Der jüngste Kurssprung der ABB-Aktie freut nicht nur das breite Publikum. Auch die Führung des Industriekonzerns hat dank dem Zugewinn an der Börse kräftig Kasse gemacht.

So jenes exekutive Verwaltungsratsmitglied – in Frage käme VR-Präsident Hubertus von Grünberg –, das am 25. April eine Verkaufsorder im Wert von über 281000 Fr. durchgab. Kurz zuvor hatte der Titel dank exzellenten Zahlen um 9% zugelegt. Interessant: Anfang Monat hatte ABB einzelnen Führungsmitgliedern im Rahmen eines Anreizplans noch knapp 500 000 Aktien zu einem Kurs von 27.64 Fr. zugeteilt. Inzwischen ist das Papier fast 32 Fr. wert, was einer Steigerung um mehr als 10% innert weniger Wochen entspricht.

UBS-Titel für 5 Millionen Franken

So lohnend der Verkauf für das ABB-Kader gewesen ist: Über die letzten Monate war diese Transaktionsrichtung bei den Managern von kotierten Schweizer Unternehmen eher die Ausnahme. Denn wie die von der SWX Swiss Exchange erfassten Management-transaktionen aufzeigen (siehe Link am Textende), haben die Firmenführer seit dem Januar mehrheitlich Aktien des «eigenen» Unternehmens zugekauft.

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Gerade im Januar und im März überwiegen die Käufe seitens der Manager deutlich (siehe Grafik). Die Führungsriegen handelten somit konträr zum Gesamtmarkt, wo das von Panik erfasste Publikum Firmenpapiere in rauen Mengen abstiess. Besonders augenfällig öffnet sich diese Kluft im Falle der UBS. Dass die Aktie der Grossbank im 1. Quartal zu den schlechtesten Performern am Swiss Performance Index (SPI) zählte, hat einzelne nicht exekutive Verwaltungsratsmitglieder offenbar nicht beirren können. Sie haben allein im Februar für rund 3 Mio Fr. Aktien erstanden. Ein weiterer grosser Brocken von 2,4 Mio Fr. folgte am 14. März. Obwohl diese Käufe das Blatt für die UBS an der Börse nicht wenden konnten, sind sie doch ein positives Signal. Denn die Manager müssen ihre Firma zwangsläufig viel genauer kennen als jeder Analyst. Nicht von ungefähr gelten sie deshalb weitherum als die besten «Insider» bezüglich der Gewinnchancen einer Aktie.

Die Gewichtung in der jüngsten Transaktionswelle – 722 einzelne Bewegungen wurden seit Jahresbeginn registriert – ist denn für Marktbeobachter auch leicht nachvollziehbar. «Es erstaunt mich nicht, dass die Manager derzeit so handeln», sagt Christoph Riniker, Aktienstratege bei der Bank Julius Bär. Denn diese hätten erkannt, dass die Märkte gegenwärtig attraktiv bewertet sind. Und wenn die Top-Kader zukaufen, schauen auch Profis wie Riniker genau hin. Verschiedene Studien haben nämlich bewiesen, dass nach Insider-zukäufen der Aktienkurs einer Gesellschaft tendenziell steigt. «Als Indikator sind die Insidertransaktionen durchaus tauglich und werden auch mit Erfolg angewandt», so der Bär-Stratege.

Bewegung bei Bank-Boutiquen

Wenig hilfreich als Wegweiser sind dagegen Verkaufstransaktionen von Insidern. Ihnen folgt nur selten ein herber Kursverlust. Denn meistens nehmen die Manager einfach Gewinne mit. Oder liquidieren die Positionen, weil sie das Geld – die Aktien sind ja meist Lohnbestandteil – privat benötigen.

In den letzten Monaten mit grösseren Zukäufen aufgefallen sind vorab die Manager von BlueChip-Unternehmungen. So hat nicht nur der Führungsreigen der UBS, sondern auch jener des Uhrenherstellers Swatch und des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé wiederholt Aktien der eigenen Unternehmung erworben. Ebenfalls auffällig sind die Käufe bei kleineren und etwas weniger von der Kreditkrise zerzausten Banktiteln: So bei Sarasin, Valartis oder bei Bellevue Group (der ehemaligen Swissfirst), wo ein exekutives Verwaltungsratsmitglied für fast 2,5 Mio Fr. Aktien erstand. Bewegungen gab es schliesslich auch im Gesundheitssektor, allen voran beim Medtech-Konzern Straumann. Und wie nun die 1.-Quartals-Umsätze zeigen, geben die Zahlen den Insidern Recht.

Focus-Debakel umschifft

Die meisten Verkäufe fielen dagegen auf den Industriesektor. Ins Auge springen die Transaktionen mit Aktien der Börsenlieblinge Burckhardt Compression und Schulthess. Mindestens grosses Glück hatte dabei ein nicht exekutives VR-Mitglied von Schulthess: Noch vor dem schweren Kurszerfall nach den Zwangsverkäufen des Hedge-Investors Focus Capital im Februar konnte es 20 000 Aktien zu einem Kurs von 126 Fr. verkaufen – um dann im März wieder 50000 Aktien zu 65 Fr. zuzukaufen.

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