Während die Demokraten Beifall spenden, finden die Republikaner die Meldung, wonach es im März ein bescheidenes Jobwachstum gegeben habe, durchaus kritikwürdig. Ausnahmsweise haben beide recht. Die US-Wirtschaft schafft endlich Arbeitsplätze - wenn auch nicht genug, um sicherzustellen, dass aus der Erholung ein tragfähiger Aufschwung wird. Der Arbeitsmarkt scheint die Kurve gekriegt zu haben, denn der Bericht des Arbeitsministeriums spricht von 162000 neuen Jobs im März und revidierte die Januar- und Februar-Zahlen leicht nach oben.

17000 neue Stellen entstanden allein in der Fertigung - der dritte positive Monat in Folge. Der «household survey» - ebenfalls Teil des Arbeitsmarktberichts - zählt sogar 264 000 neue Stellen und 1,1 Mio bisher in diesem Jahr. Und wie wir nach der letzten Rezession gelernt haben, ist dieser «Haushaltsbericht» ein ziemlich guter Vorlaufindikator.

Ermutigende Signale, die auf ein robustes Jobwachstum in den kommenden Monaten hoffen lassen. Die Frage ist nur, wie robust? Die März-Zahlen enthalten 48000 Arbeitskräfte, die nur zeitlich begrenzt im Rahmen der staatlichen Volkszählung 2010 beschäftigt sind. Bisher sind das etwa 87000 Arbeitskräfte in diesem Jahr, und in den kommenden Wochen werden noch Hunderttausende dazukommen. Wenn diese staatliche Beschäftigungsmassnahme herausgerechnet wird, sieht es nicht mehr ganz so toll aus.

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Kongress verlängert die Hilfe

Erschreckend ist ebenfalls, dass die Gesamtarbeitslosenzahl - in ihr sind auch Arbeiter enthalten, die die Jobsuche aufgegeben haben - wieder auf 16,9% geklettert ist. Und die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die 27 Wochen oder länger ohne Arbeit sind, ist auf 6,55 Mio gestiegen. Das sind 44,1% aller Arbeitslosen (Februar 2010: 40,9%, Vorjahr: 24,6%).

Der Kongress ist dabei, die Unterstützung für Arbeitslose zu erweitern. Vor Kurzem schlug Präsident Obama eine Reduzierung der Hypothekenrückzahlungen für Menschen ohne Job vor. Die Gefahr ist, dass diese Massnahmen Arbeitslose dazu anregen, die Arbeitsaufnahme weiter hinauszuschieben. Vor allem, wenn ihnen befristete oder schlechter bezahlte Jobs angeboten werden.

Dieses uneinheitliche Bild des Arbeitsmarkts ist symptomatisch für die grosse wirtschaftliche Erholung, die vor etwa neun Monaten einsetzte, aber alles andere als dynamisch verläuft. Die US-Wirtschaft ist eine fantastische Maschine, die Wohlstand generiert und ohne Eingriffe von aussen expandiert. Gerade nach dem schweren Einbruch musste eine Wende kommen. Die bisher grösste Überraschung war, dass der Aufschwung nicht stärker ausfiel.

Zum Teil liegt das an der Unsicherheit über die Politik in Washington. Das macht es vor allem für kleinere Firmen schwer, abzusehen, welche Kosten in Zukunft auf sie zukommen. Natürlich stellen diese Unternehmen dann nur zögerlich neue Mitarbeiter ein. Der grössere Kontext ist, dass die Erholung in den USA vor dem Hintergrund einer zu erwartenden Reflationierung sowohl fiskalischer als auch geldpolitischer Art abläuft. Das Konjunkturpaket und die vielen anderen Massnahmen (Steuererleichterungen, Abwrackprämie) haben zudem viel Liquidität in die Wirtschaft gepumpt.

Nach der letzten schweren Rezession 1983 sanken Zins- und Steuersätze. Heute steigen beide. 1983 versuchte der Staat so wenig Regulierung wie möglich. Heute ist es umgekehrt. Am 1. Januar gab es eine grosse Steuererhöhung. Früher oder später wird sich die Fed von der Nullzinspolitik verabschieden. Neo-Keynesianer, die seit 2006 die amerikanische Wirtschaftspolitik dominierten, wetten - hoffen -, dass der Aufschwung bereits stark genug ist, dass er derartige Belastungen aushält.