Blickt man auf die Personenwagen-Verkaufszahlen 2008 in unseren Nachbarländern, dann kann man den Schweizer Markt als «Insel der Glückseligen» bezeichnen. Oder etwas nüchterner betrachtet: In der Schweiz wurden letztes Jahr 288525 Personen- und Geländewagen sowie Van neu in Verkehr gesetzt. Im Vorjahresvergleich ist dies ein Plus von 1,4%. In Deutschland hingegen reduzierten sich die PW-Verkäufe 2008 um 1,8%, in Italien um 13,7% und in Frankreich um 0,7%. Spanien verzeichnete ein Minus von sogar 28%. So betrachtet können die Schweizer Importeure und ihre Händlerorganisationen noch ganz zufrieden sein mit dem Autojahr 2008. Die Kauflust ist der Schweizer Kundschaft eindeutig noch nicht ganz abhanden gekommen.

Doch welche Marken standen denn 2008 im Mittelpunkt? Die Zunahmen und Abnahmen bei den Absatzzahlen hielten sich 2008 die Waage: 28 Marken verkauften mehr, 26 Marken mussten hingegen Absatzeinbussen in Kauf nehmen. Unter den Volumenmarken (mehr als 10000 Verkäufe) konnten insbesondere Fiat (+27%), Skoda (+24%) und Ford (+21%) deutlich zulegen. Aber auch «kleinere» Marken wie etwa Dacia (+79%), Lancia (+27%) oder Dodge (+23%) sind mit dem Autojahr 2008 recht zufrieden.

Nicht glücklich über den Ab-satz werden dagegen Porsche (-23%), Chevrolet (-22%), Land Rover (-20%), Alfa Romeo (-19%) und Kia (-17%) sein.

Solch starke Veränderungen haben unterschiedliche Gründe; zum einen können dies Lieferprobleme sein, indem man auf die beliebtesten Modelle längere Zeit warten muss. Ein Grund ist auch die bevorstehende Einführung neuer Modelle, die dazu führt, dass etliche Kundinnen und Kunden warten, bis das neue Modell erhältlich beziehungsweise zu besichtigen ist. Anderseits können aber auch die Importeure und ihre Händler die Kauflust steuern. Man denke etwa an spezielle Verkaufsaktionen mit Rabatten, Eintauschprämien oder attraktiven Leasingangeboten.

Anzeige

An Ideen mangelt es nicht

Überlegenswert wäre nach den Worten von Max Nötzli, Präsi- dent der Vereinigung der Schweizer Automobil-Importeure (auto-schweiz), eine Abwrackprämie in der Schweiz, wie sie in Deutschland, Frankreich und Italien bereits Tatsache wurde (siehe Interview auf Seite 44). Diese vorübergehende Massnahme könnte aus den Einnahmen aus der regulären Automobilsteuer - welche die Bundeskasse jährlich mit rund 300 Mio Fr. alimentiert - finanziert werden. Diese Prämie hätte zudem den nicht unerheblichen Effekt einer deutlichen Reduktion der Emissionen. Von den rund 4 Mio PW, welche in der Schweiz in Betrieb stehen, sind nämlich über 1,3 Mio Fahrzeuge zehn Jahre alt und älter.

Deutschland vor allen anderen

Ein Blick auf die Herkunft der neuen Personenwagen zeigt, dass deutsche Modelle auch 2008 den grössten Anteil ausmachten, nämlich 42% aller neu verkauften PW. Dann folgen die japanischen Marken mit einem Anteil von 21% und die Modelle aus Frankreich (13%). Am stärksten zugenommen haben die Einfuhren aus Tschechien (+24%), dies wegen der starken Verkaufssteigerung von Skoda.

Die «Kleinen» im Vormarsch

Die Absatzstatistik zeigt im Weiteren, dass vor allem sparsame, eher kleinere Modelle im Mittelpunkt des Kaufinteresses standen. Die Miniklasse weist ein Plus von knapp 27% auf rund 20500 Autos auf. Die Kleinwagen konnten sich mit 51500 Einheiten auf Vorjahresniveau halten. Rund ein Viertel aller Neuwagenverkäufe entfällt also auf die beiden untersten Hubraumklassen.

Diese Zahlen zeigen, dass Herr und Frau Schweizer auch ohne behördliche Eingriffe und einschränkende Vorschriften im Sinne des Klimaschutzes und der Energieeffizienz neue Autos kaufen. Das beliebteste Modell unter den «Kleinsten» war der Fiat 500, der mit fast 4900 Verkäufen klar an die Spitze der Hitliste stürmte, gefolgt vom Smart und dem Fiat Panda.

Audi Leader im Premiumsegment

Weniger gefragt waren die Modelle der Oberklasse (-13%) und der Spitzen- bzw. Luxusklasse (-9%). In Letzterer verteidigte die S-Klasse von Mercedes-Benz erneut klar die Spitzenposition vor dem Audi A8 und dem «Schwestermodell» Mercedes R-Klasse. Im Kampf um die Nummer-eins-Position im Premiumsegment teurer Limousinen eroberte Audi die Spitzenposition mit 2784 verkauften A6- und A8-Modellen, an zweiter Stelle folgt Mercedes-Benz mit 2511 verkauften Modellen der Klassen E, S, R, CL und CLS. Dritter im Bunde ist BMW mit 2126 verkauften Fahrzeugen der 5er, 6er und 7er-Reihe.

Bei den teuren und exklusiven Modellen mussten nicht alle Marken rückläufige Absatzzahlen hinnehmen, einige konnten auch kräftig zulegen. So verdoppelten sich die Verkäufe des Maserati Quattroporte. Vom Ferrari F430 wurde ein Viertel mehr verkauft. Und auch der Audi R8 sowie der Aston Martin Vantage konnten leicht zulegen.

Rückläufig - nämlich um rund 5% - waren die Neuverkäufe bei den Minivans und Vans. Allerdings muss hier differenziert werden: Die ganz kleinen Vans, die sogenannten Micro-Vans, weisen ein Plus von rund 10% auf 14550 Fahrzeuge aus. Von den Minivans (-10%) wurden rund 12500 Fahrzeuge und von den Vans (-11%) rund 17000 Einheiten neu in Verkehr gesetzt. Total ergibt das ein Volumen von 44000 Vans. Beliebtester Minivan war letztes Jahr der Honda Jazz, gefolgt von den Modellen Opel Meriva und Toyota Corolla Verso. Meistverkaufte Grossraumlimousine war erneut der VW Touran, gefolgt von Opel Zafira und VW T5.

Etwas mehr Geländewagen

Leicht zugenommen haben die Immatrikulationen von Geländewagen und SUV. Daran konnte auch die Stopp-Offroader-Initiative nichts ändern. Allerdings: Auch hier muss auf die Details geachtet werden. Die Verkäufe der echten Geländewagen mit Reduktionsgetriebe bildeten sich um knapp 8% auf rund 6000 Fahrzeuge zurück. Die Verkäufe der kompakteren und weniger schweren SUV legten dagegen um über 4% auf 32800 Einheiten zu.

Bei den echten Geländewagen verteidigte der Mercedes-Benz ML seine Spitzenposition vor dem Suzuki Grand Vitara und dem Range Rover. Beliebtester SUV war der VW Tiguan, der den vorjährigen Spitzenreiter Nissan Qashqai von der Spitze verdrängte. Dritter ist der Subaru Forester.

Etwas weniger Spass am Cabrio

Weniger gefragt war das «Oben-ohne-Fahren», reduzierten sich doch die Verkäufe von Cabriolets und Roadster um rund 20%. Das meistverkaufte Cabriolet war die offene Version der BMW-3er-Reihe, gefolgt vom Peugeot 207 und dem VW Eos.

Die für Handwerk und Kleingewerbe ideal einsetzbaren Multi-Use-Kombis oder Stadtlieferwagen waren erneut stark gefragt. Diesmal erhöhte sich deren Absatz um knapp 17% auf 4900 Einheiten. Hier erwies sich erneut der Renault Kangoo als beliebtestes Modell, vor dem Citröen Berlingo und dem VW Caddy.

Quattros werden leicht gebremst

Nachdem in den vergangenen fünf Jahren die Verkäufe von allradangetriebenen Fahrzeugen in der Schweiz stetig angestiegen sind, erfolgte 2008 ein Rückschlag. Insgesamt wurden rund 72000 Personenwagen, Geländewagen oder Vans mit vier angetriebenen Rädern verkauft, ein Minus gegenüber 2007 von rund 3%.

Zugenommen haben die Verkäufe von Neuwagen mit einem Dieselmotor. Insgesamt wurden 93500 Selbstzünder verkauft, das ist 1% mehr als im Jahr zuvor. Meistverkauftes PW-Modell mit Dieselmotor war der Skoda Octavia vor dem Audi A4 und dem VW Passat.

Weniger gefragt waren die Personenwagen mit einem alternativen Antrieb, also in erster Linie Fahrzeuge, die sowohl mit Benzin/Diesel und Gas wie auch elektrisch betrieben werden können. Von diesen Modellen wurden rund 5500 Einheiten verkauft, was einem Rückgang von über 12% entspricht.

Der Golf und einige andere

Seit über 30 Jahren schon steht der VW Golf an der Spitze der Rangliste der meistverkauften Modelle. Dies ist ein eindrücklicher Erfolgsausweis. Hinter dem Spitzenreiter gab es einige Veränderungen. So eroberte sich der Fiat 500 auf Anhieb Rang 8; und ebenfalls neu in den Top Ten ist der Audi A3.

Nicht mehr unter den zehn meistverkauften Typen figurieren die Opel-Modelle Corsa und Astra. Interessant ist die Tatsache, dass von den zehn meistverkauften PW-Modellen auf dem Schweizer Markt nicht weniger als deren sieben aus dem Volkswagen-Konzern stammen. Die Wolfsburger treffen also die Vorlieben der Schweizer Kundschaft in Sachen attraktiver Modelle klar am besten.

In der Rangliste der meistverkauften Marken ergaben sich ebenfalls einige Veränderungen. So gelang es Audi, Rivale BMW zu überholen, die Ingolstädter liegen nun auf Rang 3. Drei Ränge nach vorne rückte zudem Ford. Fiat machte zwei Plätze gut; Peugeot rutschte um vier Ränge und Toyota um zwei Positionen nach hinten.

Letztes Jahr vereinigten die zehn führenden Anbieter auf dem Schweizer Markt einen gesamten Marktanteil von unverändert 59%. Oder anders formuliert: Auf die restlichen 44 in der Schweiz vertretenen Marken entfallen noch 41% des gesamten PW-Marktes.

Verhaltener Optimismus für 2009

Wie sich die PW-Verkäufe im laufenden Jahr entwickeln, ist derzeit kaum verlässlich zu prognostizieren. Zu ungewiss sind die Chancen auf eine Erholung der Weltwirtschaft. Die meisten Importeure - dies geht aus der «Handelszeitung»-Umfrage hervor - rechnen mit etwa 265000 bis 270000 Personenwagen-Neuzulassungen. Dies würde einem Rückgang von etwas über 6% entsprechen.