Für Michael Ahearn wäre es ein Segen, würde Barack Obama zum US-Präsidenten gewählt. Ahearn ist der Vorstandschef von First Solar, dem grössten US-Hersteller von Solarmodulen. «Obama ist definitiv ein Kandidat, wie man ihn sich nur wünschen kann», sagte der Manager.

Mit Ahearn stimmen auch Anlageexperten überein. «Wäre Obama eine Aktie, dann wäre er am ehesten First Solar», kommentierte der berühmte US-Anlageberater und Fernsehmoderator Jim Cramer vor kurzem. Doch auch der Rest der Branche erneuerbarer Energien kann sich über den Kandidaten freuen. Denn der 47-Jährige ist ein grosser Anhänger von umweltfreundlicher Technik.

Ein wesentlicher Teil von Obamas Wahlprogramm ist es, in den kommenden Jahren 150 Milliarden Dollar (rund 97 Milliarden Euro) in umweltschonende Technologien zu investieren, darunter Biodiesel, Windenergie und Solarzellen. Branchenexperten loben das Fachwissen des Kandidaten zu erneuerbaren Energien. «Wenn man Obamas Programm sieht, könnte man meinen, er hätte einen Hochschulabschluss in Energiepolitik», kommentierte John Podesta vom Center for American Progress diese Woche bei der weltgrössten Windmesse in Texas.

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Obamas Nominierung bietet Chancen für Anleger, die von einer möglichen Wahl des demokratischen Kandidaten in diesem November profitieren wollen. In der Branche umweltfreundlicher Energien ist First Solar einer der derzeit meistverbreiteten Tipps für Aktionäre. Die Firma aus dem sonnigen Arizona ist seit rund zwei Jahren an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet. Die Deutsche Bank empfahl letzten Donnerstag einen Einstieg ins Unternehmen, der momentan besonders günstig sei: Der Aktienpreis war in den vergangenen Wochen von 317 auf 242 Dollar gestürzt, nachdem Firmenchef Ahearn rund die Hälfte seiner Anteile abgestossen hatte.

Andere börsennotierte Firmen aus dem Energiesektor, die von einer Wahl Obamas profitieren würden, sind Florida Power and Light, der grösste Windparkbetreiber der USA, und die Chicago Climate Exchange, an der Unternehmen bereits heute freiwillig Zertifikate für CO2-Ausstoss handeln können. Auch der Mischkonzern General Electric (GE) würde zu den Profiteuren gehören. Das Konglomerat ist der weltgrösste Hersteller von Windturbinen. In den USA stellt der Konzern momentan fast jedes zweite Windrad auf. Kein Wunder, dass GE zu den grossen Spendern Obamas gehört. Mehr als 50 Spender umfasst die Liste der GE-Mitarbeiter, die auf der Internetseite opensecrets.org als Spender für die Obama-Kampagne aufgelistet sind.

Zwar dürfen Unternehmen selbst kein Geld an die Kandidaten zahlen, jedoch deren Mitarbeiter. Obama hat bisher insgesamt 265 Mio Dollar an Spendengeldern eingesammelt, davon einen grossen Teil aus der Branche umweltfreundlicher Energien. Der Sektor spendete in diesem Jahr bisher 689 Mio Dollar, davon drei Viertel an die demokratischen Kandidaten.

Ein weiterer wesentlicher Teil von Obamas Spenden stammt aus dem Gesundheitssektor. Die grossen Betreiber von Krankenhäusern und die Anbieter von Krankenversicherungen erhoffen sich durch ihn eine Überholung des angeschlagenen Gesundheitssektors – auch wenn eine Reform die Anbieter unter Kostendruck setzen dürfte. Momentan haben 47 Mio Amerikaner keine Krankenversicherung. Obama plant, die Zahl der Versicherten drastisch zu erhöhen. Wären in Zukunft mehr Amerikaner krankenversichert, würde das für den Gesundheitssektor mehr potenzielle Kunden bedeuten.

Zu den grössten Profiteuren aus diesem Sektor dürfte der Konzern United Health Group gehören, der unter anderem Krankenversicherungen anbietet. Entsprechend sind fast 30 Manager aus dem Unternehmen auf Obamas Spendenliste angeführt, darunter auch Vorstandschef Rodney Armstead. Als interessante Anlageziele aus der Branche gelten auch die Versicherer Humana und WellPoint.