Höhere Renditen bei Staatsanleihen stoppten in der vergangenen Woche eine starke Aktienmarktrally, die den Dow-Jones-Index zu seinem Höchststand seit 18 Monaten getrieben hatte. Ein Rückschlag, der zeigt, wie angreifbar Aktien und die gesamte Wirtschaft bei höheren Zinsen sein könnten.

Für viele Analysten sind staatliche Programme und niedrige Zinsen die Hauptgründe der aktuellen Erholung der Wirtschaft und des Aktienmarkts. Und niedrige und stabile Renditen bei den Staatsanleihen sind ein Schlüsselfaktor. Sie stellen in der gesamten Wirtschaft die Benchmark für Kreditvergabe dar. Weniger Interesse als in den vergangenen Monaten zeigten Investoren an den Anleihen, die die US-Regierung in der vorletzten Woche per Auktion zum Verkauf anbot. Das liess die Rendite steigen. Eine Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen von 3,9% ist der höchste Wert seit vergangenem Juni. Obwohl der Wert dann leicht auf 3,85% absackte, warnten einige Analysten, bald könnte die 4%-Marke überstiegen werden.

Abschreckend hohes Defizit

Höhere Renditen bedeuten höhere Hypothekenzinsen, höhere Kreditkosten für Unternehmen und höhere Zinsen auf Staatsschulden. Einige Ökonomen sehen in dem überraschenden Renditeanstieg allerdings nur eine vorübergehende Erscheinung. Sie führen die schwache Nachfrage nach US-Staatsanleihen darauf zurück, dass die Nachfrage ausländischer Investoren, insbesondere aus Japan und China, unerwartet schwach war.

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Der Anleiheexperte Peter Demirali geht davon aus, dass hohe Arbeitslosigkeit und schwacher Konsum noch für einige Monate das USWachstum dämpfen und so für geringe Inflationsraten, Kreditnachfrage von Wirtschaft und Verbrauchern und niedrige Anleiherenditen sorgen. Andere stellen sich derweil die Frage, wie lange Investoren die Schulden im US-Staatshaushalt noch zu Schnäppchenpreisen finanzieren. Es besteht die Angst, dass die Märkte vor der riesigen Summe, die nötig sein wird, zurückschrecken werden, um das 2010 zu erwartende Haushaltsdefizit von 1,4 Billionen Dollar zu stopfen.