Während in Westeuropa die Renditen von Staatsanleihen in der Griechenland-Krise steil anstiegen, geben Länder, die früher als viel risikobehafteter eingeschätzt wurden, Staatspapiere mit den niedrigsten Raten aller Zeiten heraus. Russland, das seit dem Schuldenausfall 1998 zum ersten Mal wieder auf dem Markt auftaucht, emittierte kürzlich eine zehnjährige Anleihe mit einer Rendite von 5%. Ägypten begab eine zehnjährige Staatsanleihe mit 5,95%. Portugiesische Anleihen rentierten dagegen zwischenzeitlich mit 6,76%.

Geldflut treibt die Kurse

Während Anleger Staatsschulden entwickelter Länder meiden, investieren sie Rekordmengen in die Bonds von Entwicklungsländern. Zum Teil, um die Gewinne zu erhöhen, aber es handelt sich auch um eine kalkulierte Wette, dass die Wirtschaften dieser Länder stark bleiben werden. Die Geldflut in die Schwellenländer hat die Kurse nach oben getrieben - und die Renditen nach unten. Nach Meinung einiger Experten haben die Renditen bereits ein bedenkliches Niveau erreicht.

«Es kommen Bonds von Ländern auf den Markt, die sonst nicht in der Lage gewesen wären, Papiere zu emittieren - und das zu niedrigeren Spreads als sonst», sagt Matthew Ryan, Co-Manager des MFS Emerging Markets Debt Fund. In der Vergangenheit ging es Schwellenländern während Finanzkrisen schlechter als entwickelten Ländern. Aber das ändere sich, meint Keith Gardner, Chef der Schwellenländergruppe bei Western Asset Management. «Die Schwellenländerschulden sind nicht immun gegen eine weltweite Krise», so Gardner.

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Doch dank ihrer besseren fundamentalen Perspektive «sollten sie wesentlich besser abschneiden, als es bisher der Fall war».

Der Geldstrom in den Bondmarkt der Schwellenländer hat bereits eine Rekordhöhe von 24 Mrd Dollar erreicht. Bis Ende des Jahres könnten es 40 Mrd Dollar werden, schätzt Joyce Chang, Chefin Schwellenländer und Kredit-Research bei JP Morgan Chase. Ein Grund für das Überschäumen ist, dass - gemessen am Geld, das in die Märkte fliesst - nicht genügend Anleihen emittiert werden. Das Emissionsvolumen wird dieses Jahr etwa 69 Mrd Dollar erreichen. Wenn man den Ersatz aus fällig werdenden Bonds miteinbezieht, liege die Nettoneuemission nur bei 13 Mrd Dollar, schätzt JP Morgan. «Der Kreditbedarf der Schwellenländer ist sehr massvoll», so Chang. 2009 haben Investoren, die unzufrieden waren mit dem Ausblick für Schuldentitel entwickelter Länder, mehr Geld in Schwellenländermärkte investiert.

US-Pensionsfonds sind im Schnitt nur mit 2,1% in Schwellenländerschulden investiert. Das werde sich wohl ändern, so Chang. Anleger wurden auch von der höheren Kreditqualität angelockt. 2004 lag das durchschnittliche Rating für Länder im Emerging-Markets-Diversified-Global-Bond-Index von JP Morgan unter Investment-Grade. Dieses Jahr nähert es sich dem Investment-Grade an. Nun gibt es Anzeichen, dass Anleger nicht mehr so wählerisch sind. Heiss begehrt war etwa kürzlich eine ägyptische Anleihe in Höhe von 1 Mrd Dollar - und das trotz einer relativ hohen Staatsverschuldung und erheblichen sozialen und politischen Risiken aufgrund der bevorstehenden Wahlen.