Die Untergangspropheten haben ein leichtes Spiel. Spätestens seit dem fatalen Ende der ältesten Schweizer Privatbank Wegelin Anfang Jahr weiss man, wie verwundbar die hiesige Finanzbranche ist. Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass nicht neue Analysen und Projektionen den weiteren Niedergang vorwegnehmen.

Selbst Bankchefs prophezeien ihrer Zunft eine düstere Zukunft, wie unlängst Zeno Staub. In den nächsten fünf Jahren würden 100 Banken verschwinden, sagte der Chef des Zürcher Traditionshauses Vontobel im Interview mit der «Handelszeitung».

Vor diesem Hintergrund fragt sich manch besorgter Beobachter: Sind es 10'000, 20'000 oder gar 100'000 Stellen, die im Schweizer Banking in nächster Zeit verschwinden? Werden 50, 100 oder 1000 Milliarden Franken an Kundengeldern abfliessen? Haben die Grossbanken bereits Dimensionen erlangt, die sie unkontrollierbar machen? Die Meinungen sind gemacht – vielleicht allzu überhastet, wie die zwölf Thesen der Serie auf «Handelszeitung Online» zeigen.

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5. These: Bankmarken sind austauschbar

Die Banken sollten sich nicht allzu viel auf ihre Marke einbilden. Denn die Kunden vertrauen eher ihrem Berater als der Bank, für die er gerade arbeitet. Dies brachte die liechtensteinische LGT-Gruppe unlängst in einer repräsentativen Umfrage in Erfahrung.

Kommt hinzu, dass sich die meisten Banken mit den ewig gleichen Attributen schmücken. Man präsentiert sich als geschichtsträchtiges Haus mit Ahnengalerie, Wappen und den Porträts der aktuellen Repräsentanten der Bank. «Die Selbstdarstellung orientiert sich viel zu stark an der Innensicht», stellt die Markenexpertin Karin M. Klossek fest. So bleibt die Differenzierung auf der Strecke.

Fazit: Banken werden sich in Zukunft weniger über ihre Marke als über ihre Mitarbeiter sowie über die Qualität und Vielseitigkeit ihrer Dienstleistungen profilieren. In den meisten anderen Branchen ist das schon lange so.

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6. These: Das Investment Banking muss auf- und nicht abgespalten werden

Seit der Finanzkrise hat das Investment Banking einen schweren Stand. Allein schon mit seinen volatilen Ertragsströmen setzt es die grossen Banken einer enormen Unwägbarkeit aus. Missbräuchlichkeiten, wie zuletzt die dreisten Manipulationen beim Libor-Zinssatz, tragen zusätzlich dazu bei, dass diese Disziplin in Verruf steht. Unter diesen Prämissen erstaunt es nicht, dass die Forderung nach der Abspaltung des Investment Banking bei UBS und Credit Suisse schon wie ein Mantra in der öffentlichen Diskussion heruntergebetet wird.

Allerdings greift diese Argumentation zu kurz. Das Investment Banking der beiden Schweizer Grossbanken muss nicht ab-, sondern aufgespalten werden. Um ihrer Zweckbestimmung – der Kapitaltransformation – wieder vermehrt gerecht zu werden, benötigen die Banken gewisse ­Investment-Banking-Aktivitäten. Damit vergeben sie Kredite, wickeln Kapitalmarkttransaktionen für Firmenkunden ab oder erstellen Firmenanalysen.

Was es unter demselben Dach hingegen nicht braucht, ist der kostspielige ­Eigenhandel, sind waghalsige Spekulationen an den Kapitalmärkten und die Entwicklung und Vermarktung komplexer Derivate, die zum Ausbruch der Finanzkrise geführt haben.

Fazit: UBS und Credit Suisse werden auch in Zukunft ein Investment Banking betreiben, nur wird es von ganz anderer Qualität sein.

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Morgen auf «Handelszeitung Online»: Die Thesen zum Outsourcing und zur Chefetage.