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Die ZKB steht vor grossen Veränderungen

Der CEO der Zürcher Kantonalbank muss die Scharten aus dem Krisenjahr 2007 auswetzen.Ausserdem gilt es, die neue Dienstleistungsplattform mit der BCV richtig in Fahrt zu bringen.

Von Samuel Gerber
am 02.01.2008

Noch schwebt das Damoklesschwert über seinem Haupt: Martin Scholl, CEO der Zürcher Kantonalbank (ZKB), darf das Verdikt der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) zur Rolle der ZKB im Fall Sulzer erst im Frühling erwarten. Erst dann wird er mit Sicherheit wissen, was «seine» Bank seitens der Behörde zu gewärtigen hat (siehe «Nachgefragt»).

Nicht, dass er sich nicht schon früher mit den Folgen des Sulzer-Debakels herumgeschlagen hätte. Scholls Amtsantritt als Chef der drittgrössten Schweizer Retail-Bank erfolgte frühzeitig am 1. Juni 2007, als sein Vorgänger Hans Vögeli mitten in der Krise den Hut nehmen musste: Vögeli hatte es zugelassen, dass die ausländischen Raider Ronny Pecik und Viktor Vekselberg mittels Optionen eine Beteiligung an der ZKB-Kundin Sulzer aufbauen konnten. Dies rief nach Protesten der Industriefirma schliesslich die EBK auf den Plan; sie ermittelt seither unter anderem wegen Umgehung von Meldepflichten.

Scholl hatte daher als erstes die hoch gehenden Wogen zu glätten. Dem ZKB-Optionengeschäft wurden neue Leitplanken gegeben, zu feindlichen Übernahmen von kotierten Schweizer Firmen will die Bank nicht mehr Hand bieten. Die ZKB war an Angriffen auf die Gesellschaften Unaxis, Saurer, Converium, Implenia, Sulzer und Ascom beteiligt gewesen. Im Falle von Ascom behielt die ZKB ein für die Beteiligungsfirma Victory erworbenes Aktienpaket von 26% zurück und hält es seither auf den eigenen Büchern. 2008 hat CEO Scholl dafür einen Käufer zu finden.

Zahlreiche Herausforderungen

Ebenfalls noch länger begleiten wird Scholl die Arbeiten am neuen Risikomanagement der ZKB. Das sogenannte «Three lines of defence»-Modell soll in Zukunft weitere Fauxpas wie bei Sulzer verhindern. Gemäss Insidern ist Scholl kein Freund des neuen Systems: Er hätte es offenbar lieber gesehen, wenn die Risikokontrolle der Staatsbank bei Finanzchef Philipp Halbherr geblieben wäre, statt an den neuen Chief Risk Officer Bruno Meier zu gehen. Konfrontiert mit dem Druck seitens der Öffentlichkeit und der EBK, hat Präsident Urs Oberholzer aber ein Machtwort gesprochen. Es ist nun an Scholl, seine Mitarbeitenden von den Regelungen zu überzeugen. Als alter «ZKB-ler» könnte ihm dies gelingen: Der heute 46-jährige Scholl hat seine Laufbahn bei der Kantonalbank 1977 als Lehrling begonnen.

Fast nebenbei muss der zweifache Vater Scholl den «Haushalt» der ZKB in Schuss halten. Dort stehen 2008 grosse Veränderungen an: Nachdem die Bank im turbulenten Bilanzjahr 2007 wohl keinen neuen Rekordgewinn erwirtschaften wird, gilt es in diesem Jahr Boden gut zu machen. Eine besondere Belastung ist dabei neben der harten Konkurrenz im Zinsengeschäft der Umbau der IT-Systeme. Mit der Westschweizer Banque Cantonale Vaudoise (BCV) will die ZKB eine neue Informatik- und Produktionsplattform aufbauen. Die Planungsarbeiten zum Mammutprojekt haben sich verzögert, und die Zeit drängt: Konkurrenten wie die St. Galler Kantonalbank haben ihre IT-Arbeiten schon bald abgeschlossen.

 

NACHGEFRAGT
«Sind zufrieden mit dem 4. Quartal»

Martin Scholl ist CEO der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Welches sind 2008 die grössten Herausforderungen für die ZKB?

Martin Scholl:

Die strategische Herausforderung besteht darin, das im Stammgebiet vorhandene
Kundenpotenzial noch besser zu nutzen und weiter zu wachsen. Eine höhere Kosteneffizienz verspricht sich die ZKB in den nächsten Jahren – und das ist die aktuell wohl grösste strategische Herausforderung
– von ihrer Zusammenarbeit mit der Waadtländer Kantonalbank. Dreh- und Angelpunkt dieser Zusammenarbeit ist ein gemeinsames Dienstleistungszentrum für Informatik und Produktion, das 2011
betriebsbereit sein wird.

Wie erfolgreich war die ZKB im 4. Quartal, und was erwarten Sie in den kommenden Monaten?

Scholl: Mit dem Geschäftsgang im 4. Quartal ist die ZKB zufrieden. Wir erwarten ein gutes Geschäftsergebnis 2007. Falls die Konjunktur robust bleibt, bin ich auch für 2008 zuversichtlich.

In welchen Kundensegmenten will die ZKB in diesem Jahr Akzente setzen?

Scholl: Die ZKB will in allen Kundensegmenten weiter wachsen, insbesondere im Firmenkundengeschäft sowie bei den Privatkunden mit erhöhten Ansprüchen, also im Private Banking.

Wann ist mit dem Bericht der Bankenkommission zu rechnen, welche Szenarien sind plausibel?

Scholl: Gemäss EBK wird der Schlussbericht zum Fall Sulzer, in den mehrere Banken involviert sind, im Frühjahr 2008 veröffentlicht. Unabhängig davon hat die ZKB schon heute eine Vielzahl von Massnahmen in die Wege geleitet, die Interessenkonflikte wie im Fall Sulzer künftig verhindern und die Risikokultur der ZKB weiter stärken sollen.

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