ALBERT BAEHNY. Bei Geberit herrschen ja Zustände wie in einem Familienunternehmen.

Albert Baehny:

Wie meinen Sie das?

Geberit hat einen Netto-Cash-Bestand von 50 Mio Fr. und eine Eigenkapitalquote nahe 60%. Was machen Sie damit?

Baehny: Geberit ist ein gesundes Unternehmen. Was wir damit vorhaben, können wir heute noch nicht abschliessend sagen. Wir erörtern derzeit drei Möglichkeiten: Akquisitionen, ein Aktienrückkaufprogramm oder eine Kombination.

Die Preise für Unternehmen sind nach wie vor sehr hoch.

Baehny: Wenn ich Ihnen jetzt eine klare Antwort gebe, dann beginnt die Börse zu spekulieren. Das wollen wir nicht.

Sie haben also bereits Ihre Vorstellungen?

Baehny: Wir haben Vorstellungen, in welche Richtung es gehen könnte oder sogar sollte.

Welche Strategie fahren Sie? Soll Geberit zurück zu einer moderaten Nettoverschuldung?

Baehny: Geberit kann sich kurzfristig zwei extreme Szenarien erlauben. Wenn wir keine passenden Investitionsmöglichkeiten finden, dann können wir es uns erlauben, mit einem sehr tiefen oder gar negativen Verschuldungsgrad zu leben, allerdings nicht zu lange. Sollten wir aber Wege für Investitionen finden, dann ist ein Gearing von 130, 140% kein grosses Thema für uns. Wir sind überzeugt, dass wir uns das leisten können.

Sie klingen so, als ob Sie bereits konkrete Übernahmeziele vor Augen haben.Baehny: Ich verstehe Ihr Interesse. Aber ich muss konsequent bleiben. Ich möchte am Markt kein Öl ins Feuer giessen. Was ich sagen kann: Wir werden die bestmögliche Entscheidung für die Investoren und die Firma treffen.Geberit strebt eine anlegerfreundliche Bilanzoptimierung an. Gibt es konkrete Werte, die Sie anpeilen?

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Baehny: Nein, wir haben keine konkreten Werte, etwa beim Verschuldungsgrad, vor Augen. Alles hängt von den Investitionsmöglichkeiten ab.

Ein Pluspunkt der Geberit-Aktie ist der Gewinn pro Aktie. 2006 lag der Wert bei 8,90 Fr. Wird er 2007 zweistellig?

Baehny: Eine genaue Prognose dazu will ich heute nicht abgeben.

Es gibt Analysten, die nur einen einstelligen Betrag erwarten.

Baehny: Rein mathematisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich gross, dass der Gewinn pro Aktie für 2007 zweistellig ausfallen wird.

Die Performance der Geberit-Aktie ist 2007 im Vergleich zum Vorjahr enttäuschend. Sind die Kursverluste berechtigt?

Baehny: Nein, überhaupt nicht. Wir haben zwar mit einer Korrektur nach unten gerechnet, denn die Aktie hat binnen kurzer Zeit sehr stark zugelegt. Aber eine so scharfe Korrektur hat nichts mehr mit den Resultaten von Geberit zu tun.

Sondern?

Baehny: Ich kann Ihnen eine lange Liste von Gründen nennen. Wenn Sie Zeit haben, gehen wir sie durch.

Nennen Sie die Wichtigsten.

Baehny: Die Subprime-Krise in Nordamerika trifft den Bausektor. Weil Geberit, in diesem Fall leider, dazu gehört, reagieren die Investoren negativ. Dann haben zwei Unternehmen, Uponor und Wavin, eine Gewinnwarnung abgegeben. Die Analysten setzten die beiden Firmen mit Geberit gleich, was absoluter Unsinn ist, weil diese Firmen nur zu einem kleinen Teil direkte Konkurrenten sind. Ein weiterer Grund sind diejenigen Investoren, die mit anderen Titeln Geld verloren haben und nun Geberit-Aktien verkaufen mussten, um sich Liquidität zu beschaffen.

Also ist Geberit jetzt ein Kauf?

Baehny: Bei aller Bescheidenheit: Wir wurden für unseren Erfolg bestraft. Unsere 9-Monats-Ergebnisse sind nicht nur gut, sie sind ausgezeichnet.

Unter den gegebenen Umständen, ja.

Baehny: Nein, auch absolut betrachtet sind sie sehr gut. Eine Ebitda-Marge von über 26% – ich bitte Sie.

Dann hat der UBS-Analyst also Recht, wenn er zum Kauf rät?

Baehny: Absolut. Nicht nur die UBS, sondern die meisten Analysten raten dazu.

Und diejenigen, die von einem Kauf abraten, haben Unrecht?

Baehny: Ich respektiere die Meinung aller. Jeder muss selber wissen, wie er Geberit beurteilt.

Es bestehen durchaus Unsicherheiten bei der Entwicklung der Baukonjunktur.

Baehny: Natürlich. Aber wann gibt es ein Jahr ohne Unsicherheiten? Nie.

Nach Publikation der Ergebnisse zum 3. Quartal 2007 hat die Aktie etwas zugelegt. Sicher auch, weil Sie sich positiv zu den Aussichten auf dem Hauptmarkt Deutschland geäussert haben. Hier, wo Geberit 35% seines Umsatzes generiert, lag das Wachstum nach neun Monaten bei 10,1%. Können Sie dieses Niveau für das Gesamtjahr 2007 halten?

Baehny: Nein, das ist unmöglich. Der Basiseffekt im 4. Quartal 2007 ist zu hoch.

Ist ein Wert von 7 bis 8% realistisch?

Baehny: Relevant ist doch vielmehr das Umsatzwachstum der Geberit-Gruppe. 2007 wird der Umsatz rund 12% wachsen, daran halten wir fest. Es gibt Märkte, die so stark zulegen, dass sie eine Schwäche in Deutschland überkompensieren können.

Trotzdem können Sie den grossen Markt Deutschland 2007 nicht auffangen.

Baehny: Jein. Nehmen wir das 3. Quartal 2007. Deutschland schrumpfte um 5,2%, die Gruppe wuchs um 8% und die Margen sind deutlich gestiegen.

Wie wird sich der deutsche Markt 2008 entwickeln? Die Prognosen von Euroconstruct sind nicht sehr optimistisch.

Baehny: 2006 haben wir von Vorzieheffekten profitiert – per Anfang 2007 wurde die Mehrwertsteuer erhöht und die Eigenheimzulage gestrichen. Das hat zu einer Überhitzung geführt. 2007 spüren wir nun die Delle. Aber: In Deutschland gibt es ein riesiges Marktpotenzial, 10 Mio Wohnungen müssen dringend renoviert werden. Zudem werden 2007 rund 220000 Wohneinheiten neu gebaut, der Bedarf liegt aber bei 350000. Irgendwann werden die Deutschen ihre Hausaufgaben machen.

Wann?

Baehny: Das fragen die Analysten auch immer, doch ich weiss es nicht. Ohne arrogant auftreten zu wollen: Ob die Erholung im 1. oder 2. Quartal 2008 einsetzt, spielt für uns keine Rolle. Wir sind jederzeit bereit, davon zu profitieren. Sicher ist: Der Aufschwung wird zurückkommen.

Wird die Geberit-Gruppe 2008 zweistellig wachsen?

Baehny: Unsere mittelfristigen Ziele sind ein jährliches Umsatzwachstum von 4 bis 6% und eine Ebitda-Marge von 23 bis 25%. Wir überprüfen diese Korridore 2007.

2007 ist fast vorbei.

Baehny: Im 1. Quartal 2008 werden wir kommunizieren, ob wir die Ziele anpassen oder bestätigen. Sie kommen mit dieser Frage also etwas zu früh.

Ihre Wachstumsraten im ablaufenden Jahr deuten darauf hin, dass die aktuellen Zielkorridore ziemlich konservativ sind.

Baehny: Aufgrund der Ergebnisse der vergangenen Jahre haben Sie nicht Unrecht.

Mittelfristig könnte Geberit durchaus einen Umsatz von 4 bis 5 Mrd Fr. erreichen.

Baehny: Wenn wir weiterhin so wachsen, dann kommen wir irgendwann dahin.

Immer volatilere Rohwarenpreise könnten das Wachstum allerdings verlangsamen.

Baehny: Das ist richtig. Langfristige Prognosen machen allerdings keinen Sinn mehr. In den nächsten drei bis vier Monaten erwarten wir bei den Industriemetallen, die 55% unseres gesamten Rohwarenbedarfs abdecken, eher sinkende Preise.

Kunststoffe werden für Geberit zunehmend wichtig, weil Metalle durch Kunststoffe substituiert werden. Plastik wird allerdings stetig teurer.

Baehny: Ja, aber Gott sei Dank für alle.

Inwiefern können Sie die Mehrkosten auf die Kunden überwälzen?

Baehny: Im Schnitt erhöhen wir die Preise 2007 um 3 bis 3,5%, um die Rohwarenkosten zu kompensieren. Hinzu kommen Massnahmen wie Kostenmanagement und Innovationen.

Was haben Sie in der Innovationspipeline?

Baehny: 2008 lancieren wir vorerst in Eu-ropa eine Reihe von bedeutenden neuen Produkten im Bereich Sanitärsysteme.

Ab wann können die Kunden bestellen?

Baehny: Im 1. Quartal 2008. Erste Auswirkungen beim Bestellungseingang werden also am Ende des 1. Quartals sichtbar sein. Im 2. Quartal wird die Linie umsatzwirksam. Mehr kann ich heute aus Wettbewerbsgründen nicht sagen.

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