Fast ein Jahr ist es her, seit die Liechtensteinische Landesbank LLB mit ihrem Sieg in der Übernahmeschlacht um die Ostschweizer Bank Linth Aufsehen erregte – sorgt Sie bald wieder für Schlagzeilen?

Josef Fehr: Für uns war das ja keine Übernahmeschlacht, sondern ein freundliches Zusammengehen. Wenn wir also dieses Jahr Schlagzeilen machen sollten, dann hoffentlich ebenso positive.

Konkret: Wann kommt der nächste Übernahmecoup auf Schweizer Boden?

Fehr: In der Grössenordnung der Bank Linth haben wir derzeit nichts im Köcher. Aber wir wollen weiterwachsen, und die Schweiz ist neben Liechtenstein ein wichtiger Markt für uns. Sollten sich Möglichkeiten ergeben, die zu uns passen, werden wir sie überprüfen …

… Möglichkeiten wie die Bank CA St. Gallen? Die St. Galler Kantonalbank hat dort eine 5%-Position aufgebaut, um dem Zugriff einer «liechtensteinischen Bank» zuvorzukommen. Und Ende 2007 hat auch die RBA-Bankengruppe ebenfalls Anteile am Regionalinstitut zugekauft.

Fehr: Vielleicht weiss man ja in St. Gallen mehr als wir mir persönlich ist jedenfalls nicht bekannt, dass eine Liechtensteiner Bank an der Bank CA interessiert wäre. Auch wir selber befinden uns derzeit nicht in Gesprächen mit der Bank CA.

Die Schweizer Banker sind also grundlos nervös?

Fehr: Es ist nachvollziehbar, dass jemand auf seinem Marktgebiet einen Pflock einschlagen will. Auch deshalb, weil die Schweizer Bankbranche in Bewegung ist und es noch auf Jahre hinaus sein wird. In diesem Wandel sind wir ein Mitbewerber. Wir halten unsere Augen stets geöffnet.

Und in welche Richtung richtet sich Ihr Blick?

Fehr: In der Schweiz ist die Zürichsee-Region für uns generell interessant. Sowohl organisch wie auch akquisitorisch, sowohl im Retail- wie auch im Vermögensverwaltungsbereich.

Für die Aktienmehrheit an der Bank Linth hat die LLB 2007 rund 325 Mio Fr. ausgegeben. Wie gross ist die Kriegskasse im 2008?

Fehr: Das untersuchen wir von Fall zu Fall. Grundsätzlich sollen Akquisitionen aus eigenen Mitteln finanzierbar sein.

Auf die Übernahme folgt die Integration – bei der Bank Linth haben Sie sich damals das Ziel gesteckt, den Zusammenschluss bis Ende 2007 unter Dach und Fach zu bringen. Ist das gelungen?

Fehr: Das Projekt «2gether», in dem die Synergiepotenziale zwischen der LLB und der Bank Linth ausgelotet wurden, ist sehr erfreulich verlaufen. Alle 16 Teilprojekte sind abgeschlossen und die Synergien identifiziert. Nun werden die daraus abgeleiteten Massnahmen im Tagesgeschäft umgesetzt – teilweise geschehen ist dies schon bei der Beratung im Private Banking und im Zugang der Bank-Linth-Kunden zu den LLB-Produkten.

Wo erwarten Sie das grösste Synergiepotenzial?

Fehr: Die Synergien erwarten wir besonders auf der Ertragsseite. Wie wir von Anfang an kommuniziert haben, werden keine Mitarbeitenden entlassen – wir sind im Rahmen der Gruppe eher daran, Stellen auszubauen.

In welche Richtung werden Sie die Bank Linth weiterentwickeln?

Fehr: Wir wollen die regionale Verankerung der Bank beibehalten und streben deshalb auch keine Mehrheit im Verwaltungsrat an. Wir halten auch an der Universalbank-Strategie der Bank Linth fest, setzen aber ein besonderes Augenmerk aufs Private Banking. Denn im Anlagebereich verfügt die Bank Linth unter anderem entlang dem Zürichsee über ein sehr attraktives Wachstumspotenzial.

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Im 1. Semester 2007 hat die Bank Linth der LLB einen Gewinnbeitrag von 1,3 Mio Fr. nach Abschreibungen geliefert – wie hat sie im 2. Halbjahr abgeschnitten?

Fehr: Genaue Zahlen kann ich noch nicht bekannt geben. 2007 wird der Gewinnbeitrag aber im Rahmen der Erwartungen im tiefen einstelligen Millionenbereich ausfallen. Es hat keinen grossen Sprung zwischen den beiden Semestern gegeben.

Bis jetzt hat die Übernahme der Bank Linth vor allem Kosten verursacht: Im 1. Semester 2007 steigen diese bei der LLB fast um die Hälfte an. Konnten Sie dort Boden gut machen?

Fehr: Auch unser Ertrag ist im 1. Semester deutlich gestiegen aber es stimmt, die Integration hat Kosten verursacht. Hinzu kamen die Ausgaben für den neuen LLB-Brand und die weitere Umsetzung der Wachstumsstrategie. Trotzdem haben wir derzeit eine sehr gute Cost-Income-Ratio von rund 45%.

Können Sie die Rate auch 2008 halten?

Fehr: Wir möchten uns nicht an eine Zahl klammern, wenn wir uns dabei Wachstumschancen verbauen. 2008 sollte aber die Kosten-Ertrags-Relation in der gleichen Grössenordnung wie letztes Jahr ausfallen.

Auf den Ertrag drücken nicht zuletzt die sinkenden Gewinnmargen im Zinsgeschäft – wie stark spürt dies die LLB?

Fehr: Der Margendruck hat international zugenommen. Wir konnten diesen aber in Grenzen halten, indem wir unsere Dienstleistungen und Produkte dank unserer betrieblichen Effizienz zu sehr günstigen Preisen anbieten können – die teuren Produkte spüren den Druck zuerst.

Wie entwickelt sich die höhermargige Vermögensverwaltung?

Fehr: Das Vermögensverwaltungsgeschäft bauen wir vom derzeitigen Anteil von 18% am Kundenvermögen weiter aus. Dort wollen wir auch 2008 mehr als die gruppenweiten 3% an jährlichem Neugeldzufluss erreichen.

Wie viel Neugeld ist der Gruppe 2007 zugeflossen? Im 1. Semester 2007 erreichte die LLB ja eine Steigerung um 2,8%.

Fehr: Obwohl das 2. Halbjahr für die Bankenbranche generell schwieriger war als das erste, können wir mit dem Zufluss sehr zufrieden sein. Dies gilt auch für das Zinsen- und Kommissionsgeschäft.

Was heisst das für den Jahresgewinn?

Fehr: Dort, wo wir das Geschäft beeinflussen konnten, sind wir mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. Die Börsen können wir nicht beeinflussen, und dort war die Lage auch für uns anspruchsvoll.

Anspruchsvoll ist die Situation auch für LLB-Aktionäre: Ihr Investment hat seit letztem Juni 26% an Wert verloren. Wie erklären Sie sich den Kurszerfall?

Fehr: Wenn irgendetwas in der Bankenwelt geschieht, wird auch unsere Aktie mit in den Topf geworfen – und genau das ist in den letzten Monaten geschehen. Dies, obwohl wir nicht direkt von der Subprime-Krise betroffen sind und wir als Universalbank mit starkem Private Banking eine stabile Geschäftsentwicklung vorweisen.

Wie viel Potenzial sprechen Sie der Aktie nach dem starken Kursrückgang zu?

Fehr: Wenn wir unsere Wachstumsstrategie weiter erfolgreich umsetzen, wird sich das früher oder später im Aktienkurs niederschlagen.

Zur langfristigen Rendite gehört auch die Dividendenpolitik. Kommt eine Kapitalherabsetzung wie letztes Jahr in Frage?

Fehr: Noch ist nichts entschieden. Grundsätzlich wollen wir aber weiterhin eine attraktive Dividende bieten.

Darüber würde sich auch das Fürstentum Liechtenstein freuen, mit gegenwärtig 57,5% Aktienanteil Mehrheitsaktionär der LLB. Wird sich dieser Anteil weiter zurückbilden?

Fehr: Wir möchten, dass der Staat die Mehrheit behält. Wir wollen aber auch die Aktionärsbasis verbreitern. Ein Staatsanteil bei 51% ist das mittelfristige Ziel.

Was bedeutet für die LLB das Programm «Futuro», das die Weiterentwicklung des Liechtensteiner Finanzplatzes umreisst und dieser Tage vorgelegt wird?

Fehr: Wir sind glücklich, dass es dieses Projekt gibt, denn im härteren Wettbewerb muss ein Finanzplatz die Zukunft zu antizipieren versuchen. Was ich bisher vom Projekt sehen konnte, ist sehr zufriedenstellend. Insbesondere, dass auf den Schutz der Kunden-Privatsphäre und die Asset Protection Wert gelegt wird.

Wo liegen die grössten Vorteile des Finanzplatzes Liechtenstein zur Schweiz?

Fehr: Die beiden Finanzplätze sind sich vom Innovationsgrad her sehr ähnlich und sitzen gegenüber dem Rest der Welt im gleichen Boot. Aufgrund des EWR-Anschlusses bietet Liechtenstein sicher einige Vorteile, wie etwa im Fondsgeschäft. Ein Fondsanbieter kann so unkompliziert die EU-Zulassung für seine Produkte erlangen. Das ist ein Geschäft, das wir über unsere Tochter LLB Fund Services forcieren und das aus der Schweiz eine sehr starke Nachfrage erfährt: Immer mehr Vermögensverwalter aus der Schweiz wollen EU-kompatible Produkte lancieren.

 

Josef Fehr zur Gefahr einer Rezession: