Das Verhalten der Anleger hat sich während der letzten Dekade grundlegend verändert. Die alte Gewohnheit, während Abstürzen Value-Aktien unter Wert zu erwerben, wurde über Bord geworfen. Dagegen standen Junk-Bonds und Schwellenländer-Aktien hoch im Kurs. Anleger weltweit haben 2010 laut Daten von EPFR Global rund 15,3 Mrd Dollar aus US-Aktienfonds abgezogen. In derselben Zeit flossen 20 Mrd in US-Staatsanleihen und rund 2 Mrd in Schwellenländer-Aktien - bereits 2009 wanderten 65 Mrd Dollar dorthin ab.

Die Aversion der US-Anleger gegen den US-Aktienmarkt ist aber besonders hervorzuheben. In diesem Jahr zogen Amerikaner laut Investment Company Institute bereits 4,6 Mrd Dollar aus US-Aktienfonds ab, ETF nicht miteingerechnet. 2009 waren es sogar 53 Mrd. Equity- und Anleihenfonds hatten 2010 dagegen einen Zulauf von 14 beziehungsweise 56 Mrd Dollar.

Ein Paradigmenwechsel

Dies ist ein neues Muster, da Anleger bisher den Beginn einer Aufholrally als Chance für den Einstieg in Aktien begriffen. «Normalerweise reagieren Anleger auf junge Bullenmärkte mit einem signifikant höheren Cashflow in Equities», besagt eine Studie der Vanguard Group über das Anlegerverhalten. Als die Märkte nach dem Platzen der Dotcom-Blase im März 2003 wieder zu laufen begannen, schichteten die Anleger im Verlauf des Jahres 152 Mrd Dollar in Aktienfonds um. Gebremst wird der Enthusiasmus der Anleger von der Unsicherheit über die US-Politik, den wirtschaftlichen Aufschwung und den US-Häusermarkt. Deshalb beteiligen sie sich anders als 2003 weniger an der seit März 2009 laufenden Aufholrally.

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Die Kunden des Finanzberaters Neil Hokanson sind auch angesichts der hohen US-Schulden, demografischer Entwicklungen und der explodierenden Kosten im Gesundheitssystem besorgt. «Bedenken über das Staatsdefizit und die Staatsausgaben haben sich festgesetzt», sagt er. Doch Hinweise auf ein Ende der Aversion gegen die US-Aktien mehren sich langsam. Laut EPFR sind bis Mitte Februar wieder 5 Mrd Dollar in US-Aktien geflossen. Zur selben Zeit wurden 1,7 Mrd aus Anleihenfonds mit hohen Renditen abgezogen, die vergangenes Jahr noch einen Zulauf in Höhe von 21 Mrd hatten.

US-Aktien werden gemieden

Auch Finanzberater gaben in einer Umfrage von Charles Schwab an, dass sie nachlassendes Interesse für Anleihen zeigen. Trotzdem hielt sich die Begeisterung für US-Aktien in Grenzen: Nur 26% der Befragten gaben an, verstärkt in Aktien grosser US-Konzerne investieren zu wollen. Im vergangenen Sommer lag die Quote noch bei etwa 30%.

Die Schwellenländer werden von einigen Anlegern wegen ihrer langfristigen Wachstumsperspektive und schnelleren Regenerationsfähigkeit nach Krisen als sicherer Hafen gesehen. «Wenn Ihre These ist, dass in den USA etwas zusammengebrochen ist, dann setzen Sie auf etwas, das noch intakt ist», sagt Mike Ryan, Chef der Forschungsabteilung bei UBS Wealth Management America.

Manche denken, dass Anleger zu US-Aktien zurückkehren, sobald die US-Notenbank den Leitzins anhebt, da laufende Anleihen dann unrentabel werden. Ausserdem weise die Leitzinserhöhung auf eine Stabilisierung des konjunkturellen Umfelds und damit des Arbeitsmarkts hin. Auch Chadha von der Deutschen Bank glaubt dann an eine Umschichtung vom Renten- in den Aktienmarkt. Doch noch wird einige Zeit vergehen, bis sich die Anleger auf dem US-Aktienmarkt wieder wohlfühlen.