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Bitcoin
Die wichtigsten Fragen zum Bitcoin-Crash

Bitcoin: Vorerst kein Ende des Sell-Offs in Sicht.   HZ

Warum stürzt die digitale Währung ab? Ist das gefährlich für die Zukunft von Bitcoin? Fünf Fragen - fünf Antworten.

Von Marc Badertscher
am 14.01.2015

Der Wertzerfall von Bitcoin geht unvermindert weiter. In den letzten zwei Tagen verlor die digitale Währung 30 Prozent ihres Wertes. Derzeit kostet ein Bitcoin rund 200 Dollar. Letzten Sommer waren es noch 600 gewesen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum crasht der Bitcoin?

Es gab kein einzelnes gravierendes Ereignis, das den aktuellen Kurssturz auslöste. Vielmehr dürfte es sich um eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale handeln,  wie sie auch in anderen Märkten immer wieder zu beobachten ist und welche schliesslich zu einem breiten Sell-off führt. Der längerfristige Preiszerfall allerdings setzte bereits letzten Sommer ein.

Damals zeichnete sich langsam ab, dass sich Bitcoin nicht auf die Schnelle bei den Konsumenten durchsetzen wird. Zwar begannen immer mehr Geschäfte, vor allem online, Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Aber die täglichen Transaktionen legten nur langsam zu. Hinzu kommt, dass noch immer täglich 3600 neue Bitcoins ausgegeben werden. Kurz: Die Nachfrage nach Bitcoins ist noch immer zu gering, um den Kurs stabil zu halten; die Einstiegshürden für Konsumenten zu hoch. Und es fehlt noch immer eine Killer-App, welche Bitcoin in breiten Kreisen attraktiv machen würde.

Warum hat sich der Sinkflug beschleunigt?

Der langsam sinkende Kurs hat einige Bitcoin-Unternehmen in Bedrängnis gebracht. Zum Beispiel Firmen, die mit riesigen Serverfarmen das Bitcoin-Netzwerk stützen und sichern und für ihre Dienste mit Bitcoins entschädigt werden. Um ihre Kosten zu decken, haben sie zuletzt mehr Bitcoins auf den Markt werfen müssen als noch vor einem halben Jahr. CEX.IO beispielsweise hat erst Anfang Woche einen Teil seiner Aktivitäten eingestellt. Gestern folgte die im Handel tätige Delta Financial Service.

Erste Anzeichen einer Konsolidierung in der Branche gab es bereits im Herbst. In der Summe schreckt diese Entwicklung jene Anleger ab, die auf einen Preisanstieg spekulieren, was wiederum die Nachfrage nach Bitcoins schwinden lässt. Hinzu kam, dass Anfang Jahr Bitstamp gehackt wurde. Die bis dahin renommierte Bitcoin-Börse verlor umgerechnet 5 Millionen Dollar. Das unterminierte das Vertrauen in die digitale Währung ein weiteres Mal, auch wenn Kunden soweit heute ersichtlich nicht zu Schaden kamen.

Ist Bitcoin grundsätzlich gefährdet?

Nein. Ein fundamentaler Fehler im Konzept der dezentralen Währung ist bis heute nicht aufgetaucht. Die Transaktionen werden seit 6 Jahren von tausenden Computern weltweit meist reibungslos verarbeitet. Trotzdem spielt der Preis eine Rolle. Sinkt er, sind immer weniger Leute und Firmen bereit, das Netzwerk zu sichern, weil ihre Entschädigung in Bitcoin eben weniger Wert hat. Das Bitcoin-Netzwerk wird so theoretisch anfälliger für Attacken. Akute Gefahr besteht allerdings nicht.

Interessanter sind ökonomische Fragen. Heute und noch in den nächsten Jahren werden die Leute, die das Netzwerk sichern, grösstenteils mit neu ausgegebenen Bitcoins entschädigt. Doch die Zahl der neu ausgegebenen Bitcoins nimmt ab. Irgendwann muss die Entschädigung durch die geringen Transaktionsgebühren erfolgen. Falls die Zahl der Konsumenten, die Bitcoin im Alltag brauchen, in den nächsten Jahren nicht zunimmt, wird es schwierig.

Warum steigen nun einige Bitcoin-Firmen aus?

Bei sinkenden Preisen wird rasch ersichtlich, welche Firmen ein nachhaltiges Geschäftsmodell haben und welche nicht. Wie überall gibt es auch in der Bitcoin-Welt unseriöse oder fahrlässige Geschäftsmodelle. Wer den Auf- und Ausbau des Geschäfts zum Beispiel mit Bitcoin-Einlagen von Kunden finanziert, kriegt in einem rückläufigen Markt sofort Probleme. Das ist zuletzt bei einigen Herstellern von spezialisierten Bitcoin-Computern der Fall gewesen.

Was bringt 2015?

Die Bitcoin-Technologie ist so ausgelegt, dass sich das System automatisch und selbständig an die Grösse des Netzwerks anpasst, zum Beispiel in der Frage, wie rasch Transaktionen verarbeitet werden. Ein Schrumpfen des Markts wäre per se kein Problem. Wie sich das in der Praxis ausweist, wird sich zeigen. Im letzten Jahr haben Investoren mehrere hundert Millionen Dollar in Start-ups aus dem Kryptobreicht investiert.

Die Forschung und Entwicklung in der jungen Branche wird unabhängig vom Bitcoinpreis auch dieses Jahr weitergehen. Auf regulatorischer Seite steht in den nächsten Wochen ein wichtiger Entscheid aus New York an. Dort will das Finanzdepartement mit der sogenannten Bitlicense eine umfassende Regulierung von Kryptowährungen in die Wege leiten. Das hat Strahlkraft weit über New York hinaus.

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