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Ausschüttungen
Die grosse Schweizer Dividendenprognose

Schweizer Franken
Geld im Überfluss: Für 2017 drohen nur wenige Dividendenkürzungen. KeystoneQuelle: Keystone

Aktionäre dürfen sich freuen: Für das Geschäftsjahr 2017 schütten kotierte Schweizer Unternehmen erneut mehr Gelder aus als im Vorjahr.

Von Peter Manhart
am 26.10.2017

Sechsundvierzig Milliarden und rund 700 Millionen Franken an Dividendenzahlungen werden gemäss Schätzung des Zuger Vermögensverwalters zCapital an den Generalversammlungen der kotierten Schweizer Konzerne 2018 beantragt – so viel wie noch nie. Der überwiegende Teil davon geht auf das Konto der Aktionäre der SMI-Gesellschaften. Konkret werden das rund 37,9 Milliarden Franken sein.

Die Dividende ist im Negativzinsumfeld für viele Anleger ein wichtiger, wenn nicht sogar der Hauptgrund geworden, Aktien zu kaufen. Und das zu Recht. Der verantwortliche Portfoliomanager für den Dividendenfonds von zCapital, Pascal Seidner, zählt Gründe dafür auf: «Die Dividendenrenditen von Schweizer Aktien sind deutlich höher als die Renditen von Staatsanleihen und die Dividendenrendite ist bei vielen Unternehmen höher als die Verzinsung der eigenen Obligationen.»

In allen Marktphasen besser

Aber nicht nur relativ zu anderen Anlageklassen sind Dividendenaktien attraktiv. Auch gegenüber Aktien, die keine Dividenden zahlen, schneiden sie besser ab, und zwar in allen Marktphasen, betont Pascal Seidner: «In Studien wurden die Renditen von US-Aktien in Haussen und Baissen in den letzten Jahrzehnten verglichen und dabei wurde festgestellt, dass besonders in Bärenmärkten ein deutlicher Performanceunterschied besteht. In Bullenmärkten ist die Differenz kleiner, aber ebenfalls vorhanden.»

In der Kursgrafik oben ist der SPI einmal als Preis- und einmal als Total-Return-Index (mit Dividenden) abgebildet. Werden die Renditen pro Jahr miteinander verglichen, scheint der Performanceunterschied in den vergangenen 15 Jahren nicht so gross zu sein (5,1 Prozent gegenüber 7,9 Prozent). Doch das täuscht gewaltig. Ohne Dividende ist der Index in diesem Zeitraum 110,2 Prozent vorgerückt, mit Dividenden jedoch 213,1 Prozent. Über den Daumen gepeilt waren die Ausschüttungen also für einen Drittel der Performance verantwortlich.

Die Wichtigkeit der Dividende für den langfristigen Anlageerfolg ist eindrücklich, doch auf was muss bei der Wahl eines Titels geachtet werden? Seidner warnt davor, nur auf die Höhe der Rendite zu blicken. «Eine sehr hohe Dividendenrendite kann ein Warnsignal sein. Möglicherweise ist der Aktienkurs wegen eines Gewinneinbruchs stark gesunken. In solchen Fällen droht eine Kürzung oder gar ein Ausfall der Dividende. Das ist ein Risikofaktor.»

Nur wenige Dividendenkürzungen drohen

Beim Screening des Schweizer Aktienmarkts ist zCapital nur auf wenige Valoren gestossen, die für das Geschäftsjahr 2017 eine tiefere Dividende ausschütten dürften als im Vorjahr. Der prominenteste Wert ist die Credit Suisse Group. Die Grossbank wird die Dividende nicht mehr wahlweise in neuen Aktien oder Bargeld entrichten, sondern nur noch Cash ausschütten. Um den Mittelabfluss für die Bank nicht ansteigen zu lassen, wird die Dividende in der Konsequenz markant gekürzt. ZCapital geht von einer Senkung von 70 Rappen je Titel für das Geschäftsjahr 2016 auf 25 Rappen für 2017 aus.

Beim Kredit- und Leasingspezialisten Cembra Money Bank wird 2017 die Sonderdividende von 1 Franken wegfallen. Nach der Übernahme der Winterthurer EFL Autoleasing Mitte Oktober wäre ansonsten die von Cembra angestrebte Bilanzqualität nicht mehr gegeben.

Den Spezialheizkörperhersteller Zehnder belastet der schleppende Geschäftsgang. Die Dividende wird gemäss zCapital von 95 Rappen im Vorjahr auf 45 Rappen je Aktie gekürzt, wenn an der Ausschüttungsquote von 30 bis 50 Prozent des Reingewinns festgehalten wird. Da Zehnder eine sehr konsequente Dividendenpolitik verfolgt, wäre ein Abrücken vom Zielband eine Überraschung.

Der Klima- und Fertigungstechniker Walter Meier hat bereits bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses die Anleger auf eine Senkung vorbereitet. Zwar wurde bekräftigt, dass auch in den nächsten Jahren eine stabile Ausschüttungspolitik von 2 Franken je Aktie aufrechterhalten werden soll. Aber eine temporäre Kürzung werde wegen eines einmaligen Integrationsaufwands und nicht realisierter Synergien nicht ausgeschlossen.

Versorger stehen unter Druck

Wenn nicht zu sehr auf die schiere Höhe der Ausschüttungen geschielt werden soll, worauf sollten sich Anleger dann konzentrieren? Pascal Seidner erklärt: «Nachhaltige und hohe freie Cashflows bilden die Grundlage für regelmässige Ausschüttungen an die Aktionäre.» Diesbezüglich trumpft die Schweizer Unternehmenslandschaft auf. Der Anteil an Firmen mit hohen freien Cashflows ist im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch. Zu finden sind entsprechende Titel unter den nichtzyklischen Konsumgüterherstellern. Dazu zählen etwa Nestlé, Lindt & Sprüngli und Orior.

Seidner erwähnt zudem die Pharmabranche und die Assekuranz. Er weist darauf hin, dass historisch gute Dividendenzahler wie Banken – wegen der höheren Kapitalanforderungen – und Versorger aktuell unter Druck stehen. Letztere leiden unter den tiefen Strompreisen. In Kombination mit der Energiewende führt das zu einem substanziell höheren Investitions- und Abschreibungsbedarf.

Im Radar unten hat zCapital für alle SLI-Titel eine Prognose abgegeben. Im Uhrzeigersinn sind die Indexmitglieder nach Höhe der Dividendenrendite angeordnet (Hier finden Sie den Radar in vergrösserter Ansicht).

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