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Machtlos
Die US-Fracker sabotieren die Förderbremse der Opec

Die US-Fracker sabotieren die Förderbremse der Opec
US-Schiefergasproduktion: Die Industrie produziert wieder mehr Öl. Keystone

Die Opec hat die Förderung gedrosselt, damit der Ölpreis wieder steigt. Doch der erhoffte Effekt ist nicht eingetreten – der Preis bleibt unter 50 Dollar. Das hat mit der US-Schiefergasbranche zu tun.

Von Holger Zschäpitz («Die Welt»)
2017-07-17

Die beste Heilung gegen zu niedrige Preise geht über niedrige Preise. Die Märkte bereinigen sich dann selbst. So lautet eines der zentralen marktwirtschaftlichen Mantras. Wenn die Preise für ein bestimmtes Gut niedrig sind, werden sich Anbieter vom Markt zurückziehen. Und wenn das Angebot fällt, steigen die Preise wieder automatisch.

An den Energiemärkten scheint dieser Automatismus derzeit nicht so recht zu funktionieren. Obwohl die Ölnotierungen wieder deutlich unter die 50 Dollar gefallen sind, bauen die amerikanischen Förderfirmen ihre Kapazitäten stetig aus. In der vergangenen Woche haben die Schieferenergie-Konzerne noch einmal zwei weitere Fördertürme in Betrieb genommen.

Marktbereinigung in Sicht

Die Zahl der aktiven Anlagen, der sogenannten Rigs, ist auf 765 gestiegen, das sind so viele wie seit April 2015 nicht mehr. Allein seit Mai 2016 hat sich die Zahl von 316 mehr als verdoppelt. Das ist insofern bemerkenswert, als dass der Ölpreis bis auf einzelne grosse Schwankungen nicht wirklich vom Fleck gekommen ist.

«Die Marktbereinigung am Ölmarkt scheint eher später denn früher zu kommen», sagt Michael Poulsen, Analyst beim Analysehaus Global Risk Management.

Investoren fluten Ölmarkt mit Geld

Zwei Aspekte spielen hierbei eine Rolle. Zum einen hoffen die Energiekonzerne, dass die globale Öl-Nachfrage wieder deutlich anzieht. Angesicht des synchronen Konjunkturaufschwungs scheint diese Annahme nicht allzu kühn. Zum andern haben die Förderfirmen ihre Kosten deutlich reduziert. Für die Unternehmen rechnet sich eine Förderung auch bei niedrigen Ölpreisen. Gerade die Firmen, die auf die innovative Schieferenergiegewinnung setzen, bei der der Rohstoff aus dem Gestein gepresst wird, haben ihre Technologie in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert.

«Wir können nicht ultimativ sagen, bei welchen Notierungen sich Angebot und Nachfrage ausbalancieren werden», schreibt Jeffrey Currie, Analyst von Goldman Sachs. «Eine Schieferenergieindustrie, die sich ständig neu erfindet, ist verantwortlich für die neue Weltordnung beim Öl.» Seines Erachtens gebe es zu viel Investorengeld in der Ölindustrie, das nach Anlage trachte und damit die Förderung immer effizienter mache und gleichzeitig Pleiten verhindere. Geht es nach ihm, könnte Öl sogar wieder unter 40 Dollar fallen, bevor sich der Markt bereinigt. Derzeit notiert Öl der Sorte Brent bei 48,91 Dollar, die US-Sorte WTI kostet weniger als 47 Dollar.

Das Ölkartell hat seine Macht verloren

Es ist eine Provokation gegen das Ölkartell Opec. Deren Mitglieder hatten sich erst Ende Mai auf eine Verlängerung der Förderkürzungen geeinigt und dabei auch die grösste Fördernation und Nicht-Mitglied Russland mit einbezogen. Ziel war es, die globale Ölschwemme auszutrocknen. Nun stellt sich heraus, dass die Vereinbarung offensichtlich nicht ausreicht. Die mit Milliarden Dollar ausgestattete amerikanische Schieferenergieindustrie scheint die Macht des Kartells gebrochen zu haben und eine Marktbereinigung der anderen Art herbeizuführen.

Dieser Text erschien zuerst bei unserem Schwesterblatt «Die Welt» unter dem Namen «Beim Öl hebelt Amerika die Gesetze der Märkte aus».

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