Am 17. November 2009 hat das lange Warten ein Ende: Einen ganzen Tag lang stellt das Management um CEO Oswald Grübel den Investoren die Strategie der Grossbank vor. Nach den enttäuschenden Quartalszahlen muss Grübel detailliert aufzeigen, wie die Bank in den nächsten Monaten die Kurve kriegen und auf einen Wachstumskurs einschwenken will.

Die UBS werde herausstreichen, dass es Zeit und Investitionen in Mitarbeiter brauchen wird, um den Abfluss an Kundengeldern zu stoppen, kommentiert Helvea-Analyst Peter Thorne. Kostensparmassnahmen alleine reichten nicht aus.

Nächsten Dienstag werden am Investorentag der UBS unter anderem die Strategien der einzelnen Unternehmensbereiche präsentiert. Zudem erwartet Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), dass die Bank neue Finanzziele kommunizieren wird. Vontobel-Analystin Teresa Nielsen rechnet damit, dass die Grossbank am Investorentag einen positiven Umstrukturierungsplan für die Division Wealth Management und Swiss Banking vorlegen wird. Spekuliert wird etwa auch, dass CEO Grübel die Synergien aus der Integration beziffern wird.

Viele Analysten erwarten, dass vom Investorentag insgesamt positive Impulse für die Aktien ausgehen werden. «Wenn die Erwartungen sehr hoch sind, gibt es dann aber meistens einen lauwarmen Empfang», sagt Venditti.

Erwartungen dämpfen

Grübel versucht seit seiner Ernennung zum UBS-Konzernchef im Februar 2009, die hohen Erwartungen zu dämpfen. «Es braucht mehr als ein paar Monate Zeit, denn es muss viel verändert werden», schrieb er kürzlich in einem internen Brief an die Mitarbeiter. Und: «Wir bauen eine neue Struktur und sind daran, Altlasten zu bereinigen. Wir müssen eine neuere, striktere Regulierung erfüllen und unsere Hauptgeschäfte neu ausrichten, das Investment-Banking und das Wealth Management.» In den nächsten Quartalen muss weiterhin mit Nettoabflüssen gerechnet werden, aufgrund von Abgängen weiterer Kundenberater, belastender Steuerdiskussionen, negativer Schlagzeilen und der schlechten Moral der Kundenberater. Laut Huw Van Steenis, Analyst von Morgan Stanley, dürfte die Grossbank weitere zwölf Monate benötigen, um die Abflüsse an Kundengeldern zu stoppen, auch wenn sich das Tempo langsam abschwächen sollte. Neben den Abflüssen an Kundengeldern fallen auch die tiefen Margen ins Gewicht.

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In der Investmentbank ist die Zeit der horrenden Abschreiber definitiv vorbei. Zentral ist jetzt die Neupositionierung der Sparte. Das Geschäft soll stärker auf die Kunden ausgerichtet werden und mehr mit den anderen Divisionen integriert werden. Die UBS ist zwar mit auf gutem Weg mit der Restrukturierung der Investmentbank, hinkt den Wettbewerbern aber noch immer deutlich hinterher. Im Konkurrenzvergleich weist die UBS in der Investmentbank die schwächsten Erträge aus.

Unbeliebte UBS-Aktien

Nielsen hat nach der Publikation der Quartalszahlen die UBS-Aktien von «Hold» auf «Buy» hochgestuft, bei einem Kursziel von 20 Fr. Die meisten Analysten sind dagegen skeptischer. Eine Aufstellung der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigt, dass die UBS-Titel in Sachen Kaufempfehlungen das Schlusslicht unter den europäischen Grossbanken bilden. Nur gerade 30% der Analysten empfehlen die Titel zum Kauf, während etwa doppelt so viele die Aktien der Credit Suisse auf die Kaufliste gesetzt haben.

Der Hauptgrund für die negative Einstufung sind die massiven Abflüsse an Kundengeldern. Viele Analysten glauben zwar daran, dass die Bank den Turnaround schaffen wird. Sie befürchten aber, dass es noch länger dauern wird, bis sich die Bemühungen auch für die Aktionäre auszahlen und der Aktienkurs davon nachhaltig beflügelt wird.

Obwohl die UBS-Aktien in den letzten Monaten schlechter abgeschnitten haben als die Titel von Konkurrenzbanken, weisen sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,5 die dritthöchste Bewertung unter den grossen europäischen Instituten auf. Zum Vergleich: Das KGV der Credit Suisse beträgt 9,15.