Vermengt sich Erdgas mit Luft, entsteht ein hochexplosives Gemisch. Brandheiss ist zurzeit auch die Mischung von Kapital und Gas an der Börse: Die Volatilität der Gaspreise ist so hoch wie zuletzt im September 2006, als der US-Hedge-Fonds Amaranth wegen fehlgeschlagener Gaswetten 6,6 Mrd Dollar und in der Folge seine Existenz verlor.

Grund für das Hin und Her sind auch diesmal gigantische Wetten: Hüben wird eine starke Preiserhöhung auf den Winter hin erwartet und drüben verweisen Leerverkäufer auf übervolle Tanks und spekulieren auf sinkende Notierungen. Das Resultat dieses Tauziehens: Tägliche Preisschwankungen von mehr als 5%.

Gas ist dabei kein Einzelfall. Die bisherige Erholung und die Hoffnung auf eine weitere Gesundung der Weltwirtschaft hat die Spekulanten zurück an den Markt gelockt. Und nirgendwo steigen die Preise so stark wie bei den Rohstoffen. 2009 haben die Notierungen von Erdöl um zwei Drittel zugelegt. Der Unzenpreis von Gold ist deutlich über die 1000-Dollar-Grenze geklettert. Der Handelswert von Kupfer hat sich mehr als verdoppelt.

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Kupfer hat goldenen Boden

Marktkenner wie Steven Frey von der Zürcher Rohwaren-Investment-Spezialistin Basinvest schauen dem Treiben staunend zu. «Bei den Basismetallen gibt es derzeit sehr viele Gerüchte, dass die Preise von Spekulation getrieben seien - gerade bei Kupfer und Nickel ist dies ein Riesenthema», so Fey. Interessanterweise spräche dabei die Rohstoffbranche nicht von einer grossen Belebung der industriellen Nachfrage. «Das lässt vermuten, dass Finanzinvestoren für einen Grossteil des Preisanstiegs verantwortlich sind.»

Noch deutlicher ist dieses Ungleichgewicht bei Gold. Investoren sind dort praktisch für 100% der Nachfrage verantwortlich, mit Gold unterlegte Indexfonds (ETF) gehören zu den grössten Käufern des gelben Metalls. Doch wie viel des Preisanstiegs ist heisse Luft?

«Bei Kupfer sehen wir weitere Preissteigerungen, weil das Angebot im Falle einer Wirtschaftserholung kaum ausgebaut werden kann», sagt Frey. Zur Vorsicht rät er bei Aluminium, und auch der heutige Goldpreis sei eher zu hoch, wenn die erwartete Inflation langsam und in geringem Masse einsetzen sollte. Anleger sind vor diesem Hintergrund gut beraten, ihre Rohstoffpositionen breit abzustützen. Relativ geringe Risiken bergen ETF auf Sammelindizes, während bei Minenaktien eine hohe Volatilität zu erwarten ist.

Rohwaren werden derzeit auch als Absicherung gegen den Dollar gekauft - und hängen damit direkt mit der derzeit grössten Wette am Finanzmarkt zusammen: Die auf einen weiteren Fall der US-Leitwährung. Gegenüber dem Euro und verschiedenen Hochzinswährungen ist der «Greenback» auf eiein Jahrestiefst gefallen, weil Investoren in der Devise günstig Kapital aufnehmen und dieses zu höherem Zins in Fremdwährungen anlegen. Diese Carry Trades setzen den Dollar weiter unter Druck. Zusätzlich belastend wirkt das US-Budgetdefizit von über 1 Billion Dollar und die Rekordmenge an Staatsanleihen, welche die Regierung derzeit an den Markt bringt.

Der Run auf Staatsschulden birgt seinerseits Probleme, sagt Thomas Steinemann, Chefstratege der Schweizer Privatbank Vontobel. «Tendenziell gefährlich ist die Situation bei den Staatsanleihen: Wenn man von einer schwachen, aber kontinuierlichen Erholung bis 2011 ausgeht, dann sind diese Papiere heute deutlich überteuert.» Dagegen seien Firmenbonds weit von einer Blase entfernt.

Verbleibende Unsicherheiten

Auch bei Aktien sieht Steinemann noch nicht die Gefahr einer Überhitzung. «Die Aktienmärkte sind immer noch in einem Prozess der Erholung, ich sehe nicht einmal bei den Schwellenland-Werten eine Blasenbildung», so Steinemann. Die eher hohen Bewertungen seien mit Vorbehalt zu betrachten, da die Gewinnschätzungen immer noch auf dem Niveau von letztem März verharrten.Doch auch der Chefstratege empfiehlt jetzt: «Derzeit sollten Anleger die Risiken im Portefeuille sicher nicht erhöhen und diversifiziert bleiben.» Gedämpfte Töne schlägt auch eine Hedge-Managerin an, die Vermögen in der Höhe von 17 Mrd Dollar verwaltet. «Die Volatilität über alle Anlageklassen ist weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt», sagt Sophia Brickell, Investmentspezialistin beim Hedge-Fonds GAM Multi Manager. Ihr Fazit: «Trotz der jüngsten Zeichen einer Stabilisierung verbleiben Unsicherheiten.»