Die Rezession hat ihren Griff um die Schweizer Realwirtschaft noch nicht gelockert. Die viel zitierten grünen Knospen scheinen angesichts einer nach wie vor rasch fallenden Industrieproduktion bei zusehends prekärer Auftragslage schwer fassbar. Die Exporte schrumpften auch im Mai weiter. Der Auftragseingang der Maschinenindustrie fiel im 1. Quartal 2009 mit 44% gegenüber dem Vorjahr ins Bodenlose. Eine Stabilisierung ist hier noch nicht angezeigt. Hingegen dürften sich bereits arg gebeutelte Industriebranchen - etwa die Textilindustrie - in den kommenden Monaten auf tiefem Niveau konsolidieren.

Bodenbildung mit Rutschgefahr

Die Schweizer Wirtschaft hat etwas Boden gefunden, dessen Tragkraft ist indes noch nicht abzuschätzen. Die Frühindikatoren, namentlich der Einkaufsmanagerindex PMI, zeigen eine Verlangsamung der Abwärtsspirale an. Von einer Schubumkehr kann dabei keine Rede sein. Die Realwirtschaft befindet sich nach wie vor im festen Griff der Rezession. Die Industrieproduktion verzeichnete den stärksten Fall seit 1975. Die erneute Verschlechterung der Auftragslage weist auf eine fortdauernde Abwärtstendenz hin. Besonders betroffen sind exportorientierte Betriebe, da die Aussennachfrage nach wie vor schneller und stärker fällt als die Binnennachfrage. Die Exporterlöse sanken von Januar bis Mai um real 16% gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode. Eine Erholung ist weiterhin nicht in Sicht. Als einziger Lichtblick weist die Nahrungs- und Genussmittelindustrie ein nur bescheidenes reales Minus aus (2,1%). Den Schaden in Grenzen hielten auch die Präzisionsinstrumente (ohne Uhren: 4,5%). Einen Einbruch von über 20% verzeichneten dagegen die Metallindustrie (33%), die Textilindustrie (-30%), die Uhrenindustrie (-27%) sowie die Maschinen- und Elektronikindustrie (-24%). Geografisch betrachtet wuchsen von Januar bis Mai einzig die nominalen Exporte nach Japan (+15% auf 2,9 Mrd) sowie diejenigen nach Iran (+4% auf 0,3 Mrd). Die Verkäufe in europäische Länder gingen um 17% zurück. Die Exporte nach Asien, Nordamerika und Lateinamerika schrumpften um je knapp 10%.

Industrie im Schüttelbecher

Die Schweizer Industrie produzierte im 1. Quartal 2009 9,5% weniger als im Vorjahr. Gegenüber dem Vorquartal schrumpfte die Produktion um 4,4% - ebenso schnell wie schon im Schlussquartal 2008. Die Umsätze gingen um 9,2% zurück. Noch düsterer präsentierte sich die Auftragslage. Der Rückgang der Auftragsbestände um 12% sowie der Einbruch der Neubestellungen um knapp 18% unterstreichen, dass für die nachfolgenden Quartale noch keine Entwarnung angezeigt ist. Der Rückgang der Auftragseingänge übertrifft den bisherigen Tiefstwert von 1978 (-12%) deutlich. Die Neuaufträge aus dem Ausland nahmen gar um 24% ab.

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Die Absatzkrise in der Industrie hat sich bereits im 1. Quartal 2009 trotz massivem Einsatz von Kurzarbeit auf die Beschäftigung ausgewirkt. Im Metall- und Maschinenbau gingen im Vergleich zum Vorquartal saisonbereinigt fast 4000 Stellen verloren. Einen Aderlass verzeichnete auch die Uhrenindustrie. Die trotz drastischen Produktionsdrosselungen zur Neige gehenden Auftragsbestände und das Ausbleiben entsprechender Volumina an Neuaufträgen weisen darauf hin, dass die Krise in der Industrie noch längst nicht ausgestanden ist und eine weiter sinkende Auslastung zu einem Kapazitätsrückbau führen wird.