Die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen die Köpfe, die an der Spitze der einflussreichsten Business-Vordenker auftauchen. Psychologen, Journalisten und bekannte CEOs verdrängten dort die reinen Wirtschaftsgurus. So zeigt es ein aktuelles, vom «Wall Street Journal» in Auftrag gegebenes Ranking. Die Ergebnisse basieren auf der Häufigkeit der Nennung eines Namens in den Medien, bei Google-Suchen sowie in der akademischen Literatur.

Den ersten Platz nimmt danach Gary Hamel ein. Der 53-Jährige, 2003 noch auf Platz 7, ist Absolvent der Ross School of Business an der Uni Michigan, Leiter einer Consulting-Firma und Gastprofessor für Strategiemanagement an der London Business School. Hamel gilt als einer der einflussreichsten Managementdenker und ist erfolgreicher Autor.

In seinem im Oktober 2007 erschienenen Buch «The Future of Management» zeigt er am Beispiel von Unternehmen wie Google neue Wege der Unternehmensführung auf. Als Gastredner kassiert er zwischen 50000 und 100000 Dollar für einen Auftritt. Sein Geheimnis? «Er hat ein gutes Gespür für den unternehmerischen Zeitgeist», sagt Managementprofessor Thomas H. Davenport, der zusammen mit einem Kollegen das «Guru»-Ranking erstellt hat.

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Hamel ist jedoch der Einzige unter den Top 5, der aus der traditionellen Wirtschaftsecke kommt. Auf Platz 2 folgt bereits der Journalist Thomas Friedman. Der Pulitzer-Preisträger ist Kolumnist bei der «New York Times» und hat unter anderem den Bestseller «Die Welt ist flach» geschrieben. Den 3. Platz erreichte Ex-Microsoft-Chef Bill Gates, auf Platz 4 folgt bereits der nächste Journalist: Malcolm Gladwell. Sein Schwerpunkt ist Psychologie. In seinem 2005 erschienenen Buch «Blink: The Power of Thinking without Thinking» geht es um die Rolle spontaner Einschätzungen bei der Entscheidungsfindung. Den 5. Platz belegt Howard Gardner, Professor für Erziehungswissenschaft in Harvard und bekannt für seine Theorie der multiplen Intelligenz.

Thema Globalisierung ist gefragt

Beim diesjährigen Ranking wandte Davenport dieselbe Methodik an wie in seinem 2003 erschienenen Buch «Whats the Big Idea». Seiner Meinung nach zeigt das aktuelle Ranking, wie begierig die unter Zeitdruck stehenden Manager nach leicht konsumierbaren Informationshäppchen seien. Die gefragtesten Themen heute: Globalisierung, Motivation und Innovation. Traditionelle Business-Vordenker, die «dicke Schwarten» schreiben, hätten das Nachsehen, so Davenport.

Viele bekannte Gurus fielen im Ranking weit zurück, darunter Harvard-Professor Michael Porter und Managementautor Tom Peters, die 2003 noch an der Spitze standen. Dass die Gruppe der Vordenker auf den vorderen Plätzen dieses Mal so bunt gemischt ist, sei kein Zufall, sagen die Manager. «Der Druck, Entscheidungen zu fällen, lastet auf uns allen und ist deutlich höher geworden», erklärt Susan Flygare, verantwortlich für die Verkaufsstrategie bei der Vereinigung von Krankenversicherern BlueCross. Ihre Kunden erwarteten inzwischen Hilfe sowohl bei Analysen des Konsumentenverhaltens als auch beim Erstellen eines Gesundheitsplans.