Seit Präsident Barack Obama im Amt ist, drängt er die US-Bürger dazu, an sich zu arbeiten. «Die Zeit ist gekommen, um das abzustreifen, was kindisch ist», sagte er in seiner Antrittsrede in einer Anspielung auf die Bibel. Und anschliessend rief er eine «neue Ära der Verantwortung» aus. Seither haben Obama und seine Mitstreiter im Kongress eine Reihe von Vorschlägen erarbeitet mit dem Ziel, die Bürger in Sachen Gesundheit, Finanzen und Umwelt zu einer Verhaltensänderung zu bewegen.

Obamas konservative Gegner sprechen bereits hämisch von einem «Nanny State» (der Präsident als Kindermädchen), in dem den Bürgern Entscheidungen abgenommen werden und die persönliche Verantwortung ins Hintertreffen gerät. In der jüngsten Umfrage des «Wall Street Journal» zusammen mit NBC News äusserten sich 70% der Befragten besorgt über die Eingriffe des Staats in die Wirtschaft.

Bürger soll entscheiden können

Präsident Obama und seine Berater sehen Amerika als Staat, der einen kleinen «Schubser» braucht. Konkret heisst das: Der Bürger kann zwar frei entscheiden, aber die Auswahlmöglichkeiten sind so gestaltet, dass es für den Bürger bequemer ist, zu seinem Besten oder dem Besten der Nation zu handeln. So wie Eltern eine Schale mit Obst leicht erreichbar platzieren, während die süssen Kekse hoch oben im Schrank verstaut sind.

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Obama ist nicht der erste Präsident, der die Lebensführung der Amerikaner für optimierbar hält. Ronald Reagan und seine Frau Nancy riefen die Bürger auf, «Nein zu Drogen» zu sagen. Bill Clinton reformierte die Sozialhilfe und wollte damit nicht zuletzt die Menschen wieder ins Erwerbsleben eingliedern.

Gerald Ford forderte die Bürger auf zu sparen, um «die Inflation jetzt zu bekämpfen». Aber Obama geht weiter. «Was bei ihm neu ist, ist das sanfte Anschubsen und die Veränderung der Wahlmöglichkeiten», sagt Eric Patashnik, Professor für Politik an der Universität von Virginia.

Obama sagt, die Amerikaner sollten laufen oder in ein Fitnessstudio gehen. Und als ob es nicht genügt, dass der Präsident sein Augenmerk auf den Hüftspeck der Amerikaner richtet, will der Kongress die Steuern für zuckerhaltige Getränke anheben, und Restaurants sollen zukünftig auf ihren Speisekarten auch Kalorienangaben ausweisen.

Kenneth Baer, Kommunikationsdirektor der Bundesbehörde Office of Management and Budget, sagt, Ziel der Regierung sei, die Bürger vor einer anstehenden Entscheidung besser zu informieren. Ihr Ziel sei nicht, ihnen die Entscheidungen vorzugeben. «Marktfreundliche und anspornende Ansätze kommen vor Anordnungen», betont Baer.