Wetten gegen den Dollar werden immer häufiger - und riskanter. Dabei gibt es gute Gründe, an der Stärke der US-Währung zu zweifeln. Die Staatsschulden im Verhältnis zum BIP waren seit 1950 nie mehr so hoch wie heute. Noch nie war die Fed-Strategie so einfach, noch nie hat die US-Notenbank so viel Geld in das System gepumpt. Doch es gibt Szenarien, in denen der Dollar wieder steigen oder wenigstens gleich bleiben könnte. Dazu gehört eine Erholung in den USA, die im Vergleich zum Rest der Welt besser ausfällt. Oder eine neue Weltfinanzkrise und damit eine Deflation.

Die Carry Trader nutzen derzeit die Nullprozentfinanzierung, leihen sich Dollar und kaufen mit dem Geld höher rentierende Assets. Portfoliomanager wiederum haben das Geld, das sie als defensive Massnahme in der Rezession gekauft hatten, wieder abgestossen und Platz für Investitionen gemacht, die mehr Gewinn als Geldmarktanlagen versprechen.

Erholt sich die US-Wirtschaft?

Der S&P 500 ist vom 9. März bis Ende vorvergangener Woche um 58% gestiegen, der Dollar dagegen nur um 14% gegenüber einem Währungskorb. Aber Berichte über die US-Verbraucherstärke hätten zwischendurch immer wieder kleine Dollarrallys geschürt, schreibt Ashraf Laidi von CMC Markets in London. Die Begründung der Dollaroptimisten: Eine verbrauchergestützte Erholung der Wirtschaft wäre stabiler als eine durch Regierungs- und Produktionsverbesserungen erreichte.

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Ein schneller starker Aufschwung würde dazu führen, dass die US-Notenbank Fed, deren Führungsgremium sich letzte Woche traf, um über das Geldmengenwachstum zu diskutieren, den Zinssatz bald erhöht. Höhere Zinsen würden die Angst vor Inflation, die aktuell den Dollar schwächt, verringern und die Carry Trades auslöschen. Aber dieses Szenario scheint unwahrscheinlich. Indes reicht es selbst bei einer blutleeren US-Wirtschaft aus, dass sie die ausländischen Konkurrenten aussticht - und schon würde der Dollar wieder erstarken. Die von den Bären im Markt erwartete Inflation könnte noch kommen. Aber das wäre ein teurer Triumph der Pessimisten, der viele weitere Opfer rund um den Globus fordern würde.