Auch wenn die meisten Anleger den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman am 15. September 2008 und den Absturz an der Börse als unmittelbar aufeinanderfolgende Ereignisse im Gedächtnis haben, dauerte es noch zwei Wochen, bis die Kurse abschmierten. Dies dann jedoch mit ungeahnter Wucht: Aus der Finanzkrise drohte ein Systemkollaps und später eine grosse Depression zu werden. Weltweit stürzten nicht nur die Aktienmärkte ab, sondern auch Assets wie Rohstoffe, Bonds und Gold.

SMI auf 7000 Punkten

Inzwischen liegt der Swiss Market Index SMI aber wieder auf dem «Lehman»-Niveau. Die Mehrheit der kotierten Firmen hat beim letzten Quartalsergebnis die Erwartungen der Analysten übertroffen. Dennoch haben sich viele Dinge verändert. «Die Fundamentaldaten der Firmen verbessern sich, nachdem viele in diesem Jahr ihren Fokus auf Cash-Generierung und Restrukturierungen gelegt hatten», kommentieren die Analysten der UBS, «aber wir würden dennoch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung dämpfen.» Denn auch 2010 dürfte ein herausforderndes Jahr für die meisten Firmen im UBS-Anlageuniversum werden. «Wir erleben derzeit eine Liquiditätshausse - und die dürfte mindestens bis Jahresende weitergehen», diagnostizieren ihrerseits die Analysten von Exane. «Deshalb sehen wir auch sofort wieder Käufe, sobald die Aktienmärkte einmal ein, zwei schwache Tage haben», ergänzen die Analysten.

Liquidität und Skepsis sind eine gute Voraussetzung für stetig steigende Kurse. So haben die Analysten der Credit Suisse ihr Zwölfmonatsziel für den SMI auf 7000 Punkte von zuvor 6400 Punkten angehoben. Das entspricht einem Potenzial von 11%. Auch die wichtigsten Fundamentaldaten verweisen in diesem Herbst auf eine deutliche Veränderung gegenüber dem 4. Quartal 2008, das von Systemkollaps-Befürchtungen dominiert wurde:

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Wirtschaftswachstum: Die Schweiz sei eine Wette auf die globale Erholung, sagen die Analysten der Credit Suisse. Für dieses Jahr prognostizieren sie einen Rückgang des realen Bruttoinlandproduktes um 2%, deutlich weniger als in der Eurozone. Der Export soll 2010 wieder um 5% steigen.

Inflation: Unmittelbar vor der Krise drohte eine Preisspirale, auch weil die Rohölnotierungen auf Rekordkurs lagen. Nach Rückgängen unter die Nullgrenze aufgrund der Basiseffekte durch die zerfallenden Rohölpreise dürfte 2010 die Inflation um 0,4% liegen. Anzeichen für eine Hochinflationsphase - Argumente sind die weltweite Liquiditätsschwemme - sehen die Analysten nicht.

Währungen: Bemerkenswerterweise ist mit der Krise der Dollar gegenüber der «Safe Haven»-Währung Franken zunächst gestiegen. Erst mit den Befürchtungen um eine Hyperinflation fiel der «Greenback» wieder. Allerdings gab es bereits im Frühjahr 2008 eine kurze Phase, während deren der Franken gegenüber dem Dollar zu pari gehandelt wurde. Die Eingriffe der Schweizerischen Nationalbank SNB haben die Aufwertung vor allem gegenüber dem Euro eingedämmt.

Zinsen: Mit der Krise stiegen auch die in Anleihen-Coupons eingebauten Risikoaufschläge - allerdings vor allem aufgrund der Befürchtungen um die Pleite von Schuldnern. Auch wenn die Liborsätze jetzt noch bei 0,25% und damit am unteren Rand der Spanne von 0 bis 0,75% bleiben, scheint dies auf dem Hintergrund der inflationären Geldpolitik lediglich eine kurzfristige Phase zu sein. Diese dürfte sich ändern, wenn der inflationäre Druck zunimmt.

Einig ist man sich bei allen Beobachtern, dass 2010 kein einfaches Jahr sein wird. Die Kreditanalysten der UBS beispielsweise haben den Anteil der Schweizer Firmen, für die sie eine Verschlechterung der Kreditqualität befürchten, von 20 auf 25% angehoben. Bei Bobst, Clariant, Georg Fischer, Holcim, Lonza, Roche und Sika haben sie ihre Ratings oder den Ausblick reduziert. Mit wenigstens einem AA-Rating glänzen noch die Blue Chips Nestlé, Novartis und Roche. Eine gleich gute Bonität weisen auch lokal verwurzelte Firmen wie BKW aus.

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Attraktive Pharmawerte

Die Analysten der Credit Suisse favorisieren derzeit die Sektoren Pharma und Technologie (und dort insbesondere die Hersteller von Computer-Software und -Hardware). Mit Einschränkungen erscheinen auch Medienwerte sowie Hersteller von Konsumgütern und Halbleitern kaufenswert. Besonders abzuraten ist gemäss CS hingegen von dauerhaften Haushaltsgütern, Metall- und Minenwerten und Retailhandelsaktien. Ebenfalls skeptisch sind die Analysten bezüglich Immobilienaktien, der Autobranche und Transportvaloren.

Banken, Versicherungen, Energiewerte, Telekom-Netzbetreiber und Nahrungsmittelhersteller sind laut den Analysten angemessen bewertet.