Die umsatzstärkste Fussball-Liga der Welt, die englische Premier League, leidet unter der Finanzmarktkrise. Mit Northern Rock, AIG, Barclays und Nationwide sind eine ganze Reihe von Sponsoren durch die Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten und bringen die reichste Fussballliga der Welt in Bedrängnis. Zwar leiden auch andere Ligen, etwa die belgische Jupiler League mit den Ausfällen von Dexia und Fortis. Durch ihre sportliche Attraktivität ist die Premier League für finanzkräftige Sponsoren interessant und deshalb stärker betroffen.

West Ham London trifft die Krise mit doppelter Härte. Der aktuelle Verein des Schweizer Internationalen Valon Behrami wollte mit grossem finanziellem Einsatz die Tabellenspitze stürmen.

Erst musste der Trikotsponsor, der englische Reiseanbieter XL, Konkurs anmelden. Dadurch gingen dem Klub Einnahmen von gegen 5 Mio Fr. verloren. Durch den Kollaps des isländischen Finanzsektors kam dann auch der Besitzer des Clubs, Bjorgolfur Gudmundsson, in Bedrängnis.

Der Staat springt ein

Der Isländer Gudmundsson ist, zusammen mit seinem Sohn, im Besitz von 42% der Landsbanki-Aktien des kürzlich verstaatlichten Institutes. Was in anderen Branchen üblich ist, gilt nun auch für den Fussball. Sparmassnahmen werden durchgesetzt. Mindestens zehn Spieler sollen aus dem Kader von West Ham gestrichen werden. Bis eine Lösung für die Sponsoring-Verträge gefunden ist, bezahlen US-amerikanische und englische Steuerzahler (über garantierte Staatshilfen für AIG und Co.) einen Teil der Spitzensaläre der Fussball-Cracks.

«Ein Problem entsteht für Vereine erst, wenn die Verträge mit den derzeitigen Trikot-Sponsoren auslaufen und eine Vertragsverlängerung zu denselben Konditionen erzielt werden soll», so der Sport-Business-Experte Christian Schneider von Deloitte. Die Profis müssen aber auch dann nicht darben. «Die TV-Einnahmen in der Premier League sind zu signifikant, als dass grosse Klubs unter dem Wegfall eines einzigen Sponsors leiden könnten», so Schneider. Bei Manchester United wird das Engagement von AIG auf 17 Mio Euro geschätzt. Das entspricht bloss 5% der Gesamteinnahmen des Klubs.

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Eine Konsequenz der Krise könnte jedoch sein, dass Investitionen in die Infrastruktur gestrichen werden. So verschiebt der FC Liverpool den Beginn des 350 Mio Pfund teuren Stadion-neubaus.

Hohe Schuldenlast

Die englischen Fussballklubs sollen derzeit mit 3,85 Mrd Euro verschuldet sein. Ein Drittel davon entfällt auf die vier Spitzenklubs Manchester United, FC Liverpool, Arsenal London, und Chelsea London. «Die negativen Betriebsergebnisse bei einigen Vereinen aus der Premier League sind nicht neu und auch nicht direkt auf die aktuelle wirtschaftliche Situation zurückzuführen», so Christian Schneider, SportBusiness-Experte bei Deloitte.

Vielmehr sind die vergleichsweise hohen Gehälter, die in Spanien, Italien, Frankreich und England bezahlt werden, Schuld an der Misere. Deutsche Klubs würden im Vergleich viel vernünftiger wirtschaften. «Seit den Weltmeisterschaften 2006 liegt das Verhältnis von Gehaltskosten zu Umsatz in der Bundesliga bei 45%, in den anderen europäischen Top-Ligen bei über 60%», so Schneider. Das führt dazu, dass der Gesamtgewinn der Bundesliga-Klubs derzeit bei 250 Mio Euro liegt, derjenige der Premier League Vereine bei nur 141 Mio Euro.

Schweizer Sport kaum betroffen

Im Schweizer Spitzensport werden kleinere Brötchen gebacken. Daher bleibt er von grossen Ausfällen im Bereich Sponsoring verschont. Die Credit Suisse unterstützt weiterhin den Schweizerischen Fussballverband (SFV) und bleibt damit der Fussball-Nati und dem Fussball-Nachwuchs erhalten. Die CS engagiert sich zudem beim Challenge Golfturnier. Damit soll die Entwicklung junger Schweizer Golfer gefördert werden.

Auch die UBS gibt sich weiterhin offen, was das Sponsoring betrifft. Jedoch müssten, um die Bank wieder in die Gewinnzone zu bringen, alle Einheiten bei den Sparmassnahmen mitmachen. Bestehende Sponsorings seien davon nicht betroffen, jedoch könnte es sein, das auslaufende Verträge nicht mehr verlängert würden.

Ob das Segelteam Alinghi weiterhin unterstützt wird ist derzeit noch offen, da noch nicht feststeht, wie der nächste America‘s Cup aussehen soll und wann er stattfindet. Erst wenn diese Punkte geklärt sind, können die Diskussionen zwischen UBS und Alinghi wieder aufgenommen werden. Die Raiffeisen Bank konnte sich durch die Finanzkrise über einen Zufluss von Kundengeldern freuen. Davon profitiert erneut auch der hiesige Ski-Nachwuchs.