Die professionellen Firmenkäufer sind ein elitäres Grüppchen. Henry Kravis, Gründer der Private-Equity-Gesellschaft KKR, hat dem Metropolitan Museum in Manhattan so viel Geld gespendet, dass dort ein ganzer Flügel nach ihm benannt ist. David Bonderman, einer der Männer hinter der Beteiligungsfirma TPG, leistete sich für eine Party mal eben einen Privatauftritt der «Rolling Stones» der weltweit bekanntesten Band.

«Schwarzman-Bibliothek»

Kein Manager hat aber in den vergangenen Jahren derart seinen Reichtum zur Schau gestellt wie Blackstone-Mitgründer Stephen Schwarzman. Nicht genug, dass er seinen 60. Geburtstag im vergangenen Februar mit einem pompösen Fest mit 1500 Gästen feierte. Kurze Zeit später spendete er sagenhafte 100 Mio Dollar und sorgte somit dafür, dass die ehrwürdige New Yorker Zentralbibliothek künftig den Namen «Stephen A. Schwarzman Bibliothek» trägt.

Da spricht es Bände über den momentanen Zustand der Private-Equity-Branche, wenn so einer wie Schwarzman sich plötzlich ganz kleinlaut für seinen bisherigen aufwendigen Lebenswandel entschuldigt. «Ich wollte sicher nicht erreichen, zur Symbolfigur für die goldene Ära der Finanzinvestoren zu werden», sagte der heute 61-Jährige vor wenigen Tagen auf einer Konferenz in New York.

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Verschobene Börsengänge

Die weltweit schlimmste Finanzkrise seit der grossen Depression der 30er Jahre hat die Branche heftig angeschlagen. KKR, dessen Firmengründer Kravis vor genau 20 Jahren mit dem Kauf des Nahrungsmittelriesen RJR Nabisco die Branche erfand, musste vor zwei Wochen seinen angemeldeten Börsengang verschieben. Blackstone vermeldete Anfang Monat enttäuschende Quartalszahlen und muss seit Monaten zusehen, wie ihr Aktienkurs immer weiter fällt. Seit dem Börsengang 2007 um mittlerweile 70%.

Es brechen neue Zeiten an für die Firmenkäufer. Noch vor wenigen Monaten verbrachten die Edelmanager einen Grossteil ihrer Zeit damit, von einer Stadt in die nächste zu reisen, dort die Bücher von Übernahmekandidaten zu prüfen und teils riesige Konzerne von der Börse zu kaufen. So wie den texanischen Stromversorger TXU, für den KKR und TPG 45 Mrd Dollar ausgaben.

Nun verbringen die meisten Private-Equity-Manager 90% ihrer Zeit damit, die von ihnen gekauften Firmen auf Vordermann zu bringen. Es gilt, neue Abnehmer für die Produkte zu finden, wenn bisherige Kunden wegbrechen und noch strenger sparen als früher.

In den USA sind sogar schon mehrere Firmen Pleite gegangen, hinter denen Private-Equity-Investoren stehen. Die Heimausstattungskette Linensn Things musste Bankrott anmelden, ebenso die Bekleidungsfirma Steve & Barrys. Die «New York Times» zitierte vergangene Woche Branchenbeobachter, die ein ähnliches Schicksal auch für weit grössere Unternehmen erwarten. In Gefahr seien die weltweit aktive Kasinokette Harrahs und GMAC, der vom Autoriesen General Motors abgespaltene Finanzierungsarm. «Für die Beteiligungsfirmen beginnt gerade eine schmerzhafte Phase», so Josh Lerner, Professor an der Harvard Business School.

Anleger machen sich rar

Im Fall von Linensn Things und Steve & Barrys verlängerten die Banken die Darlehen nicht mehr – aus Panik, ihr Geld nie wiederzusehen, sollte sich die Lage der Firmen verschlechtern.

Die Beziehungen zu den Banken sind also ein weiterer Bereich, um den sich die Private-Equity-Manager nun kümmern müssen. Es wird darüber verhandelt, zu welchen Konditionen die Portefeuillegesellschaften wie viel Geld zurückzahlen und ob der Zins reduziert oder zeitlich gestreckt gezahlt werden kann. Allerdings komme es in der Regel zu einer Einigung zwischen Firmenkäufer und Bank. Schliesslich ist es nicht im Interesse der finanzierenden Banken, dass die Firmen in Insolvenz gehen müssen. Denn dann haben sie erst recht Schwierigkeiten, ihr Geld zurückzubekommen.

Vom Verhandlungsgeschick der Manager hängt nun aber nicht nur die Zukunft der gekauften Firmen ab, sondern auch die der Fondsgesellschaften selbst. In der schwierigen Marktlage haben einige von ihnen Probleme, Investoren für neue Fonds zu gewinnen. Denn ein paar wichtige Geldgeber, von der Universität Harvard bis zu grossen US-Pensionskassen, wollen die Summen zurückfahren, die sie bislang in die Fonds der Firmenkäufer gesteckt haben.

Harvard etwa soll sogar nach Interessenten suchen, um schon getätigte Investitionen in Fonds weiterzuverkaufen. Die Folge dieses gesunkenen Interesses der Geldgeber: Unter anderen musste ausgerechnet Stephen Schwarzmans Firma Blackstone vor kurzem ankündigen, ihr ehrgeiziges Ziel für den nächsten Übernahmefonds zurückzuschrauben. Die zuvor angestrebte Grösse von 20 Mrd Dollar sei angesichts des Marktumfelds wohl zu hoch gesteckt. Schwarzman selbst trat vor wenigen Tagen trotzdem schon wieder selbstbewusst auf.

«Verhasster Wallstreet-Titan»

Bei einer Investorentagung in Kanada sagte er kürzlich, dies sei eine «wunderbare, wunderbare» Zeit, ein Firmenkäufer zu sein ? schliesslich seien viele Unternehmen besonders preiswert zu haben. Schwarzman könnte demnächst wieder zum Mann der Superlative werden: Das britische Wirtschaftsmagazin «Economist» urteilte, mit dieser Aussage habe er sich in den Augen der breiten Öffentlichkeit wohl den Titel «meistgehasster Wallstreet-Titan» verdient.