Am Schweizer Solarhimmel schien die Sonne jüngst noch ein wenig heller: Die geplante Fusion von Meyer Burger und 3S sorgte an der Börse für Euphorie. Die Valoren der viermal grösseren Meyer Burger gingen gleichentags mit Kursgewinnen von 6,3% aus dem Handel. Die an der Berner Börse kotierte 3S haussierte um 20,5%. Auch in den Analystenkreisen kam der Schulterschluss der beiden Solarfirmen gut an: «Aus strategischer Sicht macht die Transaktion viel Sinn», so der Helvea-Analyst Stefan Gächter. Die Produktportefeuilles der beiden Unternehmen ergänzten sich gegenseitig.

Abschlag ungerechtfertigt

Das Thuner Unternehmen Meyer Burger ist führend in der Herstellung von Spezialsägen, welche Silizium zu dünnen Solarzellen schneiden. 3S hingegen ist spezialisiert auf automatisierte Maschinen zur Montage und Laminierung der Zellen und stellt damit fertige Solarpanel her. Damit soll das neu entstehende Solarunternehmen in der Lage sein, die ganze Wertschöpfungskette abzudecken und Kunden Lösungen aus einer Hand anzubieten. Davon verspricht sich das Management Synergieeffekte, welche auf rund 20 Mio Fr. geschätzt werden.

Einerseits soll das Absatzvolumen durch Cross-Selling gesteigert werden. Durch die Bündelung der Einkäufe und die optimierte Nutzung der Produktionskapazitäten erhoffen sich die Firmen Einsparungen bei den Materialkosten. Dadurch soll das Ziel der Grid-Parität von Solarstrom schneller erfüllt sein. Die Grid-Parität ist dann erreicht, wenn Energie aus einer Photovoltaikanlage den Endverbraucher gleich viel kostet wie traditioneller Strom.

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Stimmt der Verwaltungsrat beider Gesellschaften an der ausserordentlichen Generalversammlung am 14. Januar 2010 der Fusion zu, ist die Transaktion am 21. Januar unter Dach und Fach. Die Verwaltungsräte haben vereinbart, 11,2 3S-Namensaktien gegen einen Meyer-Burger-Titel zu tauschen. Als Chef des neuen Unternehmens ist Peter Pauli, der bisherige CEO von Meyer Burger, vorgesehen.

Die Credit Suisse schätzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Meyer Burger für 2010 auf 18,8. Das entspricht einem Abschlag von 16% zu den grossen Unternehmen für Solarausrüstung. «Da Meyer Burger seine technologische Führungsrolle in der wachsenden Solarindustrie konsolidiert, schätzten wir diesen Abschlag als ungerechtfertigt ein», urteilt der CS-Analyst Pierre-Yves Bolinger. Die Kauf-Empfehlung werde beibehalten.

Die Bank Vontobel hat nach den Fusionsabsichten das Rating für 3S auf «Kaufen» hochgestuft. «Da wir von einer Zustimmung der Aktionäre zur Fusion ausgehen, ist der Aktienkurs von 3S nun mit einem Faktor von 11,2 zu 1 an denjenigen von Meyer Burger gekoppelt», erklärt der Vontobel-Analyst Michael Foeth. Als neues Kursziel ergibt sich so 33 Fr. (zuvor: 21). Ohne Fusion oder im Alleingang sei dieses Niveau nicht zu erreichen, so Foeth.

Abschreiber bei OC Oerlikon

Doch das Geschäft mit der Sonnenenergie beschert nicht überall eitel Sonnenschein. Massiv auf Talfahrt befanden sich jüngst die Aktien von OC Oerlikon. Innert Wochenfrist haben die Valoren über einen Drittel ihres Werts verloren. Ausschlaggebend für die massiven Kursverluste war eine während des Börsenhandels publizierte Mitteilung, welche unter anderem eine substanzielle Reduzierung des Eigenkapitals und eine anschliessende Kapitalerhöhung enthielt.

Gerade die Solarsparte bereitet OC Oerlikon Kopfschmerzen. Das Unternehmen gab eine ausserordentliche Abschreibung im Solarsegment infolge einer Anpassung der Bestandesbewertung (in der Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags) bekannt. Bereits die 3.-Quartals-Zahlen hatten ein enttäuschendes Resultat des Solargeschäfts von Oerlikon aufgewiesen. Sowohl beim Geschäftsergebnis wie auch beim Ausblick blieb das Segment klar hinter den Erwartungen zurück. Anfang November musste Jeannine Sargent, die seit 2007 die Solarsparte führte, den Sessel räumen. Jürg Henz wurde zum Interim-CEO von Oerlikon Solar ernannt, um eine «nahtlose Weiterführung» des Geschäfts sicherzustellen, wie es in der Mitteilung hiess.

Die meisten Analysten würden die Titel vorerst halten. Pessimistischer ist dagegen der CS-Analyst Reto Hess: «Obwohl der Aktienkurs erheblich zurückgegangen ist, empfehlen wir den Verkauf der Aktien.» Die Unsicherheit bezüglich Kapitalverwässerung und Vereinbarung mit den Banken bleibe bis spätestens Februar hoch. Die strategische Ausrichtung sei immer noch unklar.