Auf dem G8-Gipfel im Juni wollen sich die Vertreter der grossen Wirtschaftsmächte der gegenwärtigen Nahrungsmittelkrise annehmen. Was sollen sie tun? Nahrungsmittelhilfe ist nur eine kurzfristige Lösung, die Länder müssen sich auf die Ausweitung des Angebots konzentrieren. Das bedeutet effiziente und nahrungsmittelfreundliche Handelspolitik rund um den Globus. Doch davon sind wir nicht nur meilenweit entfernt, wir bewegen uns auch noch in die falsche Richtung. In den Entwicklungsländern etwa verhindern verstärkte Exportbeschränkungen für Nahrungsmittel eine langfristige Lösung, auch wenn Importschranken fallen. Jedes Land will seinen heimischen Nachschub sichern. Doch durch die künstliche Verbilligung der Preise senden Exportbeschränkungen falsche Signale an die heimischen Farmer, die dadurch nicht den auf dem Weltmarkt möglichen Preis erzielen können. Das vergrössert das Ungleichgewicht und hemmt Initiativen zur Sicherung eines langfristigen Nachschubs.

Ohne kollektive Vereinbarungen zur Aufhebung der Beschränkungen wird es den Armen dieser Welt noch schlechter gehen. Industrieländer sollten alles unterlassen, was die Nahrungsmittelproduktion zugunsten von Biotreibstoffen einschränkt. Die Entwicklungsländer sollten dagegen ihre Exportbeschränkungen aufheben und zulassen, dass die Marktkräfte die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten anschieben. In der derzeit laufenden Doha-Runde stehen die politisch Hauptschuldigen – Fördermittel für Biotreibstoffe und Exportbeschränkungen – gar nicht im Zentrum der Debatte. Dabei bietet die Nahrungsmittelkrise eine Win-win-Chance: Alle könnten sich auf eine Politik verständigen, die Handel und Effizienz fördert und die Verwundbarkeit der Ärmsten in der Weit reduziert. Die Anführer dieser Welt müssten diese Chance nur nutzen.