Michael Ho ist Anleihenexperte bei ING Investment Management, Den Haag. Er ist optimistisch für hochverzinsliche Anleihen, insbesondere aus Europa.

In den letzten Monaten hat sich die Stimmung gegenüber Schwellenländern deutlich verschlechtert. Wie beurteilen Sie die Lage?
Michael Ho:
Derzeit sprechen mehrere Faktoren gegen die Schwellenländer. Nachdem die Investoren während Jahren viel Geld in diese Märkte investiert haben, kommt es nun zu einem Rückfluss der Mittel. Das makroökonomische Umfeld hat sich verschlechtert. Die Anleger sind angesichts der Entwicklungen in Ländern wie Argentinien oder der Türkei deutlich vorsichtiger geworden. Durch das angekündigte Tapering der Fed sind die Zinsen in den USA gestiegen. Zudem gibt es interessante Alternativen. Dies hat zu einem Ausverkauf in den Schwellenländern geführt.

An welche Alternativen denken Sie?
Hochverzinsliche Unternehmensanleihen in Europa und den USA haben sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Noch 2013 verbesserte sich der US-Markt um 7 Prozent, während europäische Papiere sogar um 10,3 Prozent zulegen konnten. Die Ertragserwartungen sind unserer Meinung nach weiterhin attraktiv.

Welchen Gesamtertrag erwarten Sie 2014?
Die Anlageklasse sollte mit europäischen Anleihen nach wie vor 4,5 Prozent abwerfen. Mit amerikanischen Papieren erwarten wir sogar 5 Prozent. Im aktuellen Zinsumfeld sind solche Zahlen durchaus attraktiv. Angesichts der tiefen Zinsen werden die Coupons, sprich die laufenden Einnahmen, den Grossteil der Gesamterträge der Anleihen ausmachen.

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Die US-Notenbank Fed bereitet mit dem Tapering allerdings die Zinswende vor. Dies erhöht den Druck auf US-Anleihen.
Nachdem Amerikas Wirtschaft an Fahrt zulegen konnte und die Fed das ­Tapering eingeleitet hat, steigt dort der Druck für höhere Zinsen. Anders sieht die Situation in Europa aus, wo vorerst kein Ende der expansiven Geldpolitik in Sicht ist. Die Zinsen werden wohl noch länger tief bleiben. Für die Investoren in Europa lohnt sich daher ein Blick auf hochverzinsliche Unternehmensanleihen.

Gehen die Anleger in diesem Bereich nicht zu hohe Risiken ein?
Die Gefahr von Ausfällen bei Hochzins-Anleihen nimmt eher ab. Seit der ­Finanzkrise stärken die Unternehmen ihre Bilanzen und senken ihren Verschuldungsgrad. In Europa setzt sich dieser Prozess fort. Aufgrund der tiefen Zins­sätze fällt den Unternehmen eine Refinanzierung zudem ziemlich leicht. Hinzu kommt, dass die Gefahr einer negativen Berichterstattung aufgrund der Euro-­Krise zurückgeht. Entsprechend spüren wir in Europa einen Geldfluss in die An­lageklasse, während es in Amerika zu ­Abflüssen kommt.

Wie steht es um das Angebot in der ­Anlageklasse?
Das Angebot an Hochverzinslichen ist sehr gross und findet auch eine hohe Nachfrage. Allein 2013 wurden über 80 Milliarden Euro an High-Yield-Anleihen ausgegeben und vom Markt absorbiert. Deren Rating-Qualität liegt bei B oder BB. Die Gelder wurden zur Refinanzierung benötigt, nur ein kleiner Teil wurde auch für die Zahlung von Dividenden verwendet. Seit die Zinsen auf diesem rekordtiefen Niveau sind, findet eine Verlagerung von der Bankfinanzierung hin zu einer ­Finanzierung über Obligationen statt. Dadurch und durch die Herunterstufung von Investment-Grade-Anleihen ist das Universum an High-Yield-Anleihen deutlich gewachsen.

Wie sollen die Investoren bei der Auswahl der Produkte vorgehen?
Viele Investoren verlassen sich auf ­ihnen bekannte Namen und kaufen, was sie kennen. Dieser Ansatz birgt aber viele Risiken. Besser wäre es, die Papiere zu kennen, in die man investieren will.

Welche Anlagen empfehlen Sie?
Wir setzen unter anderem verstärkt auf Anleihen von europäischen Finanz­instituten. Letztere haben ihre Strategien aufgrund regulatorischen Drucks auf ­Risikoreduzierung ausgerichtet, was ­einem erlauben wird, von besser werdenden Bilanzkennzahlen zu profitieren.