Formel-1-Fan Oswald Grübel muss in diesem Jahr mit der UBS die Kurve kriegen. Langstrecken-Läufer Brady Dougan wird dagegen 2010 alles daran setzen, um die Konkurrenz weiter auf Abstand zu halten.

Haudegen Grübel und der eher zurückhaltende Dougan kennen sich gut. Sie haben früher bei der Credit Suisse zusammengearbeitet, bis Dougan im Jahr 2007 den Chefposten von Grübel übernommen hat. Heute gibt der 50-jährige Amerikaner das Tempo vor. Er muss in diesem Jahr die gewonnenen Marktanteile verteidigen. Die Credit Suisse will aber nicht nur mit einem kundennahen Investmentbanking punkten. Die Grossbank soll zum Magnet für Superreiche werden, wie es die UBS früher einmal war.

Deshalb darf der Vertrauensbonus der Bank, welche die Krise besser gemeistert hat als viele andere, nicht verspielt werden. Bei der Credit Suisse wird ein Jahresgewinn von 7,5 Mrd Fr. erwartet, und für 2010 sehen Analysten eine ähnlich hohe Gewinnkraft. Für CS-Chef Dougan gilt: Jetzt nur keine Fehler machen.

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Schicksalsjahr für die UBS

Die UBS dürfte dagegen das vergangene Jahr mit einem Verlust von rund 4 Mrd Fr. abgeschlossen haben. Für 2010 bleibt die wichtigste und schwierigste Aufgabe für den 66-jährigen UBS-Chef, den massiven Abfluss von Kundengeldern zu stoppen. Vertrauen will Grübel in erster Linie aufbauen, indem er die UBS wieder nachhaltig profitabel macht.

Dies muss aber bald gelingen. Kunden und Mitarbeiter wollen in den nächsten Quartalen die Wende in den Resultaten sehen. Somit dürfte das Jahr 2010 entscheidend sein für das weitere Schicksal der Grossbank. Um den Anschluss an die Konkurrenz in Zukunft wieder zu finden, setzt Grübel vor allem auf die Gewinne aus der Investmentbank.

Dougan und Grübel haben im Investmentbanking Karriere gemacht. Das persönliche Verhältnis zwischen den beiden soll eher kühl sein. Wenn es um das Geschäftsmodell der Grossbanken geht, sind sich die beiden Chefs aber einig. Dougan setzt das integrierte Geschäftsmodell seines Vorgängers bei der Credit Suisse fort. Er betont die Synergien zwischen den einzelnen Divisionen ebenso, wie es jetzt Oswald Grübel bei der UBS tut. Beide wollen dafür die einzelnen Sparten stärker verzahnen und die Vorteile der Grösse nutzen. Grundsätzlich steht dies den Bestrebungen der Regulatoren entgegen. Angeführt von SNB-Präsident Philipp Hildebrand wollen die Schweizerische Nationalbank (SNB) und die Finanzmarktaufsicht Finma mit schärferen Vorschriften erreichen, dass künftig von den Grossbanken keine Gefahr mehr für die gesamte Volkswirtschaft ausgehen kann.

Tabus soll es dabei keine geben. Diskutiert werden verschiedene Lösungen. Es geht etwa darum, dass die Organisation im Notfall relativ einfach aufgespalten werden kann oder sogar die Grösse der Banken beschränkt wird. Gegen solche Einschnitte wehren sich die Grossbanken. Dagegen ist ihre Kritik an höheren Eigenmitteln weitgehend verstummt.

Eine dicke Kapitaldecke ist für die Banken teuer, bietet aber auch Sicherheit, was heute auch von Aktionären und Kunden geschätzt wird. Diverse Studien stellen der Kapitalbasis von UBS und Credit Suisse ein gutes Zeugnis aus. Demnach dürfte das Eigenkapital der Grossbanken auch ausreichen, falls sich die Konjunktur in diesem Jahr noch weiter abschwächen sollte.

Angespannte Grosswetterlage

Taucht die Wirtschaft noch einmal, steigen die Kreditverluste weiter. Da UBS und CS viele Kredite im Heimmarkt vergeben haben, werden sie im internationalen Vergleich weniger stark von höheren Kreditausfällen betroffen sein. Doch auch bei den beiden Schweizer Grossbanken bleibt die Unsicherheit bestehen, welche weiteren Risiken wohl noch in den zwar verkürzten, aber immer noch riesigen Bilanzen schlummern.

Nicht zuletzt machen den Banken der anhaltende Druck auf das verbliebene Bankgeheimnis und die Angriffe aus dem Ausland auf den Finanzplatz Schweiz zu schaffen. Die Aushängeschilder UBS und CS sind davon zwar viel weniger bedroht als kleinere Banken, da sie weltweit mit Niederlassungen vertreten sind. Dennoch bleibt 2010 die Grosswetterlage auch für die zwei Grossbanken angespannt.