Anleger werden derzeit von einer Flut von Spam-E-Mails überschwemmt. Die ungewollten Werbebotschaften versprechen etwa stark wachsende Unternehmen aus der Energieindustrie ausgemacht zu haben und versuchen, Investoren von den günstigen Aktien zu überzeugen. Nach dem jüngsten Run auf Gold stammen die Investmenttipps häufig aus dem Rohstoffsektor.

Das ganze Ausmass der Mailflut zeigen Untersuchungen des Antiviren-Spezialisten Symantec:Noch im März enthielten nur 6% der Spam-Nachrichten Empfehlungen zu Finanzangeboten, im September waren es bereits 17%. «Spammer schrecken nicht davor zurück, falsche Anlagetipps zu geben denn solche Fehlinformationen können dem Spammer Gewinne einbringen, leider aber nur dem Spammer und nicht dem Kunden», so Candid Wüest, Sicherheitsexperte bei Symantec.

Kurssturz mit Ansage

Das Vorgehen der Spam-Nachrichten-Betrüger ist bekannt und leicht zu durchschauen. Beim sogenannten Pump-and-Dump werden Pennystocks aus dem internationalen OTC-Markt zu vermeintlich sicheren Aktientipps hochgejubelt. Wenn die Preise der Titel aufgrund der grösseren Nachfrage ansteigen, verkaufen die Spammer den Titel mit Gewinn, und prompt bricht der Kurs ein. Nichtsahnende Investoren bleiben auf ihren nun beinahe wertlos gewordenen Papieren sitzen. Doch: «Anleger sind durch die Krise vorsichtiger geworden und fallen nicht mehr so leicht auf die Spam-Betrüger herein», so Marco Preuss, Virenanalyst bei Kaspersky Lab. Wer dubiose E-Mails empfängt, sich aber nicht sicher ist, ob es ein ernst gemeintes Angebot ist, sollte sich vergewissern, ob eine persönliche Anrede verwendet wurde und ob der Absender bekannt ist, rät Preuss. So lassen sich viele der ungewollten Nachrichten bereits als Spam erkennen. «Ein wichtiges Merkmal sind Rechtschreibfehler», so der Experte. Formulierungen wie «Small-Caap Emerging Golid Repport» weisen auf Spam hin. Zudem werden völlig unrealistische Gewinnversprechen abgegeben. Aktien, die heute noch bei 30 Cent notieren, sollen in wenigen Tagen auf 3 Dollar klettern - garantiert! «Die Angebote sind immer zu schön, um wahr zu sein», sagt Virenexperte Preuss.

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iPhone ist keine sichere Insel

Auch bei zweifelhaften Finanzinformationsdiensten ist Vorsicht angebracht. Wer mit Sicherheit die zehn Aktien kennt, die 2010 über 100% zulegen, gibt sie nicht für einen kleinen Abobetrag preis. Der Abo-Service kann vielmehr dazu dienen, Kundendaten wie Kreditkarten- oder Telefonnummern abzuschöpfen. Informationen, die sich von Betrügern gut weiterverkaufen lassen.Die Internet-Sicherheitsexperten von Retarus halten zudem fest, dass sich zwischen Juli und Oktober der Anteil der mit Viren infizierten E-Mails nahezu versechsfacht hat.

Diese Nachrichten würden zwar selbst keine Viren enthalten, aber auf verseuchte Internetseiten verweisen. Auf diesen Webseiten können dann Drive-By-Downloads ausgeführt werden. Die Schadsoftware kann sich so unbemerkt auf einem PC installieren. Das Programm schöpft dann beim Login ins Online-Banking die Zugangsdaten ab. «Wird der Kundenzugang ausspioniert, können leicht Bankguthaben abgezweigt werden», so Preuss. Regelmässige Updates des Betriebssystems und des Viren-Scanners bieten einen gewissen Schutz. «Überall, wo es Geld zu holen gibt, besteht eine gewisse Gefahr», so Virenanalyst Preuss. Deshalb werden auch auf Smartphones Betrügereien zunehmen. Je mehr Benutzer eine bestimmte Plattform verwenden, desto interessanter wird sie. Bereits sind erste Viren für das Apple-Telefon aufgetaucht.