Sie haben jetzt frische Hemden und Lebensmittel, auch rasiert haben sie sich für den Blick der Weltöffentlichkeit. Doch nach wie vor kämpfen die 33 Männer, die seit mehr als einem Monat in einem Stollen der chilenischen Mine San José eingeschlossen sind, ums Überleben ein hoher Preis, den sie dafür bezahlen, sich zu Billiglöhnen 700 m unter die Erde vorgewagt zu haben.

Hohe und höhere Preise erzielt derweil auch das Metall, nach dem die chilenischen Kumpel dort unten geschürft hatten: Der Goldspotpreis stieg seit Anfang 2007 um 95% auf derzeit knapp 1250 Dollar an. Und daran haben gerade die Anleger wesentlichen Anteil. Gemäss einer Studie von UBS hat sich nämlich die Nachfrage von dieser Seite 2009 auf 1750 t verdoppelt und ist damit zum wichtigsten Treiber der Wertsteigerung geworden.

Gold gilt den Investoren als sicherer Hafen in einem weiterhin unsicheren Wirtschaftsumfeld und zunehmend auch als Ersatzwährung für die rasch an Wert verlierenden Devisen Dollar und Euro. Gehalten wird das Gold auf Edelmetallkonti, in Münzen, über mit Gold unterlegten Edelmetall-Indexfonds und via Kontrakte in Optionsstrukturen.

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Antworten am Bankschalter

Und ein Ende des Runs auf das Edelmetall ist nicht in Sicht: Die UBS sieht den Unzenpreis bis Juni 2011 auf 1500 Dollar steigen. Für jene, die schon vor Jahren eingestiegen sind, zeichnet sich damit ein glänzendes Geschäft ab. Aber ist es auch ein Geschäft, bei dem man ein gutes Gewissen haben kann?

Denn sicher ist, dass Gold keine problemfreie Anlage ist. Die Gewinnung ist mit Gefahren verbunden, wie das Beispiel in Chile zeigt, und im schlimmsten Fall mit der möglichen Verletzung von Menschenrechten wie etwa bei den «wilden» Schürfern in Afrika oder bei den Konflikten um die Grasberg-Mine in Papua-Neuguinea. Wenig nachhaltig ist auch der Gewinnungsprozess. Dabei gelangen Blausäureverbindungen und Quecksilber zum Einsatz, und der Berg der Abfallprodukte ist riesig - rund 20 t fallen allein für die Herstellung eines Eherings an.

Dabei ist nur ein geringer Teil des sich im Handel befindenden Goldes tatsächlich frisch geschürft worden; an die 2600 t werden jährlich neu gewonnen. Demgegenüber stehen Goldbestände von geschätzten 153 000 t, die sich seit Jahren und Jahrhunderten im Umlauf befinden - denn Gold verbraucht sich kaum (siehe Grafik). Damit wäre das Metall eigentlich Recycling-Weltmeister und damit umweltschonend. Aber der lange Umlauf schafft ein weiteres Problem: Niemand weiss mehr mit Sicherheit, woher das Altgold stammt. Wer also am Bankschalter Genaueres über seine Barren erfahren will, bekommt zwar genaue Auskünfte über die Reinheit des Goldes, aber nur eine ausweichende Antwort bezüglich dessen Ursprung. «Ein weltweites Zertifizierungssystem, mit dem sich das Gold bis zur Mine zurückverfolgen lässt, existiert noch nicht», heisst es bei der Credit Suisse. Banken wie UBS, Credit Suisse und ZKB, die auch eigene Gold-Indexfonds vertreiben, behelfen sich damit, dass sie sich zu anerkannten Standards verpflichten und nur mit renommierten Lieferanten zusammenarbeiten (siehe Kasten).

Das verschafft diesen eine wichtige Mittlerrolle. Bei der Schweizer Goldschmelze Argor-Heraeus im Tessin, die auch viele Banken beliefert, ist sich CEO Erhard Oberli der Verantwortung bewusst. «Wir haben zusammen mit ihren Kunden einen Code of Conduct erarbeitet, der strikt eingehalten wird.» Verarbeitet werde neben Altgold zudem nur Rohmaterial, das von bedeutenden, meist börsenkotierten Firmen gefördert werde. Minen würden auch persönlich besucht. «Ein Reputationsrisiko kann nicht in Kauf genommen werden, die Konsequenzen wären für alle Beteiligten fatal», so Oberli.

Ethisch bedenkliche Goldanteile

Derweil raten auf nachhaltige Anlagen spezialisierte Vermögensverwalter wie Dr. Höller, den Anteil von Gold im Portefeuille aus ethischer Perspektive zu begrenzen. Wer trotzdem Gold kaufe, solle darauf achten, dass das Edelmetall in einer ökologisch und sozial vertretbaren Art und Weise von den Produzenten gefördert worden sei. «Im Idealfall sind dies kleinere Unternehmen, die westliche industrielle Standards an allen Standorten einhalten oder einer Zertifikation unterzogen worden sind», sagt Roman Limacher, Mitglied der Geschäftsleitung von Dr. Höller in Zürich.