Die Rezession scheint sich dem Ende zu nähern, nicht aber ihre Auswirkungen auf die Arbeitsplätze. Mittlerweile haben Tausende Arbeitgeber in den USA die Löhne und Gehälter gekürzt, den Arbeitnehmerbeitrag zur Gesundheitsvorsorge erhöht oder ihren Beitrag zur Altersvorsorge reduziert.

Zwei Drittel der Grossunternehmen, die die Zuschüsse zur medizinischen Versorgung zurückgefahren haben, sagten auf Anfrage des Beratungsunternehmens Watson Wyatt, sie hätten nicht vor, diese wieder auf das Niveau von vor der Krise anzuheben. Was die Pensionszuschüsse betrifft, will weniger als die Hälfte der amerikanischen Unternehmen diese innerhalb eines Jahres wieder erhöhen, und 8% planen, dies gar nicht mehr zu tun.

Durch Veränderungen wie diese bekommt die Arbeitswelt in den USA ein völlig neues Gesicht. Die Unsicherheit wächst, da plötzlich klar ist, dass sich Zuwendungen vom Arbeitgeber auch verringern können, statt stetig zu wachsen. Es wird an den zwei Grundfesten der Arbeitswelt des späten 20. Jahrhunderts gerüttelt: Arbeitgeberzuschüsse zur Alters- und zur Gesundheitsvorsorge.

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Während der Kongress noch darum ringt, die Krankenversicherung auf mehr Amerikaner auszuweiten, und überlegt, grösseren Druck auf die Arbeitgeber auszu-üben, spüren immer mehr Unternehmen, dass sie da nicht mithalten können und Gesundheitsvorsorgepläne eventuell sogar ganz abschaffen müssen. Ein Grund: Auch wenn die Arbeitgeber einen geringeren Anteil der Gesundheitskosten übernehmen, steigen ihre Ausgaben doch rasant weiter - im Tempo der Behandlungskosten.

Verdoppelung der Ausgaben

Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern die Krankenversicherung bezahlen, geben nach Angaben der Unternehmensberatung Hewitt Associates in diesem Jahr durchschnittlich 6700 Dollar pro Arbeitnehmer aus, fast doppelt so viel wie 2001.

Einige Veränderungen im Verhältnis Arbeitgeber zu Arbeitnehmer haben sich im Laufe der vergangenen Jahre bereits angedeutet, doch durch die Krise wurden die Unternehmen extrem kostenbewusst und haben diese Entwicklungen beschleunigt. «Das ist eine völlig neue Ära», sagt David Lewin von der Anderson School of Management der Universität von Kalifornien. Er beschreibt die Arbeitgeber als «äusserst vorsichtig hinsichtlich langfristiger Verpflichtungen» wie Zuschüsse und Gehaltserhöhungen.

Grosse Arbeitgeber begannen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die Pensions- und Gesundheitsaufwendungen für ihre Angestellten zu schultern - nicht zuletzt deshalb, um gute Arbeitskräfte nicht zu verlieren. Dabei machten Grossunternehmen in der Stahl- und Autoindustrie den Anfang. Die entstehenden Kosten konnten sie auf die Kunden abwälzen, sagt Lewin. Als in den 1970er- und 1980er-Jahren zunehmender Konkurrenzdruck aus dem Ausland aufkam und Rezessionen die Nation belasteten, waren diese Unternehmen wiederum die Ersten, die zurückruderten.

Bei Ford bekommen Arbeiter, die nach 2003 fest angestellt wurden, keine Rente mehr, sondern das Unternehmen beteiligt sich an deren Pensionssparplänen. Die sogenannten 401(k)-Sparpläne ermöglichen es Arbeitnehmern, aus ihren laufenden Einkommen einen Teil steuerfrei zur Altersvorsorge abzuzweigen.

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Doch Ford hat seine Einzahlungen immer wieder unterbrochen, zuletzt am 1. Januar 2009. Insgesamt hat das Unternehmen in den vergangenen acht Jahren zweieinhalb Jahre lang eingezahlt. «Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich darauf baut», sagt der 49-jährige Ford-Manager Charles Lambreth. Ford sagt, man habe aus Gründen der Portabilität auf selbst gemanagte Konten umgestellt. Jüngere Angestellte «gehen nicht mehr davon aus, ihr ganzes Leben lang bei ein und demselben Arbeitgeber beschäftigt zu sein», sagt eine Ford-Sprecherin.

Die Methode von Ford

Im vorigen Jahr kappte Ford einen Gesundheitsplan, wie ihn auch Charles Lambreth für sich, seine Frau und die beiden Kinder abgeschlossen hatte. Nun muss jedes Familienmitglied 400 Dollar Selbstbeteiligung aufbringen, bevor die Versicherung einspringt. Und selbst dann entfallen bei den meisten Rechnungen 20% der Kosten auf die Familie. Auf diese Weise gelang es Ford, seine Kosten für die Gesundheitsvorsorge seiner US-Mitarbeiter von 1,3 Mrd Dollar im Jahr 2006 auf 800 Mio Dollar im vergangenen Jahr zu senken.

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Das Unternehmen betont, es biete viele unterschiedliche Gesundheitspläne für jeden Bedarf und habe die Ausgaben für die Vorsorge erhöht. Lambreth sagt, die Änderungen seien in der derzeit brutalen Lage für die Autohersteller unumgänglich, aber seine Einstellung zu seinem Arbeitgeber habe sich definitiv geändert. «Ich rechne nicht mehr damit, dass mich das Unternehmen schützt», sagt er.