Die Terrorangst hat Europa im Griff. Das hat nicht nur auf politischer Ebene Folgen. Auch in der Wirtschaft dürften die Anschläge in Paris Spuren hinterlassen. So geht die Credit Suisse davon aus, dass das Massaker vom vergangenen Freitag kurzfristig an den europäischen Märkten Reaktionen hervorrufen könnte.

Daher hat die Grossbank mögliche Auswirkungen auf Sektoren und Wertpapiere unter die Lupe genommen. Nachfrageveränderungen dürften vor allem die Bereiche Fluggesellschaften, Tourismus und Konsum beeinflussen.

Märkte trotzen Anschlägen

In der Vergangenheit seien die Reaktionen auf Terroranschläge wie etwa in Madrid 2004 oder in Grossbritannien 2005 tendenziell zwar nur von kurzer Dauer gewesen, schreibt die Credit Suisse. Nach dem Pariser Massaker haben die Märkte bis jetzt kaum negativ reagiert. So ist seit Freitag der SMI über 2 Prozent gestiegen, der S&P 500 um über 1 Prozent und auch der Eurostoxx kletterte fast 3 Prozent.

Dennoch dürften sich die Anschläge bei einzelnen Aktien und Sektoren bemerkbar machen. Als belastender Faktor könnten sich schon nur Währungsschwankungen erweisen. Der Credit Suisse zufolge könnte sich der Euro abwerten und den Franken und möglicherweise auch den Dollar treiben, was die Schweizer Exporte belasten würde. Das würde möglicherweise die Schweizerische Nationalbank zu einer Lockerung der Geldpolitik veranlassen, schreibt das Geldhaus am Zürcher Paradeplatz.

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Schwächelnder Tourismus belastet Luxuskonzerne

Im Konsumsektor dürfte der Tourismus insbesondere in europäischen Grossstädten auf kurze bis mittlere Sicht am meisten leiden. Das würden Reiseunternehmen spüren, so etwa Kuoni oder das französische Hotelunternehmen Accor. Auch dem Snack-Automaten-Betreiber Selecta drohen Umsatzeinbussen. Das Schweizer Unternehmen erwirtschaftet fast ein Drittel seiner Umsätze in Frankreich. Eine geringere Reisetätigkeit der Franzosen und kürzere Aufenthaltszeiten an Bahnstationen dürften den Absatz bei den Automaten drücken.

Die sinkende Zahl der Touristen würde zudem Luxuskonzerne belasten. So sind asiatische Reisende in Europa der Treiber für die Umsätze bei Schmuck und Uhren. Bleiben diese wegen der Terrorangst weg, müssten der französische Luxusriese LVMH oder der Modekonzern Kering mit Verlusten rechnen. Auch Uhrengigant Swatch könnte laut Credit Suisse unter einem schwächelnden Absatz und einem stärkeren Franken zu leiden haben.

Airlines unter Druck

Unter Druck stehen zudem die Fluggesellschaften. Schon der Absturz des russischen Passagierjets über der Sinai-Halbinsel bescherte den Airlines eine sinkende Nachfrage. Die Attentate in Paris dürften den Trend verstärken und die Sicherheitskosten steigen lassen. Das werde laut Credit Suisse die Air France und auch die Swiss-Mutter Lufthansa belasten. Beide Unternehmen leiden bereits unter starker Konkurrenz, hohen Kosten und Streiks.

Auch Versicherungs- und Bankaktien könnten kurzfristig nachgeben, so etwa jene des französischen Geldhauses BNP Paribas. Versicherungsunternehmen würden hingegen von steigenden Risikoprämien betroffen sein, schreibt die Credit Suisse. Die langfristigen Folgen liessen sich nur schwer abschätzen, da die Entwicklung vor allem von den Massnahmen der Zentralbanken abhänge.

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E-Commerce profitiert

Von der Tragödie in Paris könnten allerdings auch einige Sektoren sowie Unternehmen profitieren. So dürften die Sicherheitsausgaben nach den Anschlägen in Europa steigen. Das werde bei Verteidigungs- und Rüstungskonzernen für höhere Umsätze sorgen.

Die Credit Suisse erwartet zudem steigende Verkäufe im Bereich E-Commerce. Konsumenten dürften nach den Attentaten viel mehr von zuhause aus einkaufen und gefüllte Einkaufszentren oder andere Orte mit vielen Besuchern tendenziell meiden. Vor allem im Weihnachtsgeschäft dürften die Internet-Verkäufte steigen und Anbieter wie Amazon treiben. Auch die Nachfrage bei Paket- und Expressunternehmen wie Deutsche Post dürfte wachsen.

Einen Nachfrageanstieg erwartet die Credit Suisse auch bei Einzelhändlern. So könnte der französische Supermarktbetreiber Carrefour davon profitieren, dass die Konsumenten für eine gewisse Zeit lieber zuhause essen als auswärts und daher mehr haltbare Lebensmittel bunkern.

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Konjunkturelle Erholung in Europa nicht in Gefahr

Auch wenn einzelne Unternehmen und Sektoren die Folgen der Attentate in Paris spüren werden – die konjunkturelle Erholung in Europa sieht die Credit Suisse nicht in Gefahr. Der gleichen Meinung ist auch die Europäische Zentralbank (EZB). Die Währungshüter sehen bislang keine Hinweise auf negative Folgen für die Konjunktur durch die Anschläge.

«Wir sollten davon abkommen, voreilige Schlüsse zu ziehen», sagte EZB-Direktor Yves Mersch am Mittwoch in Frankfurt. «Wir haben keine Hinweise für einen wirtschaftlichen Pessimismus als Resultat der Pariser Anschläge.» Das Gerede von düsteren Zukunftsaussichten sei nicht gerechtfertigt.

(dbe)