Am Ende eines der schlimmsten Monate in der Geschichte des weltweiten Aktienhandels scheinen die Wertpapiere in vielerlei Hinsicht ein Schnäppchen zu sein. Das bedeutet, dass die Investoren entweder noch eine Menge schlechter Nachrichten bei den Quartalsberichten erwarten – oder dass es kaum Überraschungen gibt, die Anleger jetzt noch schocken könnten. Inzwischen sind die Aktienbewertungen beinahe so tief gesunken wie zuletzt in den 1970er Jahren, so die Citigroup. In der letzten Woche wurden Aktien weltweit mit einem KGV von 10,3 gehandelt, das ist weniger als der Durchschnitt der 1970er Jahre, der bei 11,4 liegt.

Der Ausverkauf hat besonders in den Emerging Markets gewütet. Dort wurden die Kurse beinahe auf das Niveau der Asien-Krise in den späten 1990ern heruntergeprügelt. «Eine Menge Firmen sind auf absolut lächerliche Werte gefallen», sagt ING-Portfoliomanager Uri Landesman. «Hier wurde nicht nur das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, sondern seine Windeln und Strampler gleich mit.»

Indien kommt unter die Räder

Bei indischen Aktien liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis laut MSCI und Citigroup nur noch bei 10. Vergangenen September waren sie mit einem KGV von 25 bewertet worden.

Die Papiere chinesischer Unternehmen, die auch für ausländische Anleger zugänglich sind, fielen von 27 auf 9. Und das KGV russischer Aktien sank von 13 auf 4,4.

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«Alles erscheint so billig», sagt Ronald Frashure, stellvertretender Geschäftsführer bei Acadian Asset Management in Boston. «Es sei denn, die Welt bewegt sich in Richtung einer grossen Depression, was wir für relativ unwahrscheinlich halten.»

Frashure interessieren besonders Länder, in denen die Aktien in den vergangenen Wochen viel verloren, wie Südkorea, Taiwan oder Brasilien. Seine Firma blickt auch nach Japan, wo der Nikkei-Index der 225 wichtigsten Aktien am 27. Oktober auf ein 26-JahresTief fiel.

Japanische Aktien sind gemessen an ihrer Historie ein Schnäppchen, so günstig wie zuletzt in den 1980ern. Die Kurse spiegeln die pessimistischen Konjunkturerwartungen der Anleger für Japan wider sowie die Bürde des starken Yen für die Exporte. Nach Schätzungen – basierend auf dem MSCI Japan – werden japanische Aktien mit einem KGV von 11,5 gehandelt. In den 1990ern lag diese Kennzahl noch bei 80.

Laut Citigroup-Analysten fiel in den weltweiten Rezessionen Anfang 1990 und Anfang 2000 die gesamte Kapitalrendite von einem Hoch von 13 bis 14% auf 8%. Das liesse auf ein Absinken der Unternehmensgewinne um 40 bis 50% schliessen – inklusive der 10%-Punkte, die es schon abwärts ging.

Das Negative ist wohl eingepreist

«Die Quartalsberichte werden schlecht, aber es scheint, als wäre alles schon eingepreist», so Hasan Tevfik, Aktienstratege für weltweite Märkte bei der Citigroup London. «Langzeitinvestoren, die Marktschwankungen aussitzen können, sollten jetzt ernsthaft über Aktien nachdenken.» Ein weiteres Argument: Bei vielen Aktien ist die Rendite der Dividenden mittlerweile höher als die von Staatsanleihen.