Es wird immer schwieriger, das Vermögen im Rahmen von traditionellen Mischfonds hinsichtlich Anlagerisiken ausgewogen zu positionieren. Grund dafür sind das aktuelle Tiefstzins­niveau und die seit beinahe sechs Jahren andauernde Aktien-Aufwärtsbe­wegung.

Viele Anleger wurden in der ­Finanzkrise von Mischfonds enttäuscht, weil diese teilweise hohe Verluste erlitten. Bei diesen Fonds besteht nebst der Diversifi­­ka­tion kein Risikoschutz. Und wie die Finanzkrise gezeigt hat, reicht Diversifikation nicht aus, um Verluste zu beschränken, da in Krisenzeiten die Korrelationen von Anlageklassen tendenziell ­ansteigen.

Neue Generation der Allokation

Bei ihrer Vermögensaufteilung auf die Anlageklassen orientieren sich traditionelle Mischfonds oft an der Zusammensetzung ihrer Benchmark und beschränken sich meist auf globale Aktien und Anleihen. Die taktischen Allokationsentscheidungen werden meist in Anlehnung an die hauseigene Anlagepolitik der Banken gesteuert. Das Risikoprofil bestimmt die Höhe der strategischen Aktienquote. Der Investor wählt zwar aus unterschiedlichen Risikoprofilen – defensiv, ausgewogen oder aggressiv – eines aus, überlässt die taktische Vermögensallokation und die Titelauswahl aber dem Fondsmanager.

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Investoren setzen nun vermehrt auf Anlagestrategien mit Absolute-Return-Ausrichtung oder Risikokontrolle. Diese Produkte grenzen sich mit neuer Bezeichnung als Multi-Asset-Fonds von den traditionellen Mischfonds ab und bilden eine neue Generation der Vermögensallokation. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen in ihrer Flexibilität sowohl bei der Abgrenzung des Anlageuniversums als auch bei der Portfoliokonstruktion und sind nicht an eine Benchmark oder eine feste Vermögensallokation gebunden. Das Anlageuniversum ist breiter und die Allokationssteuerung deutlich dynamischer, was ein rascheres Anpassen des Portfolios an Veränderungen im Markt­umfeld erlaubt. Eine ausgewogene und stabile Entwicklung des Vermögens ist das Ziel.

Multi-Asset-Produkte sind sehr heterogen, die Fonds sind schwer zu typisieren. Während die einen Produkte eine Zielvolatilität verfolgen (Target Volatility), zielen andere auf eine ausgewogene Risikobudget-Gewichtung (Risk Parity) oder streben ein Rendite- (Target Return) oder Ausschüttungsziel (Target Income) an.

Experten für anspruchsvolle Produkte

Die universelle und daher meistverbreitete Form ist wahrscheinlich der dynamische Allokationsfonds (Dynamic Asset Allocation). Diese sollen – ähnlich den Strategiefonds – eine langfristig hohe Rendite erzielen, haben jedoch eine deutlich geringere Toleranz für negative Renditen. Typischerweise wird ein asymmetrisches Risikoprofil angestrebt: Schutz ­gegen unten, Partizipation gegen oben. Bei den Multi-Asset-Fonds steht grundsätzlich nicht die Vermögensallokation auf Anlagekategorien im Zentrum, sondern die Erreichung konkreter Ziele.

Da es keine Strategie- oder Benchmark-Vorgaben gibt, kann der Fonds flexibel in Anlageideen investieren. Die Dynamisierung der Asset Allocation bringt einen höheren Grad an Komplexität im Portfoliomanagement mit sich. Die Verwaltung ­eines solchen Fonds obliegt daher oft einem Team an Experten, das bei Ideengeneration, Analyse, Portfoliokonstruktion und Risikomanagement zusammenarbeitet. Genau dieses Zusammenspiel verschiedener Spezialisten und Prozesse soll es ermöglichen, dass die Multi-AssetFonds ihre Ziele erreichen.

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Investorenansprüche gerecht werden

Das Vermögen wird zuerst nach Risikobeiträgen und Renditepotenzial auf verschiedene Risikofaktoren aufgeteilt und anschliessend für verschiedene mögliche Szenarien gleichzeitig positioniert. Zusätzlich werden risikoreduzierende und renditeerhöhende opportunistische Strategien berücksichtigt.

Multi-Asset-Fonds sollen den gewachsenen Investorenansprüchen gerecht werden – bezüglich Liquidität wie auch Transparenz. Sie werden meist täglich bewertet, sind täglich handelbar und den UCITS-Richtlinien unterstellt. Ihre Kosten bewegen sich ungefähr auf der Höhe eines aktiv gemanagten Aktienfonds. Ein Portfolio von Multi-Asset-Fonds kann daher auch eine interessante Alternative zu Fund-of Hedge-Funds darstellen. Das Angebot der Multi-Asset-Fonds mit Anteilsklassen in Schweizer Franken ist noch relativ übersichtlich, eine viel grössere Auswahl bietet sich derzeit in Euro- und Dollar-denominierten Produkten. Doch ihre Verlustresilienz in einer Krise müssen auch Multi-Asset-Produkte noch unter Beweis stellen.

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