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«Die Sorge vor einem Handelskrieg macht Gold attraktiv»

Goldbarren
Goldbarren: Aus Sicht des CIC-Experten ist das Edelmetall attraktiv bewertet.Quelle: Ulrich Baumgarten/Getty Images

Börsenexperte Mario Geniale erklärt, wieso Gold jetzt wieder gefragt ist - und warum derzeit so viele Schweizer Firmen einen IPO wagen.

Von Marc Bürgi
am 23.06.2018

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Mario Geniale*: Die Fussball-Weltmeisterschaft ist in aller Munde und bietet durchaus Parallelen zu den Finanzmärkten. Wie Mexiko im Fussball ist auch Präsident Trump in der Aussenpolitik mit seiner wirbligen Art immer für eine Überraschung gut. Der Handelsstreit mit Europa und China gleicht einer Blutgrätsche. Die Uneinigkeit der EU-Mitgliedsländer wirkt wie eine schlecht eingespielte Fussball-Elf und der jüngste Euro-Schwächeanfall kann mit einem formschwachen Mittelstürmer verglichen werden. Die Europäische Zentralbank beruhigt mit der Fortsetzung der Liquiditätsschwemme die Finanzmärkte. Mit dieser Strategie lässt sich aber die gegnerische Verteidigung nicht knacken beziehungsweise eine Rückkehr zu einer nachhaltigen Geldpolitik nicht bewerkstelligen. 

 

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Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Wir nähern uns wieder der «Saure-Gurken-Zeit» mit einer Flaute an Meldungen aus Wirtschaft und Politik. Gleichzeitig nimmt wahrscheinlich auch die Handelstätigkeit ab. Unternehmensspezifische Meldungen können einen Einzeltitel bewegen, aber für den Gesamtmarkt erwarten wir keine grösseren Sprünge nach oben. Auch das Rückschlagpotenzial ist kurzfristig begrenzt, ausser US-Präsident Donald Trump holt zum ganz grossen handelspolitischen Rundumschlag aus.

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Die SMI-Performance seit Jahresbeginn ist ernüchternd, obwohl die Rahmenbedingungen eigentlich weiterhin für Aktienanlagen sprechen. Die Zinssätze bleiben im Keller und die Konsensschätzungen für das SMI-Gewinnwachstum für 2018 liegen bei rund 10 Prozent. Aber eben: Die guten Nachrichten sind weitestgehend eskomptiert und der Indexstand ist im historischen Vergleich in «luftiger Höhe». Zusätzlich hat sich die Grosswetterlage, vor allem wegen geo- und handelspolitischen Unsicherheiten eingetrübt. Ein SMI-Index von 10'000 Punkten bleibt ausser Reichweite, insbesondere, weil die bekannten Indexschwergewichte einen defensiven Anlagecharakter aufweisen. Wir sehen den SMI in 12 Monaten im Bereich 8500 – 9000.

Mario_Geniale_BanqueCIC_Boerseninterview
*Mario Geniale ist als Chief Investment Officer verantwortlich für die Anlagepolitik der Bank CIC. Der diplomierte Vermögensverwalter und Finanzexperte verfügt über langjährige Erfahrung im Portfolio Management und Advisory.
Quelle: ZVG

An der Schweizer Börse kommt es dieses Jahr zu auffallend vielen Börsengängen. Was sind die Gründe für diese Welle an IPOs?
Je höher der Indexstand, desto grösser die Anzahl der Börsengänge. Diese Daumenregel hat durchaus seine Gültigkeit. Die Unternehmen und ihre Aktionäre wollen den Verkaufserlös möglichst maximieren oder zumindest optimieren. Dabei gibt es nur wenige Nuancen. Einige Unternehmen wie Medartis und Klingelnberg nutzen den Börsengang, um den Bekanntheitsgrad zu steigern und um ihre Wachstumspläne zu finanzieren. Andere, wie Ceva Logistics, brauchen schlicht «Cash», um den riesigen Schuldenberg in der Bilanz abzutragen.

In wirtschaftlich unsicheren Zeiten investieren viele Anleger in Gold- und Silber. Sind die beiden Rohstoffe derzeit attraktiv bewertet?
Ja. Gold notiert zurzeit bei circa 1264 Dollar pro Unze und hat somit die wichtige Marke von 1300 USD/oz nach unten durchbrochen, was das Edelmetall günstig erscheinen lässt. Ende Jahr sehen wir Gold bei 1350 USD/oz. Für Silber – das Gold des armen Mannes – spricht das vorteilhafte Gold-Silber-Verhältnis von 78. Im Gegensatz zu Gold ist Silber volatiler und deshalb eher spekulativ, jedoch als Beimischung zu einer strategischen Goldpositionierung durchaus passend. Die Sorge vor einem globalen Handelskrieg macht Gold als sicheren Hafen bei den Anlegern attraktiv.

In Schwellenländern wie Brasilien, Türkei oder Südafrika kriselt die Wirtschaft. Besteht Ansteckungsgefahr für die Weltwirtschaft?
Die Währungen der drei Länder haben sich in den letzten Monaten stark abgewertet. Die Gründe dafür sind politischer, wie auch struktureller Natur. Wir sehen im Moment aber keine Ansteckungsgefahr, welche explizit von diesen Ländern ausgeht. Ganz grundsätzlich ist es aber so, dass der aktuelle Mix aus steigenden Zinsen und einem stärkeren US-Dollar tendenziell für Nervosität in den Schwellenländern sorgt. Speziell für Länder, welche hoch in Dollar verschuldet sind, könnte das teuer werden. Die steigenden Zinsen in den USA können den Abfluss von Kapital aus den Emerging Markets zurück in den Dollarraum zusätzlich befeuern. Wir sind in Brasilien, der Türkei und Südafrika untergewichtet und werden das bis auf Weiteres wohl auch bleiben.

Gestern Donnerstag haben die Euro-Mitgliedsländer über das dritte Hilfsprogramm für Griechenland beraten. Könnte das einstige Krisenland wieder zum Problem für die Währungsunion werden?
Gerade erst am Mittwoch meinte EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici, dass es Zeit wäre, dass Griechenland auf eigenen Füssen steht. Nachdem das dritte Hilfsprogramm Mitte August ausläuft, soll das Land sich wieder am Kapitalmarkt refinanzieren. Die ganze Griechenland-Geschichte rückt mit dem Auslaufen des Hilfsprogrammes allerdings in den Hintergrund. Vielmehr muss sich Brüssel um die politische Situation in Italien und Spanien kümmern. Im Sommer wird die Migrationskrise eine der grössten Bewährungsproben darstellen.

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