Wie die jüngste Umfrage des «Wall Street Journal» unter 52 Wirtschaftsfachleuten ergab, erwarten diese, dass die Fed den Leitzins nicht vor Frühjahr kommenden Jahres erhöhen wird. Das Wirtschaftswachstum wird ihrer Ansicht nach im 3. Quartal dieses Jahres anziehen, die Rezession im August enden.

Fast drei Viertel der Befragten sagten, die Bankenrettungspläne von Finanzminister Timothy Geithner begännen Wirkung zu zeigen. Und fast zwei Drittel sind der Ansicht, er leiste bessere Arbeit als sein Vorgänger Henry Paulson. Aber im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die US-Notenbank. «Die Fed war viel effektiver als die Pläne des Finanzministeriums», sagt etwa Bruce Kasman von JP Morgan Chase. Angesichts von Anzeichen eines nachlassenden Abschwungs und wachsender Inflationssorgen sind auf dem Markt für kurzfristige festverzinsliche Wertpapiere die Spekulationen ins Kraut geschossen, die Fed werde den Zinssatz Ende des Jahres von null auf 0,25% erhöhen.

Dieser Ansicht sind jedoch nur 18% der Befragten, rund 32% erwarten eine Erhöhung in der ersten Jahreshälfte 2010, während 36% damit erst in der zweiten Jahreshälfte rechnen. Der Rest sieht frühestens 2011 eine Erhöhung.

«Die Fed wird ihre Bilanz zuerst bereinigen, bevor sie die Zinsen erhöht», erwartet Diane Swonk von Mesirow Financial. In Tat und Wahrheit sind 70% der zwischen 5. und 9. Juni befragten Ökonomen der Ansicht, die Fed sollte keine weiteren Staatsanleihen ankaufen. Damit sie ihre Zwei-Billionen-Dollar-Bilanz abwickeln kann, darf sie diese nicht weiter ausweiten.

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Eine Inflation wird aber nicht als unmittelbare Gefahr gesehen. «Das ist eher in einem Fünfjahreszeitraum zu sehen anstatt in zwei Jahren», sagt auch Diane Swonk.

Der Anstieg des Verbraucherpreisindexes wird nach Meinung des Grossteils der Befragten im Gesamtjahr 2010 die 2% - die Zielmarke der Fed - nicht übersteigen.

Zeichen der Stabilisierung

Auch der ehemalige Notenbankpräsident Paul Volcker sagte in einer Ansprache in Peking vergangene Woche: «Im derzeitigen Klima ist es auf absehbare Zeit unwahrscheinlich, dass der Inflationsdruck zunehmen wird.» Fast zwei Drittel der Ökonomen sehen im jüngsten Anstieg der Gewinne bei zehnjährigen Staatsanleihen ein Zeichen der Marktstabilisierung.

Im Durchschnitt erwarten sie auch nicht, dass der Ölpreis wieder ausser Kontrolle geraten könnte, sondern bis Dezember 2010 bei etwa 72 Dollar pro Barrel - etwa so hoch wie heute - liegen wird. Wenn es gelingt, die Inflation in Schach zu halten, muss sich die Fed ihrer zweiten wichtigen Aufgabe widmen, der Sicherung der Vollbeschäftigung. Und hier sehen die Befragten trotz Aufschwungs im 3. Quartal weiterhin eine Arbeitslosenquote von 9,9% am Jahresende sowie eine schleppende Erholung.

Die Angst geht um

«Für Normalsterbliche kommt die Erholung erst, wenn sich diese Quote stabilisiert. Und wenn die Fed die Zinsen zu früh erhöht, könnte sie die Erholung damit abwürgen», warnt Nicholas S. Perna von Perna Associates.

Der Häusermarkt wird nach Ansicht der Befragten weiterhin unter Druck bleiben, die Preise werden bis in die erste Jahreshälfte 2010 weiter fallen. 92% der Befragten glauben jedoch, dies wirke sich nicht nachteilig auf einen nachhaltigen Aufschwung aus.