Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat dieser Tage die Kreditwürdigkeit Italiens ­heruntergestuft. Eskaliert jetzt die Eurokrise?

Alex Hinder:
Die Herabstufung ist ein weiteres Warnsignal dafür, dass sich die Schuldenkrise in Europa weiter verschärft. Die Politik hat bis jetzt kein griffiges Rezept gegen die Krise gefunden.

Kommt es zu weiteren Rückstufungen von verschuldeten Staaten in Europa?

Im Moment sind meines Wissens keine weiteren Herabstufungen von Staaten pendent. Die Bewertung von Griechenland und Portugal befindet sich bereits im Ramschanleihen-Bereich. Ich rechne damit, dass in den kommenden Wochen vermehrt Finanzinstitute von südeuropäischen Ländern von Rückstufungen betroffen sein könnten. Je länger die Krise dauert, desto mehr steigt die Gefahr von weiteren Herabstufungen.

Welches wäre die beste Lösung für die Schuldenkrise?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Eurobonds durchsetzen werden. Deutschland lehnt dieses Instrument ab. Es wäre von Anfang an am besten gewesen, wenn Griechenland seinem Schicksal überlassen worden wäre.

Warum?

Die Banken haben mit alarmis­tischen Meinungen von Beginn weg die Politiker ins Boot geholt. Diese Taktik ist aufgegangen. Die Verluste, welche die Banken gemacht haben, trägt nun die ­Europäische Zentralbank und am Ende der Steuerzahler.

Welche Strategie empfehlen Sie Anlegern in diesen turbulenten Zeiten?

Die Märkte dürften sich weiter abschwächen. Es lohnt sich deshalb, möglichst viele flüssige Mittel aufzubauen. Wir halten in den Portefeuilles zwischen 30 und 50 Prozent Cash und kurzfristige Obligationen. Die Aktienpositionen ­haben wir sehr stark gesenkt. Wir haben nur noch in Europa, den USA und der Schweiz kleine Engagements.

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Wie wird sich der Schweizer Aktienmarkt im Vergleich entwickeln?

Es hängt stark vom Euro-Kurs ab. Solange der Kurs bei 1.20 Franken bleibt, wird sich der Schweizer Markt besser halten als andere Aktienmärkte. Wenn die Schweizerische Nationalbank den Kurs nicht halten kann, dürfte der Swiss ­Market Index aber auch wieder überdurchschnittlich verlieren.

Warum sind Sie nicht in Schwellenländermärkten investiert?

Im Moment bin ich nicht positiv gestimmt. Der Grund liegt vor allem darin, dass viele Schwellenländer wie etwa China sehr stark von den Exporten in die Industrieländer abhängig sind.

Ist es angesichts der drohenden Inflation nicht problematisch, so viel Cash zu halten?

Vorderhand besteht aufgrund der schwachen Konjunkturlage und der ­hohen Arbeitslosigkeit noch keine Infla­tionsgefahr. Wir kommen jetzt in eine Phase schwächeren Wirtschaftswachstums. Die Gewinne der Unternehmen werden bescheiden ausfallen und die Banken brauchen viel neues Eigenkapital. Mittelfristig wird Inflation aber wieder zum Thema werden.

Was halten Sie von den Empfehlungen ­vieler Banken, in diesen Zeiten auf Aktien mit hohen Dividendenrenditen ­zu setzen?

Das ist reines Marketing. Län­gerfristig sind Dividendenaktien sicher sinnvoll. Kurzfristig haben die Aktien aber keinen Schutz geboten. Was nützt eine hohe Dividende, wenn die Kurse ­fallen?

Worauf können Anleger noch setzen?

Auf einen steigenden Dollar zu spekulieren. Mit den Turbulenzen an den Märkten haben Euro und Franken an ­Attraktivität verloren. Und die Amerikaner bringen ihr Geld zurück in die Heimat. Ich bin längerfristig positiv gestimmt für die USA. Das Budgetproblem wird nicht mehr so gross sein, wenn die zwei Kriege im Mittleren Osten beendet werden. ­Zudem bin ich zuversichtlich für die ­Entwicklung der US-Wirtschaft.