Der Goldpreis auf Talfahrt, viele Minenfirmen vor dem Aus: Zehn Jahre ist es her, dass europäische Notenbanken den Goldmarkt in schwere Turbulenzen stürzten. Die Währungshüter, allen voran Briten und Schweizer, verkauften innerhalb weniger Monate Hunderte Tonnen ihrer Goldreserven. An eine goldene Zukunft des gelben Metalls mochte damals keiner glauben.

2009 zeigt sich ein völlig anderes Bild. Der Preis liegt mit über 1020 Dollar je Unze knapp unter dem Allzeithoch, die Kurse vieler Minenunternehmen legten allein in den vergangenen Wochen zweistellig zu.

Dollar birgt Rückschlaggefahr

An goldgierigen Interessenten besteht derzeit auch kein Mangel. So soll Medienberichten zufolge diese Woche die chinesische Zentralbank ihr Interesse an einem Teil des IWF-Schatzes angemeldet haben. Und nicht nur die Notenbank in Peking, auch andere Zentralbanken in aller Welt horten Gold. Laut Branchendienst GFMS werden die Notenbanker in diesem Jahr unterm Strich wohl mehr Gold zukaufen als verkaufen.

Diese optimistische Sicht teilen auch viele Privatanleger. Die Zuflüsse in Gold-ETC (Exchange Traded Commodities, eine Variante der Indexfonds ETF) waren in den vergangenen Wochen ausserordentlich hoch. Derzeit sind rund 54 Mrd Dollar weltweit in Gold-ETF geparkt. Das ist so viel wie noch nie. «Die Nachfrage steigt, da die Anleger in den Industrienationen Gold als werthaltiges Investment sehen und einen signifikanten Anteil in ihren Portefeuilles halten wollen», sagt David Donora, leitender Rohstoffexperte bei der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle.

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Denn auch wenn die Weltwirtschaft in Fahrt zu kommen scheint, bleibt bei vielen Anlegern die Befürchtung, dass angesichts der billionenschweren Staatshilfen weltweit über kurz oder lang eine Inflation droht. Das Edelmetall scheint im Gegensatz dazu sicher, da es Regierungen weder herstellen noch entwerten können. Zudem herrscht Furcht vor einem Niedergang des Dollar. «In Gold wird derzeit vor allem als Absicherung gegen den Dollarverfall investiert», erklärt Brooks.

In der Entwicklung der US-Währung liegt derzeit die grösste Rückschlaggefahr. Sollte sich der «Greenback» wieder von seinem derzeitigen Tief erholen, dürften auch die Goldnotierungen unter Druck kommen. Ohnehin sind einige Investoren angesichts des Goldrauschs vorsichtig geworden. «Da andere Rohstoffpreise nicht so stark zugelegt haben, halten wir den Goldpreisanstieg für übertrieben», sagt Joost van Leenders, Investmentspezialist bei Fortis. «In unserem Absolute-Return-Portfolio sind wir in Gold untergewichtet.» Doch die Investorensicht muss nicht unbedingt mit der Realwirtschaft korrespondieren.

So setzen die Goldfirmen selbst mittel- bis langfristig auf steigende Notierungen, nachdem sie sich eine Dekade lang extrem defensiv positioniert hatten. Dies zeigt sich an den zuletzt deutlich abgebauten Absicherungsgeschäften, die lange Jahre dazu dienten, einen Absturz des Goldpreises finanziell abzufedern. Der weltgrösste Goldproduzent Barrick Gold berichtete zuletzt über die breit angelegte Rückführung seiner Hedging-Positionen. Schätzungen zufolge wird das Absicherungsvolumen aller Goldfirmen bis Ende 2009 auf gerade einmal 200 t sinken, das wäre der niedrigste Stand seit zehn Jahren.

30 Prozent Nachholbedarf

Die Stimmung unter den Goldfirmen hat sich nach dem Absturz im Frühjahr ohnehin aufgehellt. Die Börsenbewertungen einiger Förderer haben um bis zu 100% zugelegt. «Die Firmen liegen aber immer noch deutlich unter ihren Bewertungen von 2008, obwohl der Goldpreis heute höher notiert.» Hans Wilhelm Brand, Verwalter mehrerer ausgezeichneter HWB-Fonds, sieht daher einen 30% igen Nachholbedarf bei einigen Goldaktien. «Ein Investment in die Goldbranche halte ich angesichts der Gewinnchancen derzeit für äusserst attraktiv.»

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