Zwar veröffentlicht Geberit die Gewinnzahlen fürs abgelaufene Geschäftsjahr 2009 erst am 11. März. Doch eins scheint heute schon festzustehen: Der Hersteller von Sanitär- und Rohrleitungssystemen aus Jona dürfte nicht zu den Verlierern der Krise zählen.

Wie der Erfinder von eingemauerten Spülbecken, der Spülstopptaste und der Zweimengenspülung für Toiletten ausgerechnet von der Flaute im Wohnungsbau profitieren konnte, erklärt Martin Hüsler. «Firmen wie Geberit, deren Qualitätsprodukte im Hochpreissegment angesiedelt sind, gewinnen in einem schwierigen Umfeld Marktanteile», sagt der Analyst der Zürcher Kantonalbank.

Besonders in unsicheren Zeiten würden Kunden auf die Technik von Geberit setzen, weil diese ihnen Innovation, Sicherheit und Qualität verspreche, sagt Hüsler. Nach Aussage des Experten profitiert Geberit als Marktführer auch davon, dass viele kleinere Konkurrenten zum Teil finanziell angeschlagen sind, was die Nachfrage nach Geberit-Produkten erhöht.

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Rekordverdächtige Marge

Ein doppelter Vorteil für Geberit: So kann die Firma ihren Marktanteil ausbauen, ohne die Preise senken zu müssen. Eine Folge davon ist eine Ebitda-Marge in der Höhe von rund 28%, die Geberit-CEO Albert Baehny den Analysten für 2009 in Aussicht stellt.

Doch auch an Geberit ist die Krise nicht völlig spurlos vorübergegangen. Wie vorab veröffentlichte Zahlen zeigen, ist der Konzernumsatz 2009 um 11,2% auf rund 2,2 Mrd Fr. geschrumpft. In Lokalwährungen ist der Rückgang mit 6,5% etwas moderater ausgefallen. Die Umsätze in Spanien und Portugal sind wegen der dortigen Baukrise um über einen Viertel eingebrochen. In Osteuropa und den USA beliefen sich die Rückgänge auf 18,5 respektive 15,1%.

In der Schweiz fiel der Umsatzrückgang mit 3,7% vergleichsweise gering aus. Im wichtigsten Markt Deutschland, welcher für etwa 34% der Gruppenumsätze verantwortlich ist, konnte der Umsatz auf Vorjahresniveau gehalten werden. Solide Finanzen - Geberits Eigenkapitalquote beträgt über 60%, Martin Hüsler schätzt die Nettoliquidität auf rund 300 Mio Fr. - haben verhindert, dass Geberit, anders als die teilweise hochverschuldeten Mitbewerber, dort den Rotstift ansetzen musste, wo es wirklich wehtut: Bei der Schulung von Installateuren. Dieser erfolgreichen Kundenbindungsmassnahme und wirksamen Eintrittshürde für Konkurrenten verdankt Geberit zum grossen Teil ihre führende Marktstellung in Europa.

Aktienkurs nahezu verdoppelt

Trotz einer spürbaren Erholung im 4. Quartal 2009 und guter Aussichten fürs 1. Quartal 2010 rechnet Baehny für das laufende Geschäftsjahr mit konjunkturellem Gegenwind. Eine nachhaltige Erholung erwartet er erst 2011. Die langfristige Wachstumsstrategie sieht weiterhin vor, organisch 4 bis 6% pro Jahr zu wachsen.

Im Hinblick auf Akquisitionen zeigt sich Geberit zurückhaltend. Übernahmen werden nur getätigt, wenn eine neue Technologie güns- tig zu haben ist. Dennoch sind Innovationen wichtig für Geberit. Rund ein Drittel des Umsatzes soll mit Produkten erwirtschaftet werden, die kürzer als drei Jahre auf dem Markt sind. Die Forschung und Entwicklung kostet Geberit jährlich rund 50 Mio Fr.

Erst Ausschüttungen abwarten

Die Aktionäre lässt Geberit an ihrem Erfolg teilhaben. Seit vergangenem März zeigt der Kurs der Geberit-Aktie stetig nach oben, und selbst die aktuelle Korrekturphase hat der Titel bisher ohne nennenswerte Einbussen überstanden. Wer vor einem Jahr gekauft hat, könnte heute mit einem satten Kursgewinn von über 90% verkaufen. Analysten raten jedoch vor Gewinnmitnahmen bei Geberit ab: Schliesslich hat Albert Baehny im Vorfeld kommuniziert, an der attraktiven Dividendenpolitik der früheren Jahre festhalten zu wollen.