LOGISTIK. Die Bekanntgabe der 3.- Quartals-Zahlen von Kühne + Nagel verlief unspektakulär – weder negative noch ausserordentlich positive Überraschungen wurden den Anlegern offenbart. Dennoch: Der Grundtenor am Markt ist zuversichtlich. «Die Zahlen fielen leicht über meinen Erwartungen aus», fasst Analyst Michael Foeth von Vontobel zusammen. Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein.

Kursziel von 150 Franken

Dass die Aktie am Tag der Bekanntgabe der Zahlen mit einem leichten Minus in den Handel startete und sich nicht ganz erholen vermochte, hängt mit Gewinnmitnahmen zusammen – und mit dem leicht negativ tendierenden Gesamtmarkt. Foeth sieht mit einem Kursziel bei 150 Fr. durchaus noch Potenzial im Titel. Auch Analyst Chris Burger von Helvea ist optimistisch: «Das Unternehmen hat ein grosses Exposure zur Seefracht, das viel Zukunftspotenzial aufweist». Ausserdem sei bereits in der Vergangenheit das grössere Wachstum als beim Konkurrenten Panalpina zu beobachten gewesen.

Unter Verdacht geraten

Wegen Verdachts auf Preisabsprachen bei den Treibstoffzuschlägen in der Luftfahrt beschlagnahmten vor zwei Wochen die Behörden diverse Unterlagen und Computer von verschiedenen Speditions- und Logistikkonzernen. Die Hausdurchsuchungen der Wettbewerbsbehörden überraschten auch die beiden Schweizer Firmen. Sowohl Panalpina wie auch Kühne + Nagel mussten darauf Kurseinbussen hinnehmen. Wie lange die Untersuchungen dauern werden, steht in den Sternen. Burger ist jedoch zuversichtlich, dass sie keine dramatischen Auswirkungen haben werden: «Der Markt ist hart umkämpft und stark fragmentiert. Weil die Marktanteile der einzelnen Player sehr klein sind, sind Preisabsprachen unwahrscheinlich.» Während bei Kühne + Nagel die Kauf-Empfehlung trotz dieser Unklarheit überwiegen, dominiert bei den Analysten für den Konkurrenten Panalpina die Empfehlung «Halten». Diesen Herbst mussten sich Panalpina-Aktionäre wahrlich ein dickes Nervenkostüm zulegen. Die Aktie ging nach der Mitteilung der Hausdurchsuchungen bereits das zweite Mal auf Talfahrt. Der Grund für das Absacken des Titels um 20% im September lag darin, dass Panalpina eine zeitlich beschränkte Schliessung der Ländervertretung in Nigeria bekannt gab. Das Basler Unternehmen steht dort unter Korruptionsverdacht. Ungeachtet der Turbulenzen rund um Panalpina: Der Markt für Logistikkonzerne boomt. Wichtigster Treiber des gesamten Sektors ist die Globalisierung: Die Auslagerung von Geschäftsbereichen nach Asien kommt den Firmen zugute. Gerade Kühne + Nagel ist im Bereich Seefracht von Asien nach Europa stark. Analyst Foeth rechnet für den Bereich Seefracht künftig gar mit einem doppelstelligen Volumenwachstum. Und: «Für den Gesamtmarkt gehen wir von Wachstumsraten um 9?10% aus und für die Luftfahrt rechnen wir mit 6%.» Auch die Konsolidierung des Sektors ist mitten im Gange. Burger geht davon aus, dass Kühne + Nagel und Panalpina weiter Marktanteile gewinnen, während die kleinen Player auf lange Sicht mehr und mehr verschwinden werden. Doch zunächst treten auch noch neue Akteure auf die Börsenagenda. In Deutschland steht im November der Börsengang der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) an – bisher ein öffentliches Unternehmen, Analysten gehen von einem Emissionsvolumen von insgesamt 1 Mrd Euro aus.

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Prognose: 100Prozent Wachstum

Für Anleger, welche nicht nur SWX-kotierte Unternehmen in Betracht ziehen: Die Deutsche Post treibt – neben dem Briefgeschäft ? den Ausbau ihrer Stellung auf dem osteuropäischen Express- und Logistikmarkt und in Russland weiter voran. Diese Tage wurde bekannt, dass sie ihr Filialnetz für Geschäftskunden in Deutschland stärker ausbauen will. Obwohl der Aktienkurs die letzten Monate einige Turbulenzen mitmachte, empfiehlt die Mehrheit der Analysten den Titel zum Kauf. Analyst Manfred Jaisfeld von der National-Bank sieht das Kursziel bei 27.50 Euro (Aktuell 20.75 Euro).