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Die Liquidität ins Trockene bringen

Inflationsbereinigt ist Bargeld ein Verlustgeschäft. Wenn die Märkte verrückt spielen, nehmen das viele Investoren aber gerne in Kauf. In einigen Fällen bringt Cash aber auch Renditen. Wo die besten

Von Jorgos Brouzos
am 19.05.2010

An den Finanzmärkten kehrt die Angst zurück. Die Schuldenkrise hat den Börsen einen Dämpfer versetzt das lässt viele Anleger nach einem sicheren Hafen für ihr Vermögen suchen. So steigt etwa bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) die Nachfrage nach Edelmetall-Indexfonds und Rohstoffanlagen spürbar an. Auch bei der UBS sind derzeit Goldanlagen hoch im Kurs. Und vermehrt gesucht sind natürlich auch Bargeldanlagen. Aufgrund der unsicheren Marktlage und der damit verbundenen Volatilität meiden viele Privatanleger momentan risikoreiche Investments, so eine UBS-Sprecherin.

Cash ist für Anleger aber ein Verlustgeschäft. Zwar erhalten Sparer Zinsen, werden jedoch die inflationsbereinigten Realzinsen betrachtet, bleibt unter dem Strich kaum etwas im Sparstrumpf übrig. Auf Sicherheit bedachten Anlegern kommt jedoch entgegen, dass trotz der Milliardenspritzen für schwankende Staatshaushalte die Inflationsrate stabil bleibt. Sie ist zwar zuletzt leicht angestiegen, aber ein rasches Hochschnellen zeichnet sich nicht ab. Die Kerninflation der Produzenten- und Importpreise fiel auch im April deutlich negativ aus, schreiben die Experten der Credit Suisse. Auch unter Einbezug der Realzinsen bleibt, je nach Anlageform, derzeit etwas übrig.

Abflüsse bei Geldmarktfonds

Dabei hatten Anleger mit den steigenden Märkten zu Beginn des Jahres einen Teil ihrer Risikofreude wiederentdeckt. Das zeigen etwa die jüngsten Marktstatistiken zu den europäischen Fondsvermögen. Denn laut dem Fondsdaten-Anbieter Lipper haben in Europa die eher konservativen Geldmarktfonds im 1. Quartal Ausflüsse von 19 Mrd Euro verzeichnet.

Doch dass der Risikoappetit noch nicht vollends zurückgekehrt ist, verdeutlicht die Tatsache, dass bei Obligationenfonds die grössten Zuflüsse verzeichnet wurden.

Höhere Zinsen im Internet

Wer nun sein Geld kurzfristig vor den Marktturbulenzen schützen möchte, legt es wohl am ehesten auf einem Sparkonto an. Denn das Kapital ist rasch wieder verfügbar das entschädigt auch dafür, dass die Zinsen eher bescheiden sind.

Zwar versprach die isländische Online-Bank Kaupthing vor rund zwei Jahren, den Wettbewerb mit besonders hohen Zinsen von bis zu 5% zu beleben. Doch geriet die Bank rasch in Schieflage und mit ihr ging auch das attraktive Angebot in Rauch auf.

Auch heute finden sich jedoch im Internet die besten Angebote. Die Online-Bank Swissquote liegt mit dem dynamischen Sparkonto an der Spitze. Sparer erhalten dort momentan 1,53% (siehe Tabelle). Das scheint die Anleger zu überzeugen: Im 1. Quartal dieses Jahres konnte Swissquote die Anzahl Sparkunden um fast einen Drittel auf 10 000 erhöhen. Damit betrug die Zunahme gegenüber dem Vorjahr 220%. Der Sparzins von Swissquote schlägt auch das Angebot der Axa Bank von 1,4%. Beim elektronischen Depositokonto von PostFinance erhalten Kunden 1,25%. Vielerorts warten Anbieter von Zeit zu Zeit auch mit Angeboten zu Sonderkonditionen auf.

Kassenobligationen gefragt

Für Sparkonti und in eingeschränktem Mass auch für Depositkonti spricht, dass Investoren ihr Geld sehr schnell wieder abziehen können, sollte sich die Lage an den Aktienmärkten aufhellen.

Festgelder verfügen hingegen über einen längeren Anlagehorizont. Bei so mancher Bank gibt es für das Festgeldkonto bei kurzen Laufzeiten kaum mehr Zinsen. So muss man etwa bei der Credit Suisse 50 000 Fr. für mindestens zwölf Monate anlegen, um 0,25% Zins zu erhalten. Bei der Axa Bank werden Anleger bei einer Mindesteinlage von 5000 Fr. mit 0,7% vergütet. Damit liegt die Axa Bank mit diesem Angebot immer noch vor den Offerten der Bank Coop und der Migros Bank.

Die vorab im Kleinkreditgeschäft tätige GE Money Bank bietet ab einem Anlagebetrag von 5000 Fr. Kassenobligationen mit einem garantierten Zinssatz an. Dieser liegt bei einer Anlagedauer von zwei Jahren bei 1,25%, bei fünf Jahren bei 2,25%. Bei der Credit Suisse und der UBS erhalten die Kunden für zwei Jahre 0,875% und für fünf Jahre 2%. Das Angebot ist begehrt: Bei den längerfristigen Kassenobligationen liegt das Zeichnungsvolumen bereits seit einigen Monaten höher als noch zu Beginn des letzten Jahres, heisst es bei der UBS.

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