Wenn es um die Aktie von Zurich Financial Services ZFS geht, richten Anleger und Analysten ihr Augenmerk auf die ausgebliebene Hurrikan-Saison in den USA und auf die Konkurrenten wie Axa oder Allianz, die ebenfalls in diesen Tagen Eckdaten zum abgelaufenen 3.Quartal bringen.

In dieser Saison ist es bei keinem einzigen gefürchteten Wirbelsturm zu einem «Landfall» gekommen. ZFS ist dabei einer der Gewinner, weil das Unternehmen in den US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko, die besonders exponiert sind, im Sachgeschäft einen hohen Marktanteil hat. «Die US-Konkurrenten Chubb und Travelers haben starke Quartalszahlen veröffentlicht, deshalb sind auch die Erwartungen für ZFS am 5. November hoch», sagt James Shuck, Analyst bei Jefferies. Shuck geht davon aus, dass das Ergebnis gut ausfallen wird, aber sich noch einige Fragen stellen werden.

Optisch günstige Zurich

Dazu zählt der Umsatzschwund von 6 bis 8%, den die Konkurrenten in den USA aufgrund der Wirtschaftskrise gesehen hatten, sowie die Verwendung des überschüssigen Kapitals. «Wir glauben, dass es zu früh ist, um über Aktienrückkaufprogramme zu spekulieren», sagt Shuck. Der Analyst glaubt, ZFS halte sich stattdessen eher die Möglichkeit für Übernahmen offen.

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Zwiespältig ist die Bewertung der ZFS-Aktie. Auf die Gewinnschätzungen für 2010 abgestellt, ist Zurich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7,7 optisch günstig und auch der Vergleich der Kapitalisierung mit dem Buchwert von 1,3 erscheint den Analysten angemessen zu sein. «Aber ein schwaches Nichtlebengeschäft kann hier Grenzen setzen», sagt Shuck. Die Konsensschätzung steht bei 1,5 Mrd Dollar operativem Gewinn und 1,1 Mrd Dollar Reingewinn. Die Analysten der Citigroup erwarten keine Verzerrungen durch realisierte Gewinne oder Verluste.

Bereits Ende letzter Woche hat hingegen die französische Axa, in der Schweiz mit der Tochter Axa-Winterthur ein grosser Konkurrent für Zurich, den Umsatz für die ers-ten neun Monate bekannt gegeben. Dieser ist aufgrund der schwachen Nachfrage nach Lebensversicherungs- und Sparprodukten in den USA um 2% zurückgegangen.

Allianz besser als Axa

Werden Einmaleffekte herausgerechnet, lag der Rückgang bei 5,1%. Axa ist im europäischen Vergleich mit einem Solvabilitätsniveau von 133% relativ schwach kapitalisiert und stark der Entwicklung an den Aktienmärkten ausgesetzt. Die Aktie stieg trotz des erwarteten schwachen operativen Ergebnisses, weil hier Anleger und Analysten die Verbesserung der Kapitalverhältnisse auch infolge der besseren Aktienmärkte höher gewichteten. Analysten raten vorwiegend zum Kauf der Titel. Die deutsche Allianz wird ihrerseits am 9. November über ihr Ergebnis berichten. Der Konsens steht bei 1,9 Mrd Euro operativem Gewinn und 1,3 Mrd Reingewinn.

Die Analysten von Citigroup erwarten einen etwas höheren operativen Gewinn. Im Sachgeschäft dürfte Allianz auf die Kostenreduktions- und Restrukturierungsmassnahmen hinweisen, das Lebensversicherungsgeschäft wird vom aufgehellten konjunkturellen Umfeld und von der Beruhigung an den Kapitalmärkten profitieren.

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Auch hier rechnen die Analys-ten mit einer Verbesserung der Kapitalausstattung. «Viele Analysten werden jetzt auf Anzeichen einer Verbesserung im operativen Geschäft achten, um mehr als die Bewertung als Kaufargument zu haben», so Citigroup.