Im Zuge der Hypothekenkrise haben auch einige Analysten an der Wall Street ihre Jobs verloren. Andere dagegen machten einen Karrieresprung. Meredith Whitney von Oppenheimer & Co wurde bekannt durch die frühe Aussage, Citigroup sei in Geldnöten, und William Tanona von Goldman Sachs warnte zeitig vor hohen Abschreibungen bei Merrill Lynch. Sie und einige weitere Analysten liessen sich nicht beirren und blieben bei ihren Prognosen, was ihnen nun Respekt einbringt.

Das Ansehen der «Verkaufen»-Analysten war seit Ende der 1990er Jahre enorm gesunken. Dabei mussten im Jahr 2003 zehn grosse WallStreet-Firmen insgesamt 1,4 Mrd Dollar Strafen in Zivilprozessen zahlen, die von der Börsenaufsicht angestrengt wurden, weil zu günstige Prognosen erstellt wurden, Analysten zudem arglistige Täuschung vorgeworfen worden war. Seitdem müssen die Firmen ihr Investment- und Wertpapiergeschäft klar trennen, Analysten dürfen nicht mehr an Investmentgeschäften beteiligt sein. Prominente «Opfer» damals u.a.: Henry Blodget und Jack Grubman.

Nicht überall gleich angesehen

Heute ist die Kreditkrise die grosse Gefahr für die Arbeitsplätze: In den vergangenen Wochen wurden bei der Bank of America und JPMorgen Analysten entlassen. Investoren beklagen, die verbliebenen seien noch genauso bullish wie eh und je: Trotz der Turbulenzen haben 48,8% von ihnen im Dezember 2007 «Kauf»-Empfehlungen abgegeben. Vor einem Jahr waren es nach Angaben von Thomson Research nur 45,8%. Mit «Verkaufen» wurden nur noch 5,5% aller Papiere geratet (Vorjahr: 7,3%). Die für ihre klaren Aussagen hoch angesehenen Analysten sind der Meinung, die Situation sei für sie noch nie so gut gewesen. «In einem schlechten Markt ist gutes Research noch viel wichtiger, denn die Leute brauchen Hilfe», so Whitney, die seit 1993 Analystin ist. Während die Investoren für klare Ansagen dankbar sind, machen sich die Analysten damit auch Feinde: Die Chefs der herabgestuften Unternehmen.

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