Was beschäftigt die Finanzmärkte?
Patrik Lang*: Die steigenden Zinsen in den USA sind zur Zeit sicher ein wichtiges Thema. Zudem stellt sich die Frage, inwieweit sich das Wirtschaftswachstum in China verlangsamt. Der nach wie vor schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China bereitet deshalb vielen Anlegern Kopfzerbrechen. Immer mehr rückt jetzt die Berichtssaison in den Vordergrund. Diese Woche publizieren viele US Unternehmen Quartalszahlen. In den nächsten Wochen dürfte sich das Interesse dann zunehmend nach Europa verlagern.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Wir erwarten im Rahmen der anstehenden Berichtssaison unterm Strich gute Unternehmensresultate und denken auch, dass die Aussichten für das kommende Jahr gut sind. Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass der SMI bis zum Jahresende eine Bodenbildung vollzieht und das Jahr etwa auf den aktuellen Niveaus abschliesst. Im Small Cap Segment kam es in den vergangenen Wochen zum Teil zu einem regelrechten Ausverkauf. Dort sehen wir zum Teil schon kurzfristig wieder Kaufgelegenheiten.

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Wir haben für die kommenden 12 Monate ein Indexziel von 9'200 Punkten. Angesichts einer Dividendenrendite von 3,4 Prozent ergibt sich hiermit von den aktuellen Niveaus ausgehend durchaus wieder ein einigermassen attraktives Aufwärtspotential.

Am 11. Oktober ist weltweit die Börse abgestürzt. Auch diese Woche sind die Kurse abgeschmiert. Sind das Vorboten einer grösseren Korrektur?
Nein, das sehen wir zurzeit nicht. Gewinnmitnahmen und Sektor-Rotationen, wie wir sie zurzeit sehen, gehören an der der Börse von jeher zum Tagesgeschäft. Das Ende des Bullenmarktes wird mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit mit einer Rezession zusammenfallen und das Rezessionsrisiko in den USA und in Europa ist bis auf weiteres sehr gering.

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Patrik Lang

*Patrik Lang ist Head Equities & Global Equity Strategy bei Julius Bär.

Quelle: ZVG

Was sind die Gründe für die Börsenschwäche?
Die Märkte sind aufgrund steigender Anleiherenditen in den USA und einer möglichen Eskalation im Handelsstreit nervös. Der Streit um das italienische Haushaltsdefizit belastet ebenfalls. Wir gehen davon aus, dass Trump in absehbarer Zeit eine Vereinbarung mit China beschliessen wird. Die USA hat kein Interesse an einem Handelsstreit. Die Chinesen sind durch den Druck aus Washington verunsichert und demnach kompromissbereit. Mit Blick auf die Anleiherenditen sehen wir ebenfalls kein Anlass zur Panik. Untersuchungen zeigen, dass steigende Renditen von niedrigen Niveaus gut für Aktien sind. Die Nervosität diesbezüglich sollte sich also bald legen.

Auf welche Titel oder Anlagen setzen sie zurzeit?
Wir sehen im Bereich mittlerer und kleinerer Unternehmen Kaufgelegenheiten. Hier hat es zum Teil starke Kursrückschläge bei erstklassigen Unternehmen gegeben. Ähnliches gilt für viele internationale Technologieaktien. Insbesondere bei Software-Unternehmen und im Bereich der sozialen Medien gibt es viele stark wachsende Unternehmen die jetzt wieder sehr günstig bewertet sind. Mutige Anleger sollten sich auch den Finanzsektor ansehen.

Am Donnerstag hat die UBS seinen Investoren darlegen, wie sie im globalen Geschäft mehr Kunden gewinnen will. Bringt das den Aktienkurs endlich zum Steigen?
Wir sind da eher skeptisch. Die UBS hat sich in ihrem Kerngeschäft Vermögensverwaltung in der Vergangenheit unterdurchschnittlich entwickelt. Am Donnerstag will die Bank eine Strategie vorstellen, um zu erklären wie sie das Wachstum beschleunigen und die Profitabilität erhöhen will. Wir denken, dass es eine Weile dauern wird, bis die vorgestellten Veränderungen zu messbarem Erfolg führen werden. Davon abgesehen bleibt das Umfeld für Vermögensverwalter herausfordernd.

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