aktuell Projekte im Umfang von fast 300 Mrd Dollar umfasst – fast das Dreifache des Bruttoinlandprodukts dieser Region. Der Internationale Währungsfonds (IWF) arbeitet mit den Regierungen zusammen, um die Kapitalmärkte in dieser Region zu fördern. «Ein Hauptproblem ist das Fehlen von Finanzinstrumenten», meint Mohsin Khan vom IWF. Konkret arbeitet der IWF an der Entwicklung von Märkten für Sukuk-Anleihen, die das islamische Zinsverbot umgehen. Die Ausgabe dieser Anleihen stieg von 25 Mrd Dollar im Jahr 2006 auf 47,1 Mrd im vergangenen Jahr.

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