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Aktienmarkt
Die Nervosität im Markt ist deutlich spürbar

Mann überprüft Aktienkurs
Ein negativer Faktor für den Aktienmarkt ist die positive Entwicklung der US-Renditen 10-jähriger Staatsanleihen. Quelle: Getty Images

Nach einem fulminanten Start ins neue Jahr folgte beim DAX ein ebenso rasanter Absturz. Die Lage bleibt angespannt.

Von Christos Mallousis*
am 26.04.2018

Die Berichtssaison befindet sich aktuell auf ihrem Höhepunkt. Diese Woche legten bereits acht Unternehmen ihre Geschäftszahlen zum Q1 2018 vor. In den kommenden zwei Wochen folgen die restlichen 22 deutschen Bluechips. Dabei wird, mit Ausnahme der Deutschen Bank, der Commerzbank, Siemens sowie der Deutschen Telekom, überwiegend mit steigenden Erträgen gerechnet.

Jedoch zeigt uns die Berichtssaison in den USA aktuell, dass diese nicht mehr die gleiche treibende Kraft wie in den Vorquartalen entfalten kann. Obwohl wir bislang eine durchaus positive Berichtssaison in den USA erleben, bleibt der entsprechende Aufschwung an den Aktienmärkten bislang aus. 

Der Aktienmarkt erhält zunehmend Gegenwind

Ein Grund dafür ist ein sich eintrübender Ausblick der Unternehmen für den Rest des Jahres. Ein weiterer negativer Faktor für den Aktienmarkt ist die positive Entwicklung der US-Renditen 10-jähriger Staatsanleihen. Diese haben jüngst den seit Ende der 80er Jahre bestehenden langfristigen Abwärtstrend nach oben durchbrochen. Derzeit werden sie mit knapp über 3%, so hoch wie seit 2011 nicht mehr, gehandelt. Investoren könnten nun wieder verstärkt Gelder aus dem Aktienmarkt abziehen und in Anleihen investieren.

Darüber hinaus wird mit Sorge auf die steigenden Rohstoffpreise geschaut. Rohöl der Sorte WTI scheiterte jüngst nur knapp an der Marke von 70 USD pro Fass, dem höchsten Stand seit Ende 2014. Dies nährt die Sorge einer plötzlichen Inflation. Die Folge wären notwendige Gegenmassnahmen der Zentralbanken in Form von Zinserhöhungen und Reduktion der Bilanzsummen durch Verkäufe der Anleihen. Letzteres haben die Zentralbanken im Rahmen ihrer milliardenschweren Programme zur quantitativen Lockerung angehäuft. Diese Massnahmen hätten wiederum eine negative Auswirkung auf die Aktienmärkte, da die Anleiherenditen weiter steigen dürften. 

Mit der durchgesetzten Steuerreform, der Deregulierung der Bankenlandschaft und der weiteren Anhebung der Schuldengrenze in den USA hat Trump sein Pulver scheinbar verschossen. Der Markt sieht insbesondere die Schuldensituation in den USA immer kritischer. Auch in der Eurozone stehen die Vorzeichen bei der Europäischen Zentralbank auf Normalisierung und sollten den Aktienmarkt weiter belasten.

Der DAX befindet sich derzeit auf kritischem Niveau 

Aus charttechnischer Sicht befindet sich der DAX derzeit auf kritischem Niveau. Ein Bruch der langfristigen Aufwärtstrendlinie, welche derzeit bei etwa 11.900 Punkte verläuft, dürfte weiteres Abwärtspotenzial bringen. Die kurzfristige Erholung im April ist am 200-Tage gleitenden Durchschnitt bei 12.660 Punkte gescheitert.

Gleichzeitig verläuft auf diesem Niveau das 50%-Fibonacci Retracement Level der Januar-März Bewegung, was dieser Kursmarke weitere Bedeutung schenkt. Der abfallende gleitende Durchschnitt und die gleichzeitig steigende Aufwärtstrendlinie lässt die charttechnische Situation im wahrsten Sinne zuspitzen. Ein Ausbruch (entweder nach oben oder unten) dürfte uns also bald bevorstehen.

Die Nervosität im Markt ist deutlich spürbar und die Aktienkurse schaffen es derzeit nicht, neue Höchststände zu markieren. Es scheint, als würde dem Markt nach fast 10 Jahren Bullenmarkt die Luft ausgehen. 

Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.

 

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