Flagship-Stores, die grossen Geschäfte an bester Lage, gelten als touristische Anziehungspunkte, die nebenbei auch noch gut für die Kassen der Firmen sind: Hier können die Luxusgüterhersteller auf die ungeteilte Aufmerksamkeit der Kunden zählen und kontrollieren den Verkaufskanal selber, mit allen damit verbundenen Vorteilen.

Immer wichtiger wird im Luxusgütermarkt aber auch der Online-Kanal. Doch die Webauftritte der Konzerne gleichen oft Online-Katalogen, will man doch die Kunden lieber ins Geschäft locken. In den letzten Jahren sind indes viele Online-Plattformen entstanden, welche die begehrte Ware entweder aus Graumarktkanälen ganz neu als Vorsaison-Second-Season-Anbieter oder gebraucht an ihre Kunden verkaufen. Den etablierten Herstellern sind solche Online-Plattformen nicht geheuer.

Online-Erfahrung für Richemont

Ende März kündigte Richemont an, die 33%-Beteiligung am britischen Online-Händler Net-a-Porter ganz zu übernehmen. Die Gründerin Natalie Massenet habe die volle Unterstützung zugesichert, sie werde diese Online-Plattform zukünftig in der Rolle einer Executive Chairwoman als eigenständige Einheit im Richemont-Konzern leiten. Massenet habe laut Richemont-CEO Johann Rupert ein sehr gutes und kundenorientiertes Geschäftsmodell entwickelt. Net-a-Porter existiert erst seit zehn Jahren, führt 300 Labels im Sortiment und setzte 2009 im Jahr 120 Mio Pfund um. Der Kaufpreis entspricht etwa dem Dreifachen des Umsatzes.

Anzeige

«Wir sind etwas überrascht», so die Analysten von Helvea. Die Synergien seien beschränkt, aber so komme auch Erfahrung im Online-Geschäft in das konservative Luxusgütergeschäft, heisst es weiter. Bei Helvea bleibt man bei der Kaufempfehlung für Richemont mit dem Kursziel 45 Fr. Für die Analysten der ZKB war der Kauf sinnvoll, obwohl Net-a-Porter längst nicht nur Richemont-Produkte vertreibt. Das Online-Geschäft werde im Luxusgüterbereich immer wichtiger. Der Kauf wird als «kursneutral» bewertet.

Bei LVMH soll laut Presseberichten das Parfumgeschäft reorganisiert werden. Die Sparte wurde vor 13 Jahren aufgebaut. Nun sollen die Synergien im internationalen Vertrieb weiter optimiert werden. 2009 schrumpfte das Geschäft mit Parfums in der Krise, anders als jenes mit Handtaschen.Die Analysten von Raymond James halten an ihrer Kaufempfehlung fest und setzen ein Kursziel von 100 Euro. Bei der Citigroup will man aus ersten Kommentaren des Managements zum Geschäftsverlauf 2010 positives Überraschungspotenzial herausgehört haben.

Hermès dämpft Erwartungen

Die Erwartungen eher gedämpft hat das Management von Hermès bei der Analystenveranstaltung kurz vor Ostern. Man erwartet für 2010 nur noch ein Wachstum von 5% und eine allenfalls gehaltene operative Marge. Sogar das Management findet die Bewertung zu hoch, um einen Aktienrückkauf zu rechtfertigen. Die Aktie ist mit einem KGV von 33 doppelt so teuer wie die von LVMH oder Richemont.