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Börseninterview
«Die Korrekturen hinterlassen Spuren an den Aktienmärkten»

Boerse
Börsenkurse: derzeit mehr Bewegung in den Indizes als auch schon. Quelle: Getty Image

Die Volatilität der vergangenen Wochen hat Folgen, beobachtet Börsenanalyst Mario Geniale. Für den Schweizer Markt erwartet er Positives.

Von Marc Bürgi
am 23.02.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Mario Geniale*: Die Finanzmärkte haben einen turbulenten Jahresbeginn hinter sich. Der Dow-Jones-Index hat das erste Mal seit November 2017 unter der 24’000er Marke gehandelt. Auch der Volatilitätsindex, sprich der Nervositäts-Barometer der Börse, ist wieder angestiegen. Die Investoren haben wie schon lange nicht mehr Tagesveränderung von über 4 Prozent erlebt. In der Zwischenzeit scheinen die Märkte die Verkaufswelle bereits wieder verkraftet zu haben. Dennoch müssten die schwachen Börsentage und die hohe Volatilität in das Holz der Investoren eine Kerbe geschlagen haben. Viele Investoren wurden durch die Schnelligkeit der Kursrückschläge überrascht und sind verunsichert. Dies wird die möglichen kommenden Euphorie-Wellen in den nächsten Monaten dämpfen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Korrekturen der letzten Tage haben an den Aktienmärkten ihre Spuren hinterlassen haben. Die Verunsicherung der Anleger hat zum Beispiel die Anzahl der umgesetzten Optionsabsicherungen im Markt auf den höchsten Stand seit 2011 ansteigen lassen. Der Schweizer Aktienmarkt wird kurzfristig wohl keine neuen Höchststände erreichen. Der SMI wird sich allerdings erholen und wieder in den positiven Bereich zurückkehren. In den nächsten Monaten erwarten wir eine Seitwärtsentwicklung in einer Brandbreite von 8800 bis 9300 Punkten.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Trotz Kursrückschlägen bleiben wir für den Schweizer Markt positiv. Lokale Unternehmen, insbesondere KMUs werden vom günstigeren Schweizer Franken gegenüber dem Euro profitieren. Der SMI wird sich innerhalb der nächsten 12 Monaten im einstelligen positiven Bereich entwickeln.

Die Schweizer Exporte sind zu Jahresbeginn gesunken. Erwarten Sie ein gutes Jahr für die Schweizer Exportindustrie?
Die Voraussetzungen für ein positives Jahr für die Schweizer Exportindustrie sind nach wie vor intakt. Die aufgehellte Konjunkturlage weltweit und die Abschwächung des Schweizer Frankens dürften die Nachfrage nach Schweizer Gütern und Dienstleistungen weiterhin stützen. Im Januar zeigen die Exportdaten gegenüber dem Vormonat einen Rückgang von nominal 4,2 Prozent. Wird jedoch das Volumen gegenüber Vorjahr betrachtet, resultiert eine Zunahme von nominal 3,2 Prozent. Ausserdem stellen die Januarzahlen das zweithöchste monatliche Ergebnis dar, was den positiven Trend der vergangenen Monate bestätigt. Insbesondere Uhrenexporte haben dank der starken Nachfrage aus China deutlich zugenommen. Die Talsohle für die Uhrenbranche scheint nun definitiv durchschritten zu sein, wovon Konzerne wie Swatch und Richemont profitieren dürften.

Italien wird im März eine neue Regierung wählen. Könnte der Aufschwung in der Euro-Zone durch die Wahlen ins Stocken geraten?
Die Parlamentswahl in Italien könnte im Finanzjahr 2018 tatsächlich ein Stolperstein sein.
Eine politische Pattsituation in Rom oder ein Vormarsch der EU-Gegner ist denkbar. Die letzten Umfragen zeigen, dass circa 28 Prozent der Befragten die populistische Partei MoVimento Cinque Stelle um Beppe Grillo wählen würden. Diese 28 Prozent Stimmen plus die ungefähr 13 Prozent Stimmen für die zweite eurokritische Partei Lega Nord zeigen eine Tendenz zur Euroskepsis. Die Wahl am 4. März könnte durchaus kurzfristig etwas Volatilität in die Märkte bringen.

Im Sommer findet die Fussball-Weltmeisterschaft in Russland statt. Wie können Anleger von solchen Sportveranstaltungen profitieren?
Eigentlich müssten Unternehmen wir Nike, Adidas und Co. von diesem Grossevent profitieren, doch die Aktienmärkte haben solche Erwartungen bereits absorbiert. Spannend ist, man erkennt ein klares historisches Muster der Überperformance beim Land des Siegerteams in den Wochen nach dem WM- Finale. Im Durchschnitt übertraf in der Vergangenheit der Sieger im ersten Monat den Weltmarkt um 3,5 Prozent. Folglich könnte sich der dynamischere Anleger durchaus überlegen, kurzfristig in die Aktien des Siegerlandes einzusteigen. Aber nur kurzfristig, denn die Outperformance liess in der Vergangenheit nach drei Monaten deutlich nach.

Megatrends wie die demographische Alterung, der Klimawandel oder die Digitalisierung werden die Weltwirtschaft verändern. Gibt es Strategien, wie sich Anleger darauf einstellen können?
Diese Megatrends sind sehr spannende Anlagethemen. Im Moment bevorzugen wir das Thema künstliche Intelligenz. Dieser Markt bietet enorme Möglichkeiten. Erwartet wird, dass er von 643,7 MIllionen US-Dollar im Jahr 2016 auf 36,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 anwachsen wird. Dabei geht es nicht nur um Robotik. Interessant sind auch die Anlagemöglichkeiten im Bereich demographische Entwicklung. Die Menschen werden immer älter und die Gesellschaft ist gezwungen sich anzupassen. Investitionen in Medizinprodukte und Technologien sind deshalb sehr attraktive Anlagen. Ich empfehle diese Themen mithilfe von Fonds oder ETFs zu replizieren, um breit diversifiziert zu sein. Einzeltitel in diesen Bereichen sind hingegen schwierig zu analysieren und können grössere Risiken bergen. 

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Mario_Geniale_BanqueCIC_Boerseninterview
*Mario Geniale ist Chief Investment Officer der Banque CIC (Suisse).
Quelle: ZVG