Europa und der Euro werden so schnell nicht aus den Schlagzeilen herauskommen und weitergehen werden damit wohl auch die Spekulationen gegen einzelne Mitgliedstaaten.

Dabei können riesige Summen im Spiel sein. Von den 2,8 Billionen Dollar, die täglich an den Devisenmärkten gehandelt werden, haben nur 10% einen kommerziellen Hintergrund. Das heisst, dass sie tatsächlich Firmen für Geschäfte in Fremdwährungen dienen. Der Grossteil wird von Hedge-Fonds und grossen Investmentbanken bewegt. Und die wissen, dass es für die EU derzeit keinen Grund gibt, gegenzusteuern. Da die Schwäche der Gemeinschaftswährung für die exportorientierten Europäer ein Segen ist, wird etwa die Europäische Zentralbank kaum zu Stützungskäufen neigen.

Zu den Leidtragenden gehören zum Beispiel die Chinesen, deren Wirtschaft nach wie vor stark vom Export abhängt. Bei Ausfuhren in den Euroraum sind die Margen zuletzt deutlich geschrumpft. Im Gegenzug wurden Importe aus Europa wie etwa Autos und Maschinen deutlich günstiger.Das bedeutet, dass die Kaufkraft der chinesischen Währung steigt, was zu einer automatischen Aufwertung führt, auch wenn der Renminbi nicht frei konvertierbar ist und seine Stärke gegenüber dem Euro allein mit der Kopplung an den Dollar zusammenhängt.

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Massives Wachstumsgefälle

«China wird früher oder später nicht umhinkommen, die Wechselkurse freizugeben», ist Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, überzeugt. Bisher hat sich Peking dazu nicht durchringen können, aus Sorge, die Exportindustrie und damit den Motor des Wirtschaftsbooms abzuwürgen.

«Währungen sind die Aktienkurse der Volkswirtschaft», sagt Kater. Kein Wunder also, dass der Dollar angesichts eines erwarteten Wachstums der US-Wirtschaft von mehr als 3% kräftig aufwertet. «Die Dollarstärke ist vor allem ein Ausdruck des massiven Wachstumsgefälles zwischen den USA und Europa», sagt Barbara Böttcher, Leiterin Wirtschaftspolitik bei der Deutschen Bank.

Franken als sicherer Hafen

Langfristig aber werden Euro und Dollar weltweit an Gewicht verlieren. «Die Aufwertung der Schwellenländer wird analog zu ihrem Wirtschaftswachstum weitergehen», erwartet Kater. Damit werden sie höhere Zinsen bieten können als die Industrieländer, deren Fähigkeit zur flexiblen Leitzinsanpassung wegen der starken Verschuldung noch für Jahre eingeschränkt sein wird.

Zu den aussichtsreichen Newcomern im künftigen Weltwährungsklub zählt Kater die Indische Rupie. «Der Währungsraum ist sehr gross, die Währung konvertibel und relativ gut gemanagt», nennt er Kriterien für eine internationale Reservewährung. Der Brasilianische Real sei dagegen in einem zu kleinen Wirtschaftsraum verbreitet, als dass es für ihn zur Reservewährung reichen würde.

Dass sie künftig eine bedeutendere Rolle im Weltwährungssystem spielen wollen, haben die rohstoffreichen Länder wie Kanada, Australien und Südafrika bereits angedeutet. Ihre Währungen haben sich in den vergangenen anderthalb Jahren gegenüber dem Euro deutlich verteuert. Der Grund ist, dass Investoren verstärkt in diesen Währungsräumen anlegen, wenn sie auf Rohstoffe setzen.

Eher abgelaufen ist die Zeit für andere ehemals zentrale Weltwährungen. «Das Pfund hat seine Bedeutung als Reservewährung längst verloren», sagt Volkswirtin Böttcher. Der Franken dürfte aber sein Potenzial als sicherer Hafen auch künftig ausspielen können.

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