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Die Wege aus dem Margentief

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Eine neue Branchenstudie zeigt auf, wie die Banken dem Druck auf die Margen am besten begegnen.

Von Natalie Gratwohl
am 29.09.2010

Die PostFinance will im stark umkämpften Schweizer Hypothekenmarkt wachsen und geht dafür eine Kooperation mit der Berner Regionalbankengruppe Valiant ein. Doch schon jetzt treten sich die Hypothekenanbieter auf den Füssen herum - und als Folge geraten die Margen weiter unter Druck. «In den letzten sieben Jahren haben sich die Margen im Hypothekenneugeschäft halbiert», sagt Christian Schmid, verantwortlicher Partner für Retail und Corporate Banking bei der Boston Consulting Group. Heute liegen sie leicht über 0,5%, «doch der Trend zeigt weiter nach unten». Besonders regulatorische Änderungen wie etwa die Abschaffung des Eigenmietwerts oder die Einführung eines Registerschuldbriefs könnten die Margen künftig weiter belasten.

«Volksbanken» sind Gewinner

In den Jahren 2003 bis 2006 konnten die Retailbanken in der Schweiz ihre Gewinne trotz rückläufiger Margen um 12% steigern. Seither schrumpfen sie. Von 2007 bis 2009 sind die Gewinne vor Steuern um 6% auf konsolidiert 8,2 Mrd Fr. gesunken, wie aus der aktuellen Schweizer Retailbanken-studie der Boston Consulting Group hervorgeht. Untersucht wurden 36 Retailbanken mit einem Gesamtertrag von 23 Mrd Fr.

Das Ergebnis: Die Gewinner im Schweizer Retailmarkt sind Raiffeisen und PostFinance. Die beiden «Volksbanken» haben in den letzten Jahren auf Kosten der Grossbanken Marktanteile gewonnen. Laut der Branchenstudie haben sie von 2003 bis 2009 ihren Marktanteil um 3 Prozentpunkte auf 16% ausgebaut, während der Marktanteil der Grossbanken um 5,5 Prozentpunkte auf 36% gesunken ist.

Die ZKB macht es vor

«Doch jetzt wollen die Grossbanken wieder Terrain zurückgewinnen», sagt Schmid. Damit dies gelinge, werde auch zunehmend mit Dumpingpreisen gearbeitet. Die Kantonalbanken konnten in diesem Zeitraum ihren Marktanteil von rund 38% knapp halten. Eine Ausnahme ist die Zürcher Kantonalbank (ZKB): Sie baute ihre Position um 2,2 Prozentpunkte aus und kommt mittlerweile auf einen Marktanteil von 10%.

Dies liegt laut Schmid daran, dass die ZKB schon frühzeitig eine «Spezialisierungsstrategie» eingeschlagen hat und in margenträchtigere Geschäftsfelder wie Private Banking, Firmenkundengeschäft oder Handelsgeschäft expandiert hat. Ähnliche Strategien verfolgen beispielsweise auch die Basler Kantonalbank oder die Banque Cantonale Vaudoise (BCV) (siehe Text unten). Neben der Diversifikation in andere Geschäftsbereiche gibt es für die Banken die Möglichkeit, über ihre geografischen Grenzen hinaus zu expandieren. So geschäftet beispielsweise die Berner Kantonalbank mit ihrem Online-Angebot «moneynet.ch» auch ausserhalb der Berner Kantonsgrenzen. Ansonsten bleibt den Banken im verschärften Wettbewerb nur, Kosten einzusparen. «Die Unterschiede in der Kosteneffizienz könnten zwischen den einzelnen Instituten grösser nicht sein, was auf entsprechende Potenziale schliessen lässt», sagt Schmid.

Firmenkunden im Visier

«Viele Banken, beispielsweise Raiffeisen, sind sehr stark vom Hypothekengeschäft abhängig und sollten in Zukunft dieses Klumpenrisiko reduzieren», sagt Schmid. Eine Expansion ins Firmenkundengeschäft wäre eine Möglichkeit, sich zu diversifizieren. Dieses Feld wird heute von den Grossbanken und der ZKB dominiert. Die drei Banken decken etwa 60 bis 70% des Geschäfts ab und sind bei den Firmenkunden, die einen Umsatz von über 100 Mio Fr. erwirtschaften, fast allein aktiv. Die Gewerbekunden und die KMU hingegen werden auch stark von den Kantonalbanken bedient.Das Firmenkundengeschäft bietet somit insbesondere Potential für PostFinance, Raiffeisen oder grössere Kantonalbanken. «PostFinance hat in den letzten Monaten stark in das KMU-Geschäft investiert», sagt Marc Andrey, Mediensprecher von PostFinance. In diesem Jahr wurden sechs neue Standorte für die regionale Betreuung der KMU aufgebaut und zahlreiche neue Stellen geschaffen. Der Personalaufbau gehe weiter und noch in diesem Jahr würden drei weitere dezentrale Standorte für die KMU-Betreuung aufgebaut.

Auch die Raiffeisen-Gruppe will im Firmenkundengeschäft ihren Marktanteil ausbauen. «Wir haben heute schon Beziehungen zu 125 000 KMU. Diese wollen wir noch besser unterstützen und zu Hauptbankkunden entwickeln», sagt Raiffeisen-Sprecher Franz Würth.

Für grössere Kantonalbanken

Für die Aargauische Kantonalbank (AKB) stellt das Firmenkundengeschäft einen wichtigen Eckpfeiler dar. Der Ausbau des Firmenkundengeschäfts habe bereits 2009 begonnen und werde in der Betreuung grosser und komplexer Firmenkunden strategisch gezielt weiter verfolgt, so AKB-Direktionsmitglied Ursula Diebold. Die BCV will laut Sprecher Jean-Pascal Baechler vor allem im angestammten KMU-Geschäft Marktanteile gewinnen, hat aber auch grössere Firmenkunden.

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